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9783895006999

Herausgegeben von der Bayerischen Staatsbibliothek. Ausstellung und Katalogredaktion: Bettina Wagner

»Als die Lettern laufen lernten«

Medienwandel im 15. Jahrhundert. Inkunabeln aus der Bayerischen Staatsbibliothek München

2009
22,5 x 29,0 cm, 240 S., 122 farb. Abb., Gebunden
19,90 €

ISBN: 9783895006999
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

Aus den reichen Inkunabelbeständen der Bayerischen Staatsbibliothek zeigt diese Ausstellung die bedeutendsten Stücke: die Gutenberg-Bibel, den Türkenkalender von 1454 oder Hartmann Schedels persönliches Exemplar seiner Weltchronik. Sie geben Einblick in die Drucktechniken im 15. Jahrhundert und zeigen, wie der Buchdruck allmählich die Handschriften verdrängte.

Ausführliche Beschreibung

Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg wird häufig als «Medienrevolution» bezeichnet und mit den Auswirkungen der «elektronischen Revolution» der vergangenen Jahrzehnte verglichen, denn beide Geschehen führten zu tiefgreifenden Veränderungen der Herstellung und der Verbreitung von Texten. Die Ausstellung möchte demgegenüber veranschaulichen, dass in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nicht ein plötzlicher Umbruch, sondern ein allmählicher Ablösungsprozess stattfand. Zwar wurden bei der Buchherstellung zunehmend Drucktechniken eingesetzt, aber die ältesten Drucke, die Wiegendrucke oder Inkunabeln, weisen immer noch zahlreiche individuelle Charakteristika auf, die von Hand erzeugt wurden. Innovation und Tradition überlagern sich so in vielfältiger Weise: die modernen Techniken zur gedruckten Vervielfältigung von Texten und Bildern, etwa der Holzschnitt und der Druck mit beweglichen Lettern, verdrängten das Abschreiben von Hand nur langsam, und gedruckte Bücher wurden noch über lange Zeit von Hand korrigiert, mit farbigen Überschriften und gemalten Bildern ausgestattet.
Aus den reichen Inkunabelbeständen der Bayerischen Staatsbibliothek, die mit über 20.000 Exemplaren weltweit eine Spitzenposition einnimmt, werden etwa 100 Stücke gezeigt. Im Mittelpunkt stehen die «Gutenberg-Bibel» und der «Türkenkalender» von 1454, ein Unikat der Münchener Sammlung. Neben Bildhandschriften und Blockbüchern sind Wiegendrucke mit gemalten Miniaturen und herausragende Beispiele der Holzschnittillustration zu sehen, etwa der Bericht des Mainzer Domherrn Berhard von Breydenbach über seine Reise nach Palästina, Hartmann Schedels persönliches Exemplar seiner «Weltchronik» und Sebastian Brants «Narrenschiff», für das Albrecht Dürer zahlreiche Bilder entwarf. Gezeigt werden auch Beispiele für andere druckgraphische Verfahren, wie der Kupferstich und Metallschnitt sowie der Farb- bzw. Golddruck. Einblicke in die Abläufe bei der Herstellung gedruckter Bücher geben Probedrucke und gedruckte Rubrikatorenanweisungen. Wie leistungsfähig Druckereien schon im 15. Jahrhundert waren, belegen Wiegendrucke in nichtlateinischen Schriften und in ungewöhnlichen Formaten ebenso wie Zeugnisse für Auflagenhöhen gedruckter Bücher und den Buchvertrieb. Mit dem Eintrag eines Käufers von 1494, der sein Erstaunen über den geringen Preis einer Inkunabel zum Ausdruck bringt, endet die Ausstellung. Vierzig Jahre nach der «Gutenberg-Bibel» hatte sich der Buchdruck am Markt endgültig gegen die Konkurrenz älterer Verfahren der Textverbreitung durchgesetzt.

Rezensionen

Der Ausstellungskatalog wurde für eine Ausstellung im August-Oktober 2009 an der Bayerischen-Staatsbibliothek (BSB) in München erstellt. er ist durchgehend deutsch-englisch gehalten und bringt nach einem kurzen Vorwort Kurzbeschriebungen der gezeigten Objekte, jeweils mit Abbildung. Wie in früheren Ausstellungen zum Thema der Frühdruckillustrationen und den zugehörigen Publikationen wurde auch hier Wert darauf gelegt, die Inkunabeln nicht nur als Einzelobjekte zu beschreiben, sondern in der Auswahl der gezeigten Objekte und natürlich auch de Beschreibungen eine Verortung im jeweiligen Kontext der Druckgeschichte zu bringen. (...) Die ansprechende Bebilderung, die gut verständlichen deutsch-englischen Beschreibungen und der günstige Preis sttzen diese Ausrichtung auch auf ein weiteres Publikum.
Franz Obermeier

In: Zeitschrift für Bibliothek, Archiv und Information in Norddeutschland, Aukunft 30 (2010) 3/4 S. 624-625.
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„Handlich, gut illustriert und mit deutschem und englischem Text versehen, gibt der Ausstellungskatalog sowohl Fachwelt als auch großem Publikum die Möglichkeit, in einen der umfangreichsten Inkunabelbestände der Welt zu schauen. Fundierte Einleitung und gut ausgewählte Beispiele geben einen herrlichen Einblick in die Welt des Buches um Gutenberg und danach.
Kataloge und Bibliographien sind unerlässliche, aber gelegentlich spröde aufgemachte wissenschaftliche Handswerkszeuge. Der von Elmar Hertrich u.a. redigierte Inkunabelkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek in München (Wiesbaden 1988-2009) erhält durch diesen Ausstellungskatalog einen Bildband zur Seite gestellt, der in Auswahl verdeutlicht, welche Raritäten im Inkunabelkatalog verzeichnet sind.
Die Bayerische Staatsbibliothek verfügt wohl über den weltweit größten Bestand an Inkunabel-Einblattdrucken. Diesen verdankt sie hauptsächlich der ehemaligen Benediktinerabtei Tegernsee. Von allen bayerischen Klöstern besaß das Kloster Tegernsee einstmals die bedeutendste Bibliothek. Dort wurden auch Einblattdrucke systematisch gesammelt. Somit stellt sich der vorliegende Ausstellungskatalog auch als eine gewisse exemplarische und optische Ergänzung neben Falk Eisermanns monumentales Verzeichnis der typographsichen Einblattdrucke des 15. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation: VE 15 (Wiesbaden 2004).
Mit dem deutsch-englischen Glossar der Fachbegriffe und weiteren Registern ist der Ausstellungskatalog als Lehrbuch für Berufsanfänger und Neueinsteiger in der Inkunabelkunde ebenfalls hervorragend geeignet. Den 18 Mitarbeitern (...) ein herzliches Dankeschön für ein so ansprechendes wie nützliches Werk, das die Inkunabelbibliothekare der Welt in Zukunft konsultieren werden.“

Ute Obhof

In: Mittellateinisches Jahrbuch. 46 (2011) 1. S. 167.

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„Mit der Begleitpublikation zur Ausstellung „Als die Lettern laufen lernten. Medienwandel im 15. Jahrhundert. Inkunabeln au der Bayerischen Staatsbibliothek München“ (...) gelang dem wissenschaftlichen Team der größten Inkunabelsammlung der Welt ein wichtiger Schritt in Richtung einer zeitgemäßen und aktuellen Forschungsstandards angemessenen Präsentation des Buchwesens in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Nicht das Gegeneinander von technischem Fortschritt (Druckkunst) und traditionellem Handwerk (Handschriften), sondern die Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Praktiken der Buchherstellung wird in den Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen gesetzt. (...)
Neue Impulse für die kulturwissenschaftliche Forschung zu geben, ist eine der Hauptaufgaben von Ausstellungen und Ausstellungskatalogen. Dieses Ziel wurde durch die hier besprochene Publikation mit Sicherheit erreicht, indem nun eine ganze Fülle an Informationen und Forschungsmaterialien aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek in den Grundlagen aufgearbeitet und anschaulich präsentiert vorliegt.“

Armand Tif

In: Codices Manuscripti. Heft 76/77 (Februar 2011). S. 61-64.

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„Es ist das große Verdienst der Ausstellungsmacher zu zeigen, daß die Erfindung Gutenbergs zwar tiefgreifende Auswirkungen auf die Herstellung und Verbreitung von Texten hatte, aber keine Medienrevolution darstellte. Immer häufiger wurden Drucktechniken eingesetzt, in den Inkunabeln finden sich aber immer wieder von Hand erzeugte Details wie Initialen und gemalte Bilder. Das Fazit der Ausstellung lautet: Es war kein plötzlicher Umbruch in der Buchherstellung, sondern ein allmählicher Ablösungsprozeß. (...) Die heutigen Diskussionen über die Vorteile und Gefahren des Internets, das rückläufige Interesse von Kindern und Jugendlichen am Bücherlesen bei gleichzeitiger Begeisterung für iPod, Google und Co., die Klagen vom drohenden Untergang des gedruckten Buches und der gedruckten Zeitung - ein Nachklang aus dem Medienwandel im 15. Jahrhundert?
Dieser Blick zurück auf die Anfängen des Mediums gibt uns Aufschlüsse darüber, wie derartige Veränderungen ablaufen und welche Auswirkungen sie auf Kommunikationssysteme haben - und daß es derzeit auch keine „Medienrevolution“ gibt. Der Übergang dauerte seinerzeit ein halbes Jahrhundert. Er spiegelt sich in dem vorzüglichen Katalog wider, so daß die Inkunabel als Objekt fast zurücktritt gegenüber den Aussagen zu Medienveränderungen.
Der Katalog umfaßt ein Vorwort von Generaldirektor Rolf Griebel, ein Grußwort des Eigentümers des Antiquariats Bibermühle und Sponsors dieser Ausstellung, Heribert Tenschert, und eine großartige Einführung von Bettina Wagner unter der Überschrift „Vom Experiment zur Massenware - Medienwandel im fünfzehnten Jahrhundert“ sowie großformatige Abbildungen von 85 Spitzenstücken aus der Münchner Sammlung, begleitet von informativen Texten von 18 Experten. Der Katalog wird erschlossen durch ein Glossar, eine Bibliographie, ein Namenregister, ein Signaturenregister und Konkordanzen. Die Abbildungen sind von ausgezeichneter Qualität, das Layout ist vorzüglich, die Typographie angemessen, der Umschlag, kombiniert aus einer Ansicht von München aus der berühmten „Schedelschen Weltchronik“ von 1493 und Teilen des Ausstellungsplakates von Florian Raff, ist sehr attraktiv. Es handelt sich also um einen exzellenten Katalog, der weit über die damit verbundene Ausstellung hinaus wirkt, eine wunderbare Monographie nicht nur für Bibliophile und Bibliothekare, sondern auch für die Historiker aus allen Wissenschaftsdisziplinen.“

Dieter Schmidmaier

In: Marginalien. 1/2010. S. 71-73.

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„Sehr schön gestalteter, reichhaltiger Ausstellungskatalog. Instruktive und anregende Beschreibung von 85 ausgewählten Inkunabeln, dazu qualitativ hochwertige Abbildungen. Einleitend der Beitrag „Vom Experiment zur Massenware - Medienwandel im 15. Jahrhundert“ von Bettina Wagner.“

In: Archiv für Reformationsgeschichte. 39 (2010) S. 82.

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„Naturgemäß kann eine so konzipierte Ausstellung, die noch dazu nahezu vollständig auf Leihgaben verzichtet, keine grundsätzlich neuen Einsichten über die Produktion des gedruckten Buches eröffnen. Ihre besondere Stärke liegt vielmehr darin, das Thema des medialen Wandels im 15. Jahrhundert anschaulich und konzentriert darzustellen und seine bis in die Gegenwart reichende Relevanz aufzuzeigen. Der große Gewinn des alle Exponate in mindestens einer seitengroßen, vorzüglichen Farbabbildung wiedergebenden Katalogs liegt darin, das neue Medium des gedruckten Buches mitsamt seinen Vorläufern und seinen Derivaten in alle denkbaren Facetten zu beleuchten. Jede weitere Beschäftigung mit dem Thema wie mit dem einzelnen Ausstellungsobjekt wird durch reiche, sorgfältig ausgewählte Literaturangaben, ein zweisprachiges Glossar (S. 212–219), eine sehr umfangreiche Auswahl-Bibliographie mit über 400 Titeln (S. 220–232), Namens-, Signaturenregister und Konkordanzen erleichtert. Die häufig großformatigen, manchmal dem Originalformat der Blätter angenäherten Farbtafeln wie die in die Einleitung und bisweilen in die Katalogtexte eingefügten Detail- und Vergleichsabbildungen verleihen dem Katalog gleichsam den Status eines umfassend informierenden »Bilder-Atlas« zur Inkunabelkunde. Bis zum Erscheinen des angekündigten Abbildungsbandes zum Inkunabelkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek, dessen fünf Katalog- und bislang zwei Registerbände ebenfalls im Dr. Ludwig Reichert Verlag in Wiesbaden erschienen sind, kann der besprochene Ausstellungskatalog als umfangreichster derzeit verfügbarer Bilderfundus zum Inkunabelbestand der Bayerischen Staatsbibliothek und als zuverlässiges, anregendes Arbeitsinstrument auch für den Inkunabelforscher dienen. Deshalb sollte er nicht für jenen »Büchernarren« bestimmt sein, der – wie Sebastian Brant in seinem »Narrenschiff« (Kat. 85) satirisch schildert und abbilden lässt –»überzeugt davon, gelehrt zu sein […], zwar die Bücherstapel auf seinem Lesepult mit einem Wedel vor lästigen Fliegen« schützt; »er studiert sie jedoch nicht und lässt sich somit auch nicht belehren« (S. 211).


Helmut Engelhart: Als die Lettern laufen lernten. Medienwandel im 15. Jahrhundert. Ein Münchener Ausstellungskatalog als »Bilder-Atlas« zur Inkunabelkunde. (Rezension über: Bettina Wagner: Als die Lettern laufen lernten. Medienwandel im 15. Jahrhundert. Inkunabeln aus der Bayerischen Staatsbibliothek München. Wiesbaden: Dr. Ludwig Reichert 2009.)

In: IASLonline [21.05.2010]
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Datum des Zugriffs: 01.06.2010

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