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9783895008245

Dagyeli, Jeanine Elif

»Gott liebt das Handwerk«

Moral, Identität und religiöse Legitimierung in der mittelasiatischen Handwerks-risala

2011
17,0 x 24,0 cm, 320 S., 20 s/w Abb., Gebunden
98,00 €

ISBN: 9783895008245
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

Das mittelasiatische Sendschreiben über den Beruf, risala-yi kasb, stellt eine Textgattung eigener Art dar, die bislang nur marginal von der Forschung beachtet wurde. In ihr wird der Handwerksberuf durch göttliche Intervention begründet und durch eine Kette von Überlieferern legitimiert. Zugleich stellt die risala einen Moralkodex für die gottgefällige Ausübung des Handwerks sowie die soziale Einbindung des Handwerkers dar.
Mit dieser Arbeit liegt nun erstmals eine dichte Beschreibung der mittelasiatischen Handwerkswelt und ihrer Einbindung in ihr religiöses und ökonomisches Umfeld vor. Der interdisziplinäre Forschungsansatz und die Verbindung von Quellenstudium und Feldforschung macht das Buch zu einer ergiebigen Quelle für Islamwissenschaftler, Ethnologen, Religions- und Wirtschaftshistoriker und gibt Fragestellungen für künftige Forschungen vor.

Ausführliche Beschreibung

Das mittelasiatische Sendschreiben über den Beruf, risala-yi kasb, stellt eine Textgattung eigener Art dar, die bislang nur marginaler Forschungsgegenstand war. Einst über einen geographischen Raum von Chorasan bis Nordindien und Xinjang verbreitet, in der sozialistischen Ära Mittelasiens durch den politischen und wirtschaftlichen Umbruch zunehmend ins Abseits gedrängt, scheint sie mit der Besinnung auf vorsowjetische Traditionen in den neuen unabhängigen Staaten eine Renaissance im zeitgenössischen Handwerk zu erleben. In ihr wird der Handwerksberuf durch göttliche Intervention begründet und durch eine Kette von Überlieferern legitimiert. Zugleich stellt die risala einen Moralkodex für die gottgefällige Ausübung des Handwerks und die soziale Einbindung des Handwerkers dar.
Die Autorin übersetzte eine Vielzahl von risala-Handschriften und unterzog sie einer islam- und literaturwissenschaftlichen Analyse. Forschungsaufenthalte bei heute lebenden Handwerkern der Region, zahlreiche Interviews und teilnehmende Beobachtung ergänzen die Analyse um ethnologische Aspekte. Untersucht werden die spirituelle Verortung mittelasiatischer Handwerker, der religiös untersetzte Arbeitsethos, die Regulierung der Beziehungen innerhalb der Handwerkerzusammenschlüsse und die Weitergabe des berufsspezifischen Wissens. Die Handwerke lassen sich hierbei nach ihren Gründungsmythen und ihren legendären Meistern, den pīr, kategorisieren. Nach und nach entwickelt sich daraus eine spirituelle Landkarte des Handwerks. Arbeit wiederum wird in ihrer sozialen Wertigkeit in der Selbst- und Fremdzuschreibung betrachtet und ihre Verankerung in den Diskursen um Armutsethos und Gewinnstreben in verschiedenen islamischen Denkschulen dargestellt. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Vermittlung des Handwerks und dem Verhältnis von Meister und Lehrling, das seine Entsprechung in der sufischen Tradition findet. Durch die kritische Rezeption russischer bzw. sowjetischer ethnographischer Forschung werden die Untersuchungen zu Handwerk und Handwerker-risala seit Ende des 19. Jahrhunderts erschlossen und in Beziehung zu den (revitalisierten) Narrativen der Gegenwart gesetzt.
Mit dieser Arbeit liegt erstmals eine dichte Beschreibung der mittelasiatischen Handwerkswelt und ihrer Einbindung in ihr religiöses und ökonomisches Umfeld vor. Der interdisziplinäre Forschungsansatz und die Verbindung von Quellenstudium und Feldforschung macht das Buch zu einer ergiebigen Quelle für Islamwissenschaftler, Ethnologen, Religions- und Wirtschaftshistoriker und gibt Fragestellungen für künftige Forschungen vor.

Autoreninfo

Jeanine Elif Dagyeli

studierte Zentralasienwissenschaft und Islamwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zwischen 2005 und 2007 forschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Thema mittelasiatische Handwerks-risala, zu dem sie 2008 an der Humboldt Universität promovierte. Derzeit ist sie Post-Doc-Stipendiatin der Gerda-Henkel-Stiftung und forscht über Tod und Dienstleistungsgruppen im Bereich der Begräbnisrituale in Mittelasien.

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