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9783895006449

Leiermann, Tom

Shibam – Leben in Lehmtürmen

Weltkulturerbe im Jemen

2009
21,0 x 28,0 cm, 296 S., 300 farb. Abb., 33 s/w Abb., Gebunden
49,00 €

ISBN: 9783895006449
Vorwort
Inhaltsverzeichnis

Kurze Beschreibung

„Shibam – Leben in Lehmtürmen“ ist die Darstellung der einmaligen alten Oasenstadt im Jemen, die wegen ihrer spektakulären Lehmhochhäuser zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Aus der Sicht eines Architekten, der in der Stadt lebt und arbeitet, wird hier erstmals die denkmalsgeschützte Architektur dieser historischen Altstadt detailliert analysiert und dokumentiert, einschließlich der vielfältigen Holzschnitzkunst, die sich im Innern der Lehmhäuser verbirgt. Aber auch über das Leben der Bewohner dieser Stadt mit ihrem Alltag, den Armutsproblemen, ihren Festen und Höhepunkten wird hier aus nächster Nähe berichtet. Nirgendwo sonst ist die alte arabische Kultur so lebendig wie innerhalb der Stadtmauern von Shibam und gewährt so einen authentischen Blick in eine faszinierend intakte orientalische Lebenswelt. Die Herausforderungen der Gegenwart bleiben nicht ausgespart. Zahlreiche Fotos und Zeichnungen illustrieren den Text.

Ausführliche Beschreibung

„Shibam - Leben in Lehmtürmen“ ist die Darstellung der einmaligen alten Oasenstadt im Jemen, die wegen ihrer spektakulären Lehmhochhäuser zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Aus der Sicht eines Architekten, der seit vielen Jahren in Shibam lebt, arbeitet und dort verheiratet ist, wird hier erstmals eine umfassende Monographie der Stadt und ihres Umlandes im Wadi Hadramaut vorgelegt.
Nach einem Überblick zur bis in die Antike zurück reichenden Geschichte der Stadt wird die denkmalgeschützte Architektur der historischen Altstadt detailliert analysiert und dokumentiert, einschließlich der vielfältigen Holzschnitzkunst, die sich im Inneren der Lehmhäuser verbirgt. Eigene Kapitel sind den Moscheen und den Zweckbauten der Umgebung gewidmet. Auch die vielfältigen Handwerkstechniken, die im Zusammenhang mit dem Lehmbau zur Anwendung kommen, sind umfassend dargestellt. Nicht zuletzt wird über das Leben der Bewohner dieser Stadt mit ihrem Alltag, ihrem Arbeiten und Wirtschaften, den Armutsproblemen, ihren Festen und Höhepunkten aus nächster Nähe berichtet.
Nirgendwo sonst ist die alte arabische Kultur so lebendig wie innerhalb der Stadtmauern von Shibam und gewährt so einen authentischen Blick in eine faszinierend intakte orientalische Lebenswelt. Dabei bleiben die Herausforderungen der Gegenwart nicht ausgespart. Zahlreiche Farbfotos und Zeichnungen illustrieren den Text.

Rezensionen

„Es ist eine lobenswerte Besonderheit des Buches, dass der Autor seinen Lesern über die fundierte Darstellung der Architektur hinaus auch das Leben der Bewohner Shibams nahebringen möchte. (...)
Leiermanns Plädoyer und Engagement für ein umfassendes Entwicklungsprojekt, das die kulturellen Aspekte einbezieht (S. 253), ist nicht hoch genug zu loben. Die oben angemerkten „Schwächen“ des Bandes ergeben sich aus der Einzelstellung des Autors in dem Projekt, dem es nicht zugemutet werden kann, neben seiner Arbeit als Architekt auch alle übrigen Aspekte der Stadtkultur wissenschaftlich zu durchdringen. Vielmehr zeigt die Publikation wieder einmal, wie wichtig in solchen Projekten die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Architekten, Stadtplanern und Ethnologen, Islamwissenschaftlern u.a. wäre. Gerade der Aspekt der Identität der Bewohner und ihre sehr eigenständige Stadtkultur könnte durch Einbeziehen ethnologischer Ansätze und Methoden noch besser erfasst und nachhaltiger zur Motivierung der Bewohner im Hinblick auf den Denkmalschutz eingesetzt werden.
Insgesamt gesehen ist der Band eine eigenwillige Mischung aus wissenschaftlicher Darstellung, persönlichem Erfahrungsbericht und Bildband. Er spiegelt die allgemeine Literaturlage zum Hadhramaut: Man ist dankbar, dass ein Anfang gemacht ist und hofft, dass auf dieser Basis weitere Forschung stattfindet. Das Buch zeigt Möglichkeiten und Ansatzpunkte dafür auf und ist somit als Anregung sehr zu empfehlen.“

Ulrike Stohrer

In: DAVO Nachrichten. 33/34 (2012) . S. 192-193.

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„“Shibam - Leben in Lehmtürmern“ ist vieles: ambitioniertes baukundliches Fachbuch, kulturhistorische Abhandlung, aber eben auch Reportagensammlung und Landesporträt.“

Joerg Helge Wagner

In: Kurier am Sonntag (Weser-Kurier) vom 5. Juni 2011. S. 22.

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Tom Leiermann im Gespräch. Lesen Sie das vollständige Interview mit Tom Leiermann!

In: Gesprächszeit
Radio Bremen, Nordwestradio

http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/gespraechszeit/tomleiermannshibam100.html (6. August 2010)

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„Die von Tom Leiermann vorgelegte Monographie der Stadt Schibam im jemenitischen Hadramaut schließt eine bisher schmerzliche Lücke in der Literatur. Obwohl die Stadtanlage bereits seit 1984 Weltkulturerbe ist und jährlich von Tausenden Touristen besucht wurde, lag keine umfassende Monographie zur Stadt, ihren Bauten, den Bautechniken und ihren Menschen vor. Diese Lücke ist nun sehr ansprechend geschlossen worden. Der Band ist zweifellos ein Standardwerk zur arabisch-islamischen Architektur nicht nur Südarabiens, sondern des gesamten arabisch-islamischen Raumes. Die ansprechenden Pläne und großartigen Fotografien machen die (...) Literaturangaben mehr als wett. Bleibt nur zu hoffen, daß die momentane Destabilisierung des Jemen bald ein Ende finden wird und der durch dieses Buch bestens informierte Interessierte das „Manhattan der Wüste“ gefahrlos selber in Augenschein nehmen kann.“

Moritz Kimzel

In: IFB
http://ifb.bsz-bw.de/bsz32684564Xrez-1.pdf?id=3393 (5. August 2010)

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„In seinem Buch über Schibam geht Leiermann naturgemäß intensiv auf die Architektur der Stadt ein, zieht Vergleiche mit der Architektur anderer arabischer Länder heran, es gibt Skizzen und Lagepläne. Für den Laien mag das manchmal etwas zu sehr ins Detail gehen. Ausgeglichen wird das jedoch durch die zahlreichen Farbfotos von Schibam und Umgebung - wobei den Fotos der örtliche Sittenkodex anzumerken ist: Sie bilden Männer allen Alters und Kinder beiderlei Geschlechts ab - erwachsene Frauen sind darauf nicht zu sehen, denn Frauen kommen in der Schibamer Öffentlichkeit allenfalls vollverschleiert vor. (...)
Trotz der Detailliebe des Architekten gelingt es Tom Leiermann, in seinem Text die Stadt und ihre Struktur lebendig werden zu lassen. Zu zeigen, welche Auswirkungen bestimmte Bauformen oder Materialien auf das Leben der Einwohner haben. Dass die Schibamschen Lehmhäuser unbedingt vor Wasser geschützt werden müssen, wenn sie nicht wie durchweichte Sandburgen in sich zusammenfallen sollen, wirkt sich zum Beispiel auch auf den Gebrauch der Toiletten in den Häusern aus. In Schibam werden die menschlichen Ausscheidungen gleich auf der Toilette nach Konsistenz getrennt, wie Leiermann einer deutschen Besuchergruppe in Schibam erklärt. (...)
So dicht die Bebauung in der Altstadt, so dicht ist auch das Beziehungsgeflecht ihrer konservativen Bewohner. Ein für Außenstehende undurchschaubares Geflecht. Zuzügler gibt es in Schibam nicht. Mit einer Ausnahme: Tom Leiermann. Der nahm sich in Schibam eine Wohnung, trat zum Islam über, heiratete eine Einheimische und erlernte den lokalen arabischen Dialekt. Mehr Integration geht nicht. Der Leser des Buches profitiert davon, denn Leiermann beschreibt nicht nur, wie Straßen und Häuser aussehen, sondern - mit gewissen Einschränkungen - auch, was sich darin abspielt. Zum Beispiel, was es bedeutet, dass Männer und Frauen faktisch in getrennten Welten leben. (...)
Tom Leiermann fühlt sich mittlerweile in Deutschland fremd, wie er einräumt. Mit seinem Buch gibt er uns die Möglichkeit, den fernen Jemen als nicht mehr ganz so fremd zu empfinden.“

In: Lesart - das politische Buchmagazin
Deutschlandradio Kultur
gesendet am 6. Juni 2010


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Menschen und ihre Lehmhäuser
Tom Leiermanns stellt die jemenitische Weltkulturerbe-Stadt Shibam vor

„Shibam - Leben in Lehmtürmen - Weltkulturerbe im Jemen.“ Die Worte klingen fremd. Kommt die Rede heute auf das kleine Land im Süden der arabischen Halbinsel, wird über Entführungen und Terrorismus gesprochen. Das andere Jemen, die reiche Geschichte, die Zeugnisse einer alten KbItur, haben in solchen Diskussionen keinen Raum.
Das Buch des deutschen Architekten Tom Leiermann, der seit vielen Jahren im Auftrag der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in der Kleinstadt Shibam arbeitet, kommt da wohl gerade zur rechten Zeit. Leiermann berichtet nicht nur von alten Bautechniken, sondern auch von den Menschen in einem überschaubaren arabischen Kosmos - und ersten terroristischen Attacken.

Städtebaulicher Sonderfall
Shibam liegt in einem Landstrich, der viele Jahrhunderte von der übrigen Welt nicht wahrgenommen wurde. Von Wüsten umschlossen, von Hitze und Dürre geplagt, gilt die „Metropole des Wadi Hadramaut“ als ein städtebaulicher Sonderfall. Die Altstadt mit ihren bis zu achtgeschossigen Lehmhäusern bedeckt ein Rechteck von gerade 350 mal 250 Metern. „Es ist eine Stadt aus sehr vergänglichem Material, aus Erde. Trotzdem ist Shibam eine sehr zähe Stadt“, heißt es gleich zu Beginn. Solche leicht ins Philosophische gewendete Formulierungen finden sich immer wieder. Sie machen einen Reiz dieses Buches aus. Führen sie den Leser doch auf eine Ebene hinter dein Sichtbaren, die zum Nachdenken anregt.
Wie es sich für einen Architekten gehört, werden Stadt und Turmhäuser nach allen Regeln der Kunst fachlich abgehandelt. Wer möchte, kann Pläne, Skizzen, Detailaufnahmen studieren oder dem Konstruktionsprinzip „der nach oben abnehmenden Massivität“ nachsinnen. Damit ist im Übrigen Folgendes gemeint: „In den unteren Geschossen ist das Gebäude möglichst massiv und die Innenräume bilden geradezu Höhlen, die von Lehmmasse umschlossen sind. Nach oben hin kehrt sich das um: Das Haus wird luftiger, bis die Lehmwände gerade noch eine Handspanne stark sind.“
Wer möchte, kann den 284 Seiten starken, reich bebilderten Band, der in der Reihe „Jemen-Studien“ erschien, auch unter dem Aspekt „Gegensätze“ lesen. Da sind die Gegenspieler Wasser und Lehm. Beides verträgt sich nur sehr schlecht. Doch die Menschen in den Lehmhäusern brauchen das Wasser zum Leben, tragen es in sich und scheiden es aus. Anschaulich schildert Leiermann, wie man in der Altstadt von Shibam das Problem seit alters löst. Und da ist noch die Moderne: „Inzwischen ist die Kulturlandschaft des Wadis überall aus dem Lot geraten: megalomaner Straßenbau, banale Planungen und kitschige Neubauten verschandeln sämtliche Gemeinden“, auch Shibam - mit Ausnahme der Altstadt. Zuletzt hat auch der „destruktive Fanatismus“ Shibam erreicht. „Die nächsten Jahre werden zeigen, wie die Gesellschaft im südlichen Arabien mit diesem neuen Phänomen fertig wird, das in vielen islamischen Ländern zu beobachten und als radikale Antwort auf eine überwiegend westlich dominierte Globalisierung sowie Ausdruck sozialer Verwerfungen zu werten ist“, schreibt Leiermann. Er setzt darauf, Kräfte und Strukturen einer Region zu stärken.
Tom Leiermann ist inzwischen in Shibam verheiratet. Wohl auch dadurch gelingen ihm intensive Einsichten in das Leben dieser Stadt, jenseits von Wissenschaftlichkeit. Drei „Kleinstadtskizzen“ zeugen davon. „Die Flut“, „Pokalfinale“ und „Zwölftes Jahrhundert“ lassen teilhaben an Ereignissen, die man so noch nicht gelesen hat.
Die Bundesregierung rät von Reisen in den Jemen und nach Shibam ab. Das Buch von Tom Leiermann mag ein wenig trösten. Doch es hat auch die Sehnsucht wachsen lassen, die Menschen und die Lehmhäuser von Shibam selbst zu sehen.

uh

In: Fränkische Landeszeitung. 27. April 2011.

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