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9783895000379

Herausgegeben von Lorenz Welker. Kommentar von Michael Klaper

Hildegard von Bingen – Lieder

Riesencodex (Hs. 2) der Hessischen Landesbibliothek Wiesbaden fol. 466 bis 481v

1998
31,0 x 48,0 cm, 86 S., 10 s/w Abb., 32 farb. Abb., Leinen
158,00 €

ISBN: 9783895000379

Kurze Beschreibung

Dieser Band erschließt das dichterisch-musikalische Werk der Hildegard von Bingen, von der über 70 Gesänge und ein geistliches Spiel bekannt sind – sie verfasste sowohl die Texte als auch die Melodien. Der „Riesencodex“ der Hessischen Landesbibliothek in Wiesbaden, der aus 481 Pergamentblättern besteht, entstand vermutlich zu ihren Lebzeiten und bewahrt ihr Werk in einer Art „Gesamtausgabe“: Neben den Gesängen umfasst er ihre theologischen Schriften und den Briefwechsel.
Die Ausgabe schlüsselt den Inhalt des Gesangsteils auf und erläutert das Gesangsrepertoire. Weitere Abbildungen dokumentieren die bekannten Hildegardschen Gesänge mit musikalischer Notation. Die Notenbeispiele in moderner Umschrift ermöglichen einen Einblick in das faszinierende Wechselspiel zwischen Text und Musik, Variantenverzeichnisse runden das Werk ab. Ferner diskutiert der Band die Entstehung und die mögliche liturgische Verwendung der Gesänge. Ein Glossar und ausführliche Literaturhinweise ermöglichen die Vertiefung des Themas.

Ausführliche Beschreibung

Diese Publikation soll das Werk der außergewöhnlichen Musikerin Hildegard erschließen, von der über 70 Gesänge und ein geistliches Spiel bekannt sind - von ihr stammen sowohl die Texte als auch die Melodien. Im „Riesencodex“ der Hessischen Landesbibliothek in Wiesbaden, der aus 481 Pergamentblättern im Format 46 mal 30 cm besteht, ist das Werk der Hildegard von Bingen in einer Art „Gesamtausgabe“ aufbewahrt: ihre theologischen Schriften, ihr umfangreicher Briefwechsel und ihre Gesänge. In der Anlage des Codex als „Gesamtausgabe“ zeigt sich damit ein Anspruch, der ebenso außergewöhnlich ist wie die Tatsache, dass damals eine Frau des 12. Jahrhunderts als Verfasserin geistlicher Musik bekannt war. Die Faksimile-Ausgabe des musikalischen Teils des „Riesencodex“ macht diese umfangreiche Quelle für die dichterisch-musikalischen Werke der Hildegard allgemein verfügbar.
Mehrere Tabellen schlüsseln den Inhalt der Handschrift und des Gesangsteils auf und stellen ergänzende Informationen über das Gesangsrepertoire bereit: seine Darbietungsprinzipien und aus dem Vergleich mit anderen Hildegard-Quellen sich ergebende Besonderheiten. In zusätzlichen Abbildungen wird die gesamte bislang bekannte Streuüberlieferung Hildegardscher Gesänge mit musikalischer Notation dokumentiert. Die Notenbeispiele in moderner Umschrift berücksichtigen zwei verschiedene Gesichtspunkte: Zum einen soll anhand der Edition ganzer Gesänge Einblick in das faszinierende Wechselspiel zwischen Text und Musik genommen werden können; zum anderen soll anhand von Variantenverzeichnissen ein Eindruck entstehen von der Relevanz dieser Varianten für die Diskussion entstehungs- und überlieferungsgeschichtlicher Fragen. Neuere Forschungsergebnisse der letzten Jahre machen eine Entstehung des „Riesencodex“ noch zu Lebzeiten der Verfasserin wahrscheinlich. Über eine Diskussion dieser Frage hinaus werden die mögliche liturgische Verwendung der Hildegardschen Gesänge sowie die Entstehungsgeschichte thematisiert; Hinweise auf literarische Zeugnisse sind dabei miteinbezogen. Ein Glossar und ausführliche Literaturhinweise ermöglichen die Vertiefung des Themas.

Rezensionen

„Hildegard von Bingen hat neben ihren visionären Schriften auch theologische Abhandlungen, natur- und heilkundliehe Werke und eine Fülle von Briefen hinterlassen, schließlich verdanken wir ihr auch eine Reihe geistlicher Gesänge. Eine annähernd vollständige Handschrift ihrer Werke auf 481 Pergamentblättern liegt heute in Wiesbaden; wegen der Größe ihrer Blätter (46 x 30 cm) wird sie als „Riesencodex“ bezeichnet. Deren letzter Teil enthält ihre Gesänge mit Melodien in einem Vierliniensystem. Der vorliegende Band bietet diesen Teil in einem Faksimiledruck von höchster Qualität in Originalgröße.
Ein ausführlicher Kommentar – in Deutsch und Englisch – unterrichtet über die Handschrift, die wohl bald nach Hildegards Tod 1179 abgeschlossen wurde, und erörtert dann die sicher anzunehmende Verwendung der verschiedenen Gattungen (Hymnus, Sequenz usw.) im Stundengebet und in der Messe. Ein nützliches Glossar erläutert die liturgischen Fachtermini. Ein Beispiel: Die Sequenz „O Ierusalem“ wird in lateinischem Text und deutscher Übersetzung wiedergegeben und genau analysiert. Die insgesamt sehr speziellen Ausführungen dürften allerdings ohne kirchenmusikalische Vorkenntnisse schwer verständlich sein. Aber auch der interessierte Laie kann sich an dem Band erfreuen: Die fantastische Wiedergabe des Originals ist eine wahre Augenweide.“

In: Pax et Gaudium. Heft 34 (2008). S. 88.

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„Mit dem überformatigen, prächtigen Band ist die erforderliche Grundlage für jede weitere Beschäftigung mit den Gesängen Hildegards von Bingen gelegt, nachdem der „Codex Dendermonde“ bereits seit 1991 im Faksimile greifbar ist. Bei der Beschäftigung mit mittelalterlicher Einstimmigkeit ist der Rückgriff auf die Quellen ja unumgänglich; noch viel weniger als bei Mehrstimmigkeit ist hier eine Übertragung in ein anderes Schriftsystem ohne Sinnverlust möglich.
Der dem Faksimile vorangestellte deutsche und englische Kommentar von Michael Klaper gibt umfassend über die Handschrift und ihre mutmaßliche Entstehungsgeschichte Auskunft. Es folgen einführende Bemerkungen zu Musik und Liturgie (mit beigefügtem Glossar), Überlegungen zu Gattungsfragen und Hinweise zu Streuüberlieferung, Varianten, Lesarten und Notation. Am Beispiel der Sequenz „O Jerusalem“, die er in einer überzeugenden Edition beigibt, erläutert Klaper die Schwierigkeiten bei der Anwendung geprägter Gattungsbezeichnungen auf die nicht nur in dieser Hinsicht einzigartigen Gesänge Hildegards, und am Beispiel des Responsoriums „O vos imitatores“, das außer im „Codex Dendermonde“ auch im Stuttgarter „Codex theol. phil. quert. 253“ aus Zwiefalten enthalten ist, zeigt er die Variantenbreite in der Überlieferung. Ausführliche Tabellen runden den Kommentar ab.“

In: Musiktheorie. 14 (1999) Heft 3. S. 185.

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