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9783895006845

Nami, Mustapha; Moser, Johannes

La Grotte d’Ifri n’Ammar

Tome 2. Le Paléolithique Moyen

2010
19,0 x 29,0 cm, 338 S., 109 farb. Abb., 56 s/w Abb., 64 s/w Tabellen, Gebunden
98,00 €

ISBN: 9783895006845
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

Im Rahmen einer deutsch-marokkanischen Kooperation finden im östlichen Rif Marokkos Forschungen zur frühen Besiedlungsgeschichte statt. Ein Schwerpunktprojekt stellen dabei die archäologischen Ausgrabungen in der Ifri n’Ammar-Höhle dar. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Fachdisziplinen bei der Bearbeitung des umfangreichen Fundstoffes aus der Ifri n’Ammar ergab zahlreiche neue und wichtige Erkenntnisse hinsichtlich des nordafrikanischen Kulturablaufes und der Umweltbedingungen im Zeitrahmen zwischen 200.000 und 30.000 Jahren vor heute. Kulturträger dieses mittelpaläolithischen Atérien ist der anatomisch moderne Mensch afrikanischen Ursprungs, der sich in der Ifri n’Ammar durch frühe und symbolträchtige Kunst- und Schmuckäußerungen ausweist.

Ausführliche Beschreibung

Die Forschungen in der altsteinzeitlichen Höhlenstation „Ifri n’Ammar“ stellen seit 1997 ein Schwerpunktprojekt innerhalb des deutsch-marokkanischen Kooperationsprogrammes „Préhistoire et Protohistoire au Rif Oriental Marocain“ dar. Dieses wird in Zusammenarbeit der „Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts“ (KAAK / DAI, Bonn) und des „Institut National des Sciences de L’Archéologie et du Patrimoine“ (INSAP, Rabat) durchgeführt.
Der jetzt vorliegende Band „La Grotte d’Ifri n’Ammar - Le Paléolithique Moyen“ ist in seinem Hauptteil der Untersuchung und chronologischen Einordnung der Steingerätetypen aus den unteren Schichtabfolgen der Ifri n’Ammar-Höhle gewidmet.
Im nordafrikanischen Maghreb ist bis heute lithisches Material der mittleren Altsteinzeit noch immer stark mit den Kulturbezeichnungen Moustérien und Atérien behaftet.
Eine typologische Verbindung dieses regionalen Mittelpaläolithikums zum europäischen Technokomplex des Moustérien wurde schon früh mit den ersten Entdeckungen entsprechender nordafrikanischer Steingerätinventare in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts hergestellt. Zunehmend werden in jüngerer Zeit in der Forschung Stimmen laut, die eine Belegung des nordafrikanischen Mittelpaläolithikums mit dem eurozentrischen Terminus „Moustérien“ kritisieren.
In der Ifri n’Ammar gelingt es durch die Anwendung einer fortschrittlichen Ausgrabungstechnik und dank entwickelter Datierungsmethoden, die Sequenzen des Mittelpaläolithikums besser zu strukturieren und dessen Anfänge zu erfassen. Für die Ifri n’Ammar kann so der zeitliche Rahmen dieses Geschehens mittels Thermolumineszenz-Datierung mit verlässlichen Eckdaten von 171.000 bis 83.000 Jahren vor heute angegeben werden.
Diskutiert wird in diesem Band auch die räumliche Verbreitung des Atérien, dessen Kernzone in den Maghrebstaaten Marokko, Tunesien und Algerien zu suchen ist. Beachtung wird auch vergleichbaren Artefaktinventaren außerhalb dieses Raumes geschenkt.
Stärker ins Rampenlicht gerückt werden auch die aus den Atérien-Schichten der Ifri n’Ammar geborgenen durchbohrten Gehäuse mariner Schnecken, welche angesichts der neuen Datierungen zu den ältesten Schmuckäußerungen der Menschheitsgeschichte zählen. Sie sind somit auch ein Beleg für die Ankunft des anatomisch modernen Menschen in Nordafrika.
Ausgehend vom umfangreichen Fundmaterial aus der Ifri n’Ammar widmet sich diese Abhandlung ferner dem Ziel, eine Neudefinition bestehender Kulturabfolgen zu skizzieren und eine Erschließung des regionalen Kulturablaufes und der Umweltbedingungen während des Paläolithikums im mediterranen Ostmarokko zu ermöglichen.

Im Annex dieses Bandes liefert Rainer Hutterer (Forschungsmuseum Alexander Koenig, Bonn) ausführliche Informationen zur Fauna, Ludwig Reisch (Universität Erlangen) einen Überblick zur Sedimentgenese und Klimageschichte und Daniel Richter (Max Planck Institut für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig) eine Zusammenfassung zu den neuen Thermolumineszenz-Datierungen der Fundstelle.

Rezensionen

“This documentation adds value to a report that will undoubtedly stand out as a key text on the archaeology of this important region, facilitating subsequent research (including this reviewer’s). The provision of such crucial new data, richly illustrated and elegantly contextualised offers a first step in an important reconsideration of the North African MSA.”

Eleanor M. L. Scerri

In: Antiquitiy. 86 (2012) 333. p. 933-934.

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„Die archäologische Erkundung der Grotte von Ifri n’Ammar, gelegen etwa 50 km südlich von Nator an den Ausläufern des Rifs, hat in der Fachwelt großes Aufsehen erregt. 15 Jahre lang, von 1997 bis 2009, forschten Wissenschaftler des marokkanischen „Institut National des Sciences de l’Archéologie et du Patrimoine“ und der „Kommission für Außereuropäische Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts“ in Nordmarokko, um der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung dort auf die Spur zu kommen und mit anderen der bisher spärlichen Entdeckungen in Nordafrika sowie in Europa zu vergleichen. Die vorliegende Publikation befasst sich hauptsächlich mit dem Mittleren Paläolithikum - weniger wissenschaftlich Mittlere Steinzeit genannt - ein Zeitraum, der 200.000 bis 30.000 Jahre „vor heute“ liegt. Das Buch, der zweite von insgesamt drei Bänden, stellt vor allem die vielen Funde an Steinwerkzeugen vor, auch die Fundorte des Rohmaterials (Band 1 behandelte die erdgeschichtliche Zeit des Iberomaurusien, Band 3 will sich den Tierfunden widmen). Untersucht wurden drei Schichten, die untere weist wenige menschliche Artefakte auf, es folgt einer sterile Schicht mit Kalkablagerungen - wahrscheinlich ließ hier Wasser keine menschliche Besiedlung zu - und darüber eine Schicht mit reichhaltigem Material. Zwischen der unteren und der oberen Schicht liegen 15.000 Jahre.“

In: Medienspiegel der Deutsch-Maghrebinischen Gesellschaft. März 2011. S. 15.

Autoreninfo

Mustapha Nami ist Prähistoriker und Hautkonservator an der „Direction du Patrimoine Culturel“ in Rabat (Marokko). Seine Ausbildung erhielt er am „Institut National des Sciences de l’Archéologie et du Patrimoine“ in Rabat. Sein Forschungsschwerpunkt ist das Mittel- und Jungpaläolithikum der Maghrebländer. Weiterhin gilt sein Interesse der Felsbildkunst Südmarokkos und ganz allgemein dem Ursprung der Kunst im Maghreb.

Johannes Moser ist ebenfalls Prähistoriker. Sein Studium absolvierte er an den Universitäten zu Köln und Tübingen sowie an der Silpakorn University in Bangkok. Er ist Referent an der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen des Deutschen Archäologischen Instituts in Bonn. Forschungsschwerpunkte sind die Archäologie Südostasiens und die frühe Besiedlungsgeschichte Nordafrikas.

Schlagworte

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