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9783895006517

Herausgeber: Tremblay, Xavier; Pirart, Eric

Zarathushtra entre l’Inde et l’Iran

Études indo-iraniennes et indo-européenes offertes à Jean Kellens à l’occasion de son 65e anniversaire

2008
17,0 x 24,0 cm, 390 S., 1 s/w Abb., 8 Tabellen, Leinen
110,00 €

ISBN: 9783895006517
Vorwort
Inhaltsverzeichnis

Kurze Beschreibung

In der vorliegenden, Jean Kellens, dem anerkanntesten Exeget des Avesta – des Meßbuches und zugleich des ältesten und heiligsten Textes des Mazdayasnismus oder Parsismus, der vorislamischen Religion des Iran – gewidmeten Festschrift, werden sämtliche Aspekte der heutigen Debatte zur frühesten Sprache und Geschichte der Indoiraner durch einen Strauß von 27 Aufsätzen repräsentiert, insbesondere solche, die Jean Kellens ans Licht gebracht hat: Intertextualität, Stilistik, Ideologie, Textrezeption und -neuverwendungen – unter steter Rücksicht auf das Grundfach: Grammatik.

Ausführliche Beschreibung

Nicht nur sind Sammelbände mit dem Kernpunkt Avestisch eine Seltenheit, die vorliegende, anlässlich des 65. Geburtstag von Jean Kellens, Professor der indoiranischen Philologie am Collège de France, gesammelte cornucopia von 27 Aufsätzen mitsamt einer vollständigen Bibliographie beleuchtet unterschiedlichste Aspekte. Die Beitragenden wurden ausgewählt, um erstens den Werdegang des Jubilars zu veranschaulichen – von Lüttich unter Jacques Duchesne-Guillemin zur prestigereichen Pariser Hochschule via Karl Hoffmanns renommierter Erlanger Schule, die in den Jahren 1950-1975 die Lehrmeinung in der Indoiranistik und Indogermanistik auf eine neue Basis setzte, um zweitens die von Jean Kellens ausgegangenen neuen Impulse in der Exegese des Avesta (des heiligen Messbuches des Mazdaysnismus oder Parsismus, der vorislamischen Religions Irans) zu verdeutlichen, und demzufolge, um drittens, wie es besonders im Vorworte hervorgehoben wird, die Entwicklung des Faches und die Dilemmen, die Faltlinien zwischen Religions- bzw. Literarhistorikern bilden, darzulegen.
Seit der Bekanntwerdung des Avestatextes streiten sich die europäischen Gelehrten immer wieder, ob es sich um eine unter den Sassaniden kompilierte Sammlung von Fragmenten handelt, die zusammengenommen keinen Sinn ergeben, oder ob es lange unversehrt zusammenhängende Abschnitte enthält. Jean Kellens hat diesen gordischen Knoten durchschnitten, indem er nach formellen Kriterien der Einheit (Wiederholungen von Kehrformeln usw.) suchte, die auf ursprünglich einheitliche Stücke Rückschlüsse erlaubten, sowie umgekehrt nach alten, noch in der Zeit der Verfassung des Avesta erfolgten Juncturen ehemals unabhängiger Stücke oder alten Kommentaren ebensolcher. Gegenstand der Untersuchung wurde dadurch nicht mehr die Absicht des Urverfassers, sondern der Gebrauch (und u.U. Umwidmung) und Ideologie der Texte in einem (wofür sich das Avesta selbst nennt) priesterlichen Ritual. Mit diesem Aspekt der Kellenschen neuen Lehre, die im Grunde genommen darin besteht, dass er folgerichtig und explizit die Schlüsse der Erlanger „stillen sprachwissenschaftlichen Revolution“ für die Text- und Religionsgeschichte zog, setzen sich namhafte Autoren wie Alberto Cantera, Gnoli, de Jong, Herrenschmidt, Janda, Lincoln, Oettinger, Panaino, Pirart, Skjærvø und Swennen auseinander. Die allgemeine vergleichende Religions-, Stilistik- und Metrikgeschichte (ein weiteres Lieblingsthema Kellens’) werden durch Andrés Toledo, Heiner Eichner, Bernhard Forssman und Eva Tichy beleuchtet. Jean Kellens ist aber auch als Meister der avestischen Grammatik anerkannt worden: Während de Vaan, García-Ramón, Toshifumi Goto, Junko Sakamoto-Goto und Nicholas Sims-Williams durch Kellens’ maßgebliches „Verbe Avestique“ geöffnete Wege weiterführen, untersucht Xavier Tremblay erneut ein vom Jubilar im Jahre 1976 entdecktes Lautgesetz.
Diese Festschrift ist ein Denkmal für die Methode der Erlanger Schule, nur eine erneute Rückkehr zu den Quellen, die frei von vorgefassten Meinungen aber grammatisch tadellos ist, dabei Schritt für Schritt vorgeht und jede mögliche Interpretation - möge sie auch albern oder ulkig aussehen - abwägt, wird das Material wieder fruchtbar machen (Beispiele dafür sind die Beiträge von Lubotsky, Ritter und Schweiger).

Rezensionen

“À côté de contributions sur les domaines extérieurs à la linguistique (historique, religieux, littéraire ou purement philologique) qui ont dû être analysées ici plus brièvement, en dépit de leur intérêt propre, ce volume apporte au linguiste un grand nombre de données et de vues nouvelles sur la phonétique. la morphologie, le vocabulaire, le formulaire et la métrique de l’iranien ancien, de l’indo-iranien et de l’indo-européen.”

Jean Haudry

In: Bulletin de la Société de Linguistique de Paris. 105/25. S. 204-208.

Autoreninfo

Éric Pirart
Nach einem mit der Verteidigung einer den altavestischen Partikeln gewidmeten Dissertation im Mai 1985 abgeschlossenen Studium der Indoiranistik an der Universität Lüttich unterstützte Éric Pirart (*1950) seinen Doktorvater Jean Kellens bei einer kommentierten und mit einer Übersetzung versehenen Ausgabe des altavestischen Korpus (Les textes vieil-avestiques, 3 Bände, Reichert, Wiesbaden, 1988-1990-1991). Aus seinen eigenen Untersuchungen der vedischen Mythologie schöpfte er daneben Les Nāsatya (Bibliothèque de la Faculté de Philosophie et Lettres de l’Université de Liège CCLXI und CCLXXX, Droz, Genf, 1995-2000) und Mitología y Religión del Oriente Antiguo. III : Indoeuropeos [in Zusammenarbeit mit A. Bernabé, C. García Gual & R. Lemosín], Ausa, Sabadell, 1998. Nach einer knapp sechsjährigen Professur des Sanskrit und des Altiranischen an der Universität Barcelona (1988-1994) wurde er nach Lüttich an das Seminar für Indoiranistik und indogermanische vergleichende Sprachwissenschaft (dem einzigen dieser Art in Belgien) berufen. Durch zahlreiche Aufsätze (insbesondere im Pariser Journal Asiatique) und Bücher (L’éloge mazdéen de l’ivresse. Édition, traduction et commentaire du Hōm Stōd; Guerriers d’Iran. Traduction annotée des textes avestiques du culte zoroastrien rendu aux dieux Tištriya, Mivra et Vrvragna; L’Aphrodite iranienne. Étude de la déesse Arti, traduction annotée et édition critique des textes avestiques la concernant; Georges Dumézil face aux démons iraniens, Collection Kubaba. Série Antiquité, Bände 4, 8, 10 und 14, L’Harmattan Paris, 2004, 2006, 2006, 2007) ist er als namhafter Spezialist der indoiranischen Mythologie, der Yaštphilologie
und der Textgeschichte des Avesta, insbesondere im Hinblick auf die Diaskeuase und die Metrik geworden.

Xavier Tremblay
(geb. zu Lille, Nordfrankreich) promovierte 1999 mit einer Dissertation über die Noms athématiques suffixaux de l’Avesta (École pratique des Hautes Études, IVe section, Paris), arbeitete vier Jahre am Institut für Iranistik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die ihm den Figdor-Preis für sein Buch Pour une histoire de la Sérinde (SÖAW 690, Wien, 2001) verlieh. Er habilitierte sich für Indogermanistik 2004 in Köln mit einer durch den Emile Benveniste-Preis der Pariser Académie des Inscriptions et Belles-Lettres gekrönten Schrift Grammaire comparée et grammaire historique : quelle réalité est reconstruite par la grammaire comparée ? (in Gérard Fussman, Jean Kellens, Henri-Paul Francfort & Xavier Tremblay, Āryas, Aryens et Iraniens en Asie Centrale, Collège de France, Paris 2005) und arbeitet seitdem als Privatdozent am Institut für Linguistik der Universität zu Köln. Er hat ein weiteres Buch über La déclinaison des noms de parenté en indo-européen (Innsbruck, 2003), mehr als 40 Aufsätze und 20 Rezensionen über das ganze Spektrum der indogermanischen Sprachen verfasst.

Schlagworte

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