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9783895007101

Schwarzmaier, Agnes

Die Masken aus der Nekropole von Lipari

2012
22,0 x 29,0 cm, 256 S., 8 farb. Abb., 92 s/w Abb., weitere 8 farbige und 92 s/w-Abb. auf Tafeln, Broschur
29,90 €

ISBN: 9783895007101
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

In der Nekropole von Lipari haben sich große Mengen von Tonmasken aus dem 4. und frühen 3. Jahrhundert v. Chr. gefunden, die eine außergewöhnliche lokale Besonderheit darstellen.
Diese bedeutende Gattung wird als Erzeugnis des lokalen Kunsthandwerks betrachtet und nach ihrem Quellenwert für das antike Theaterwesen befragt. Außerdem erlaubt die hier erstmals vorgenommene Untersuchung der Masken in ihrem Kontext in der Nekropole wichtige Rückschlüsse auf ihre Funktion und Bedeutung im Rahmen des Grabrituals sowie mögliche dahinterstehende Vorstellungen vom Umgang mit dem Tod.

Ausführliche Beschreibung

Das Buch „Die Masken aus der Nekropole von Lipari“ beschäftigt sich mit den außergewöhnlich zahlreichen und qualitätvollen Tonmasken von der Insel vor der sizilischen Nordküste, die bisher vor allem als Quellen für das Aussehen der verlorenen, im antiken griechischen Theater getragenen Masken Furore gemacht haben. Sie stammen aus dem 4. und frühen 3. Jahrhundert v. Chr. und werden hier erstmals als Funde aus einer Nekropole und damit als Zeugnisse für Bestattungsritual und Grabkult sowie die damit verbundenen Vorstellungen vom Tod betrachtet.
Ausgangspunkt ist die Gattung der liparischen Masken als Ganzes. Die Stücke werden im ersten Teil des Buches als Erzeugnisse des lokalen Koroplastenhandwerks typologisch und chronologisch geordnet sowie hinsichtlich ihrer ikonographischen Besonderheiten befragt. Auch ihre Polychromie spielt eine Rolle. Zudem wird ihre Aussagekraft für das griechische Theaterwesen kritisch hinterfragt.
Im zweiten Teil des Buches stehen die Masken in ihren Nekropolenkontexten im Blickpunkt. Auf der Grundlage des gegenwärtigen internationalen und fächerübergreifenden methodisch-theoretischen Diskurses zur wissenschaftlichen Auswertung von Nekropolen werden die Fundlage und Vergesellschaftung der Masken betrachtet. Aufgrund der starken Regelmäßigkeit, mit der bestimmte Beigaben in- und außerhalb der Gräber deponiert wurden, lassen sich zahlreiche Rückschlüsse auf den Ablauf des Bestattungsrituals ziehen, die sich mit den einschlägigen literarischen Belegen parallelisieren lassen. Der Vergleich mit anderen Nekropolen in Griechenland und Unteritalien mit ähnlichen Deponierungsregeln offenbart sowohl die zugrundeliegenden gemeinsamen Vorstellungen von der Funktion bestimmter Grabsitten als auch die außergewöhnlichen lokalen Eigenheiten in Lipari. Durch eine kulturanthropologische Perspektive, besonders den Vergleich mit traditionellen Bestattungssitten in ländlichen Gebieten Griechenlands und des Balkans, die bis vor kurzem noch praktiziert wurden, wird die Deutung unterstützt.
Denn es zeigt sich, dass die Masken fast grundsätzlich zusammen mit einem Symposionsgeschirrset für eine Person – den Verstorbenen oder die Verstorbene – am Kopfende außerhalb der Sarkophage oder Urnen abgelegt wurden. Allerdings ergänzten sie bei nur ca. 5 Prozent der Bestattungen das Geschirrset und konnten durch dionysische Tonstatuetten („Theaterterrakotten“) ersetzt werden. Daher kann man wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Masken nicht unmittelbar auf das Theater zu beziehen sind, sondern als Kultsymbole des Gottes Dionysos auf ein Symposion unter seinem Schutz verweisen, das möglicherweise erst im Jenseits gefeiert werden sollte.

Rezensionen

„La demonstration s'appuie d'un coté sur un travail de fond a Lipari avec une base de données qui regroupe 800 tombes exploitables sur les 1200 fouillées à Melagunìs Lipára, d'un autre côté sur une connaissance approfondie des pratigues funéraires dans le monde grec. L'argumentation est des plus compIètes: elle domine parfaitement et associe les données archeologiques, iconographiques et textuelles er Ies fait concourir à une archéologie funéraire bien comprise, prolongée même dans une enquête ethnographique sur les coutumes traditionnelles et le repas des mons dans les Balkans (Exkurs p. 180-184). La lecture de I'ouvrage est facilitée par Ies bilans et résumés à chaque etape de la demonstration er un appareil de notes très complet donne tout l'appui factuel (très nombreuses références d'objets) et bibliographique. Certes, dans le foisonncment dc dévcloppements et de réflexions à propos de telle ou telle catégoric de de mobilier, dont il ne pcut être rendu compte ici, des points de detail peuvent être discutes: il n’en reste pas moins que la démonstration d'Agnes Schwarzmaier ouvre des pistes fécondes et emporte largement l'adhésion. Ce livre fait honneur à la collcction Palilia qui l’accueille.“

Von Arthur Muller

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„Die Verfasserin bestreitet, dass es sich bei den Tonmasken um Nachbildungen der realiter auf der Bühne getragenen Masken handelt. Durch kontextgebundene Analysen versucht sie zu zeigen, dass die Masken bei Totenmählern als dionysische Ausstattungselemente dienten, ehe sie dem Grab beigegeben wurden. (...) Die Analyse der Grabkontexte zeigt, dass die Koroplastikproduktion in Lipari, anders als von den Ausgräbern dargestellt, nicht mit der römischen Zerstörung um 252, sondern bereits zwei Jahrzehnte früher zum Erliegen kam (69-72). Von zentraler Bedeutung ist die Beobachtung, dass die Tonmasken nicht "fabrikneu", sondern in Zweitverwendung ins Grab kamen. (...) Es ist jedoch unumstritten das Verdienst der Verfasserin, erstmals die Masken von Lipari in einer methodisch konsequenten Weise in ihrem Kontext analysiert zu haben. Schon daher wird dieses Buch in der weiteren Forschung zum antiken Grabwesen einen wichtigen Platz einnehmen.“

Von: Lâtife Simmerer

In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 16 (2013), 1395-1401, http//gfa.gbv.de/dr,gfa,016,2013,r,49.pdf

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„Le mobilier funéraire constitue un ensemble clos, issue d’acts intentionels, dont la régularité rt les combinaisons livrent un accès privilégié à l’imaginaire sociel d’une communauté. (...) Dans son ouvrage, issu de sa thèse d’habilitation soutenue à a Freie Universität de Berlin en 2002, A. Schwarzmaier analyse avec une grande finesse la typologie de ces masques aoigneusement replacés dans leur contexte archéologique. Avec une démarche rigoureuse, alliant les méthodes de la New Achaeologyet de l’anthropologie culturlle, l’a. propose une nouvelle explcation bien documentée et convaincante de elur fonctionqui éclaire les rites funéraires greces de Lipari. (...) Ecrit avec une grande clarté, cetouvrage de référence est accessible à un large public. Aux annexes d’usage (brève bibliographie index) s’ajoute un appendice avec le catalogue de plus de 150 masques classés par type (...) et chronologiquement, illustrés par de photos d’exellente qualité.

Veronique Dasen

In: Archäologische Berichte (2013) Bd. 70/1 S. 122-123.
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„Agiles Schwarzmaiers Untersuchung liefert neben wichtigen Ergebnissen zum griechischen Grabkult und zur Verwendung von Theaterterrakotten mit ihrer abschließenden These auch einen willkommenen Anreiz für die zukünftige Diskussion um die Bedeutung des Dionysoskultes in Wesrgriechenland.“

Daphni Doepner

In: Bonner Jahrbücher, Band 213, 2013, S. 355-364.

Autoreninfo

Agnes Schwarzmaier

geb. 1962, hat Klassische Archäologie, Alte Geschichte und Kunstgeschichte in Freiburg i. Br. und Bonn studiert und wurde 1991 mit einer Arbeit über Griechische Klappspiegel promoviert. Nach dem Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts war sie Assistentin am Institut für Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin, wo sie sich 2002 mit dem vorliegenden Buch habilitierte. Nach mehreren Stipendien und einer Anstellung beim Corpus Vasorum Antiquorum ist sie seit 2008 als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin tätig und dort u. a. zuständig für die Schatzkammer und einen Teil der Keramiksammlung. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte sind breit gefächert und liegen im Bereich des antiken Kunsthandwerks, des antiken Theaters sowie der Grab- und Nekropolenforschung.

Reihentext


Mit den „PALILIA“ gibt das Deutsche Archäologische Institut in Rom eine neue Schriftenreihe heraus, in der monographische Arbeiten zur archäologischen Forschung in Italien und von Italien ausgehend veröffentlicht werden. Dabei sollen insbesondere neue Fragestellungen und innovative Forschungsmethoden, aber auch vernachlässigte Themenbereiche in der klassischen Archäologie zu Wort kommen. Neben den zentralen archäologischen Forschungsgebieten wie griechisch-römische Plastik, Ikonographie, Architektur, Stadtforschung und topographische Untersuchungen werden auch Themen der Sozial-, Wirtschafts- und Religionsgeschichte sowie Materialien der Alltagskultur einbezogen.

Schlagworte

1000 bis Christi Geburt (123) || Anthropologie (70) || Archäologie (372) || Archäologie einer Periode / Region (292) || Begräbnissitten (16) || Dionysos (2) || Glasgow || Grabritual (2) || Italien (62) || Kelvingrove Museum || Kunst: Keramik, Töpferei, Glas (42) || Kunst: Themen und Techniken (376) || Kunstformen (162) || Kunstgeschichte (214) || Lipari || Masken || Messina || Museo Eoliano „Luigi Bernabò Brea || Nekropole (3) || Sizilien (11) || Sozial- und Kulturanthropologie, Ethnographie (69) || Soziologie und Anthropologie (100) || Südeuropa (73) || Süditalien & italienische Inseln (18) || Theater (7) || Theaterterrakotten || Unteritalien (3)