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9783895003981

Enß, Elisabet

Holzschnitzereien der spätantiken bis frühislamischen Zeit aus Ägypten

Funktion und Dekor

2005
22,5 x 31,5 cm, 476 S., 19 farb. Abb., 969 s/w Abb., Gebunden
178,00 €

ISBN: 9783895003981

Kurze Beschreibung

Die in zahlreichen Sammlungen weltweit zerstreuten Holzschnitzereien des spätantiken bis frühislamischen Ägypten sind hier in einem wissenschaftlichen Katalog zusammengestellt. Erstmalig wird durch eine Analyse von Form und Verbindungsmöglichkeiten von mehr als 400 Stücken eine Gliederung der Objekte in Funktionsgruppen ermöglicht. Weiterhin wird der ornamentale und figurale Dekor der Schnitzereien untersucht, zum einen hinsichtlich der Funktion der Stücke und zum anderen in Bezug zur Dekoration von Objekten anderer Gattungen und/oder Provenienzen des östlichen Mittelmeerraumes.

Ausführliche Beschreibung

Im Gegensatz zur steinernen Bau- und Grabskulptur des spätantiken Ägyptens wurden die ägyptischen Holzschnitzereien der spätantiken bis frühislamischen Zeit bisher wenig beachtet. Die in zahlreichen Sammlungen Ägyptens, Europas und der USA aufbewahrten Objekte werden in dieser Monographie erstmals hinsichtlich ihrer Funktion und ihres Dekors zusammenfassend untersucht.
Der erste Hauptteil umfaßt die Untersuchungen zur Funktionsbestimmung. Die Analyse von Form und Verbindungsmöglichkeiten von mehr als 400 Stücken ermöglichte die Gliederung des Materials in zehn Funktionsgruppen mit diversen Untergruppen. Zuerst sind Objekte zusammengestellt, die in architektonischem Zusammenhang verwendet wurden, d. h. tragende Balken sowie Friesbalken, Bildplatten und Friesbretter, die zu rein dekorativen Zwecken in die Architektur eingefügt wurden. Es folgen Stücke, die dem Bereich der Raumausstattung zuzuordnen sind, d. h. Schrankenanlagen und Türen. Die nächsten Objekte sind Kästen und der einzige vollständig erhaltene Altar. Dann folgen Füllungsplatten und -bretter, Bildplatten und Zierleisten, die in ihrer Funktion nicht genau festzulegen sind. Sie lassen sich bei Schranken und Türen ebenso verwenden wie bei Kästen oder anderen Möbelstücken. Die letzte Gruppe umfaßt zum einen Möbelbretter und -leisten, zum anderen Verbindungsglieder wie Beine, Baluster und Spreizen, die sich wohl Möbelstücken zuordnen lassen, ohne daß jedoch im einzelnen bestimmt werden könnte, zu welchem Möbel sie gehört haben.
Im zweiten Hauptteil wird der Dekor der Objekte untersucht. Außer einer Beschreibung innerhalb der einzelnen Funktionsgruppen werden Vergleiche zwischen Stücken verschiedener Funktionen sowie mit Objekten anderer Gattungen vorgenommen. Es folgt eine Analyse der Ornamente, die zum einen die Unterscheidung zwölf verschiedener Friesmuster zum Ergebnis hat, sowie zum anderen die Verwendung von Wein- und anderen Blattranken sowie Akanthusblättern in verschiedenen Stilisierungsgraden aufweist. Die Zusammenstellung der Friesmuster im Vergleich mit Stücken anderer Gattungen und/oder Provenienzen belegt Beziehungen der ver­schiedenen Handwerker sowie überregionale Kontakte im östlichen Mittelmeerraum. Des weiteren werden Stil und Ikonographie der Schnitzereien zusammenfassend behandelt sowie eine Übersicht über die verwendeten Motive gegeben. Allgemein läßt sich ein deutliches Gewicht bei den geometrischen und floralen Mustern feststellen, mit denen über die Hälfte der Stücke dekoriert ist.
Den dritten Hauptteil bildet der Katalog der Objekte. Über 900 Abbildungen, die neben dem Dekor vor allem die technischen Details der Stücke zeigen, bieten einen Überblick über den derzeitigen Bestand der Holzschnitzereien und erleichtern in Zukunft die Deutung von Neufunden. Diesen drei Hauptteilen der Arbeit werden einige Kapitel mit Angaben zu Forschungsstand, Provenienzen, Datierung, Holzarten und Technik vorangestellt, die den Zugang zur Thematik erleichtern.

Rezensionen

„Die kleinteilige Arbeit der Verfasserin legt ein bisher kaum bekanntes Material strukturiert vor und wird als Grundlage für diese Gattung sicher zum Standardwerk werden. Das Buch kann als Baustein einer zukünftigen Kunstgeschichte des spätantiken Ägypten dienen.“

In: Sehepunkte 6 (2006), Nr. 7/8 [15.07.2006]
http://www.sehepunkte.de/2006/07/10142.html

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„Ein Glossar, Literaturverzeichnis und ein Register der Sammlungen schließen diese wertvolle Zusammenstellung der ägyptischen Holzschnitzereien ab.“

In: Kemet. 4/2005. S. 79-80.

Autoreninfo

Elisabet Enß


Studium der Christlichen Archäologie, Kunstgeschichte und Alten Kirchengeschichte; Magistra artium 1993 mit einer Arbeit zum Thema „Das frühchristliche Pilgerwesen im Urteil der Kirchenväter des 3. bis 5. Jahrhunderts“ bei Prof. Dr. J. Engemann; Promotion 2002 mit einer Dissertation zum Thema „Funktion und Dekor ägyptischer Holzschnitzereien aus spätantik-frühbyzantinischer bis frühislamischer Zeit“ ebenfalls bei Prof. Engemann; seit 1997 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Franz Joseph Dölger-Institut zur Erforschung der Spätantike, Bonn. Forschungsschwerpunkt: Die materielle Hinterlassenschaft des spätantiken bis frühislamischen Ägypten.

Reihentext


Diese Schriftenreihe widmet sich speziell den Forschungen zur Christlichen Archäologie und Kunstgeschichte in spätantiker und frühchristlicher Zeit. Sie umfasst die gesamte Epoche der Spätantike bis zum frühen Mittelalter, im Bereich des byzantinischen Reiches auch darüber hinaus. Die Reihe ist überkonfessionell und ohne Bindung an bestehende Institutionen, arbeitet jedoch mit der „Arbeitsgemeinschaft Christliche Archäologie zur Erforschung spätantiker, frühmittelalterlicher und byzantinischer Kultur“ zusammen. Sie konzentriert sich vor allem auf die Kunstdenkmäler und versteht sich daher nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu schon bestehenden Reihen, die in der Regel nicht nur die materielle Hinterlassenschaft der alten Kirche, sondern stets auch literarische, theologische und philologische Themen behandeln. Einer klareren Zuordnung und einer größeren Bandbreite der verschiedenen Disziplinen wegen wurden zwei Unterreihen eingerichtet: Die Reihe A „Grundlagen und Monumente“ setzt sich schwerpunktmäßig mit einzelnen Denkmälern bzw. Denkmalgruppen im Sinne einer korpusartigen Erfassung der Denkmäler auseinander. In der Reihe B „Studien und Perspektiven“ werden einerseits Vorträge der Tagungen der „Arbeitsgemeinschaft Christliche Archäologie“ publiziert, andererseits bietet sie ein Forum für Untersuchungen zu den verschiedensten Fragen aus dem Gebiet der spätantiken/byzantinischen Archäologie und Kunstgeschichte.

Schlagworte

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