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9783895007552

Von Susanne Sievers, Matthias Leicht und Bernward Ziegaus mit Beiträgen von G. Gassmann, R. Gebhard, E. Hahn, T. Kubálek, H. Küster, M. Leopold, R. Neruda, H. Obermaier, Ch. Raub, V. Salač, A. Schäfer, W. Scharff, R. Schwab, M. Schweissing, M. Trappe, J. Völkel und J. Wiethold

Ergebnisse der Ausgrabungen in Manching-Altenfeld 1996 bis 1999

Teil 1: Text und Beilage. Teil 2: Text

2013
22,5 x 31,0 cm, 780 S., 153 farb. Abb., 236 s/w Abb., 30 Tafeln und 10 Beilagen, mit 1 CD-Rom, Leinen
120,00 €

ISBN: 9783895007552

Kurze Beschreibung

Die 6 ha große Fläche im Norden des Oppidums gibt Einblick in die Siedlungsgeschichte, das diverse Umstrukturierungen aufweist, und erlaubt durch zahlreiche naturwissenschaftliche Analysen neue Erkenntnisse zur Metallproduktion, zur Bauweise und zur Rekonstruktion des Umfeldes von Manching. Der Münzschatz und Strontium-Isotopenanlysen belegen enge Kontakte mit dem boischen (böhmischen) Raum. Qualitätvolle Funde und eine Reihe von Sonderbauten bezeugen die Anwesenheit der Elite in diesem Teil des Oppidums.

Ausführliche Beschreibung

Mit 6 ha Fläche handelt es sich bei der Altenfeld-Unternehmung um die größte jemals in Manching durchgeführte Rettungsgrabung. Die in vier Jahren aufgedeckten Befunde und Funde werden von den Ausgräbern Susanne Sievers (Gesamtleitung) und Matthias Leicht (örtliche Grabungsleitung) sowie von einer Vielzahl weiterer Autoren vorgelegt.
Die Grabungsfläche, die eine Rekonstruktion der Besiedlungsgeschichte im Norden des Oppidums erlaubt, bindet sowohl an die Ost-West-Achse durch das Oppidum als auch an den Nordrand der Siedelfläche an, der sich als potentielles Hafenareal erwies (M. Leopold / J. Völkel),. In die von M. Leicht erarbeitete Abfolge von sechs Bauphasen, die den Zeitraum vom späten 3. bis zur Mitte des 1. Jahrhunderts füllen, passen sich die größeren Fundgruppen Keramik (R. Gebhard, V. Salač mit T. Kubálek und R. Neruda), Kleinfunde (S. Sievers) sowie Tier- und Menschenknochen (E. Hahn; H. Obermaier) ein und ermöglichen die Festlegung räumlicher, zeitlicher und funktionaler Schwerpunkte der Besiedlung. So wurde z.B. ein Gehöft durch die Anlage einer Straße verdrängt; nördlich davon entwickelte sich ein Areal, das qualitätvolle Funde geliefert hat und das von Sonderbauten beherrscht wird, wie wir sie aus Viereckschanzen kennen. Entlang der Ost-West-Achse etablierte sich ein Handwerkerviertel, in dem Eisen- und Bronzeverarbeitung vorherrschten, in dem aber auch Münzen geprägt und Keramik gebrannt wurde. Vor allem die Eisenverarbeitung bot sich als Publikationsschwerpunkt an, zu dem G. Gassmann und A. Schäfer, Ch. Raub und R. Schwab mehrere Beiträge beisteuern, in denen es um die Herkunft des in Manching verwendeten Eisens geht, um Schlackenanalysen, Produktionsfragen und Recyclingprozesse. Die Analyse der Holzkohlen (J. Wiethold) gibt Einblick in das verwendete Bau- und Feuerungsholz und erlaubt damit in Ergänzung der Makrorestanalyse durch H. Küster u.a. eine Rekonstruktion der Umwelt. Erstmals wird für Manching auch eine Analyse der verwendeten Gesteine vor allem für Drehmühlen (M. Trappe) vorgelegt, die das Manchinger Einzugsgebiet beleuchten. Die Baustoffe (u.a. eine Art Kalkmörtel) untersucht W. Scharff.
Ein besonderes Glanzlicht der Publikation bildet die Vorlage des Münzschatzes, bestehend aus 483 boischen Stateren und einem Goldgusskuchen durch B. Ziegaus. Der starke boische Schwerpunkt im Fundstoff erklärt sich aus einem durch Strontium-Isotopen-Analysen (M. Schweissing) bestätigten Zuzug von Personen aus boischem (heute böhmischem) Gebiet.

Rezensionen

„Das gesammelte Wissen über die Keltenstadt wird seit 1969 in den Bänden der Reihe »Ausgrabungen in Manching« bereitgestellt, von denen nun mittlerweile bereits der 18. Band erschienen ist. Dieser ist ein gewaltiges Werk über die größte jemals in Manching durchgeführte Rettungsgrabung (6 ha), die zwischen 1996 und 1999 auf dem sogenannten Altenfeld im Nordwesten des Oppidums zahlreiche Archäologen beschäftigte. Ein ganzes Autorenkollektiv beschreibt in dem neuen Band die vielen Befunde/Funde und weitere Fragen, die damit zusammenhängen. Dabei darf die herausragende Entdeckung dieser Grabung nicht fehlen, nämlich ein Münzschatz aus 483 boischen Goldmünzen. (...) Und schließlich ist ein besonderer Schwerpunkt die Erforschung der keltischen Eisenverarbeitung, wobei auch über Manching hinausgehend nach den »Anfängen der Eisengewinnung im bayerischen Donauraum« gefragt wird.“

In: Bayerische Archäologie, 2014. Heft 2, S. 55.

Autoreninfo

Susanne Sievers, Prof. Dr.

Studium der Vor- und Frühgeschichte, klassischen Archäologie, Kunstgeschichte und Volkskunde in Würzburg, Göttingen, Hamburg und Marburg, dort Promotion 1978 über die mitteleuropäischen Hallstattdolche. Danach Mitarbeit im Heuneburg-Projekt an der Universität Tübingen (Bearbeitung und Publikation der Heuneburg-Kleinfunde), 1981/82 Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts, seit 1982 bei der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt, zunächst als wiss. Referentin für Eisenzeit (Mitarbeit in der Redaktion, Teilnahme an den Ausgrabungen in Alesia und Manching), seit 1994 Zweite Direktorin und Übernahme der Leitung des Manchingprojekts der RGK, seit 2007 Honorarprofessorin an der Goethe-Universität Frankfurt/Main.
Forschungsschwerpunkte: Siedlungsarchäologie und Bewaffnung.

Reihentext


Publikation der Ergebnisse der Grabungen im Bereich des keltischen Oppidums von Manching sowie damit in engem Zusammenhang stehender Fundgruppen.

Schlagworte

Archäologie (345) || Archäologie einer Periode / Region (266) || Bayern (34) || Deutschland (232) || Eisenzeit (14) || Europäische Geschichte (156) || Europäische Geschichte: Kelten (6) || Geschichte (712) || Kelten (6) || Landschaftsarchäologie (76) || Metallverarbeitung (2) || Mitteleuropa (237) || Münzschatz || Oberbayern (5) || Oppidum (3) || Siedlungsgeschichte (11) || Südostdeutschland (33) || Vor- und Frühgeschichte (25)