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9783895007583

Henkel, Mathias

Deutsche Messübersetzungen des Spätmittelalters

Untersuchungen auf der Grundlage ausgewählter Handschriften und vorreformatorischer Drucke

2010
17.0 x 24.0 cm, 360 p., 8 illustrations color, cloth
78,00 €

ISBN: 9783895007583
Table of Contents
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Short Description

Thomas Müntzer was the first among the reformers to not only hold Mass and the daily prayer in German, but to set these liturgical forms down in print, allowing them to be distributed around the city of Allstedt, Germany. In the years 1523 and 1524, several writings appeared in quick succession, including "Ordnung und Berechnung des Deutschen Amtes zu Allstedt" (Order and Calculation by the German Office of Allstedt), which introduced a German liturgy and sought to replace the Latin version.
But in contrast to German Mass itself, the translation of German Mass texts do not stem from the impulses of the reformers, but find their roots in the late Middle Ages. This study focuses on the hand-written translations dating from the early 14th Century to 1516. This temporal restriction is necessary, as from the beginning of the reform movement the liturgy not only translated, but also changed and celebrated texts, thus distancing them more and more from their Latin originals.
Mathias Henkel examines both the reception of the translations, as well as their form and function. An edition and a transcription of most texts round out the study.

Description

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Was Hartmut Beckers 1985 über die deutschen Messübersetzungen des Spätmittelalters schrieb, gilt noch heute: „Selbst bei germanistischen Mediävisten und bei Liturgiewissenschaftlern [...] [ist immer] noch wenig bekannt, daß es während des Mittelalters in Deutschland [...] parallel zur sog. ‚nationalen Aneignung der Bibel‘ [...] auch Ansätze zu einer deutschsprachigen Rezeption der lateinischen Meßliturgie gegeben hat.“ (Beckers, Hartmut: Bruchstücke einer deutschen Missale-Übersetzung des 15. Jahrhunderts vom Niederrhein. Edition und Kommentierung der Fragmente Aschaffenburg, Stiftsbibliothek, U 106 (Fragm. 9). In: ALW 27 (1985), 91-102, hier 91.)
Die vorliegende interdisziplinäre Studie, die sich an der Schnittstelle zwischen Altgermanistik und Liturgiewissenschaft bewegt, nimmt dieses Desiderat zum Ausgangspunkt. Sie zielt darauf ab, die bislang selten beachteten spätmittelalterlichen Messübersetzungen bekannter zu machen und zu einer breiteren Beschäftigung mit ihnen einzuladen. Anhand der über 100 überlieferten Textzeugen zeigt sie Wege der muttersprachlichen Rezeption der lateinischen Messliturgie auf und erweitert die bisherigen Kenntnisse über die Überlieferungslage und die Funktion der Texte beträchtlich. Beigegeben ist ein Anhang mit Transkriptionen.
Die Resultate der Studie sind zu vielfältig, als dass sie erschöpfend aufgeführt werden könnten. Hier sei lediglich auf einige wenige verallgemeinerbare Ergebnisse verweisen. Festzuhalten ist, dass die ältesten Messübersetzungen aus dem 14. Jahrhundert stammen und in Form gereimter Proprien zunächst von Gebet- und Andachtsbüchern, dann aber in Prosaform auch von Plenarien und Messerklärungen überliefert werden. Spätestens um 1500 liegen komplette deutsche Missalien vor. Messübersetzungen müssen in den meisten Fällen als multifunktional betrachtet werden. Sie konnten bei der Tischlesung einer geistlichen Gemeinschaft verwendet werden, der privaten Erbauung des Klerus oder der Laien dienen sowie von Priesteramtskandidaten in ihrer Ausbildungszeit herangezogen werden. Das gelegentlich geäußerte Urteil, Messübersetzungen seien vor allem Laien vorbehalten gewesen, kann widerlegt werden. Die Messübersetzungen wurden in der Regel an die Eigenheiten der jeweiligen Diözesan- und Ordensliturgien angepasst, weswegen sie liturgiegeschichtlichen Quellenwert beanspruchen dürfen und die liturgischen Ordnungen mitunter sogar besser widerspiegeln als lateinische Messbücher oder „libri ordinarii“. Im Gegensatz zu den Messübersetzungen der Reformatoren im 16. Jahrhundert waren die Messübersetzungen des Spätmittelalters kein kontrovers-theologisches Thema.
Der Liturgiewissenschaft bietet die Studie neue Erkenntnisse zur muttersprachlichen Rezeption der lateinische Messliturgie, zum Verhältnis von Messübersetzungen und lateinischen Missalien, zu Fragen der liturgischen Bildung und Partizipation. Aus der Perspektive der Altgermanistik dürfte von besonderem Interesse sein, dass die als Bibelübersetzung apostrophierte muttersprachliche Übertragung liturgischer Texte als Messübersetzung betrachtet werden muss, die nicht nur parallel zur Bibelübersetzung erfolgte, sondern über diese zum Teil auch weit hinaus ging. Überdies sind die Erkenntnisse über Zentren, Adressaten und Funktionen deutscher Messübersetzungen für die überlieferungsgeschichtliche Erforschung der geistlichen Literatur des Spätmittelalters von Bedeutung.

Biographical Note

Mathias Henkel

geboren 1979 in Kevelaer, studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster Katholische Theologie und Germanistik. 2006 erhielt er das Diplom in Katholischer Theologie, 2007 das Erste Staatsexamen in den Fächern Katholische Religionslehre und Deutsch. Von 2006 bis 2010 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Liturgiewissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät. Dort promovierte er 2010 mit der Studie „Deutsche Messübersetzungen des Spätmittelalters“. Seit Anfang 2010 arbeitet er als Studienreferendar am Gymnasium Paulinum in Münster.
Seine Forschungs- und Interessenschwerpunkte sind die muttersprachliche Rezeption der lateinischen Liturgie in Mittelalter und Früher Neuzeit, die Paläographie und Kodikologie der liturgischen Bücher des Spätmittelalters sowie die performative Religionsdidaktik.

Series Description

This series, which will comprise doctoral and professorial dissertations and other monographs as well as collective volumes, aims at highlighting and promoting interdisciplinarity in Medieval Studies even more than is currently the case. Works from all branches of Medieval Studies will be accepted, provided they emphasise the aspect of interdisciplinarity, i.e. they attempt to transgress the boundaries of any single subject.

Keywords

12th century, c 1100 to c 1199 (54) || 13th century, c 1200 to c 1299 (102) || 14th century, c 1300 to c 1399 (91) || 15th century, c 1400 to c 1499 (119) || Altgermanistik || Amalarius, Metensis || Aspects of religion (64) || Augsburg (4) || Benediktinerkloster Thierhaupten || Bertholdus, Ratisbonensis || Bibelübersetzung vor Luther || Bistum Augsburg (2) || Böhmen (2) || Central Europe (245) || Deutsche Liturgie || Diözesanliturgie || Durantis, Guilelmus || Erfurt (2) || Erzbistum Mainz || European history (167) || European history: Reformation (2) || Flurheym, Christopherus || Frühneuhochdeutsch (12) || German, Middle High (18) || Germany (234) || History (736) || Katharinenkloster Nürnberg || Kirchengeschichte (7) || Kirchenreform || Kodikologie (3) || Latin (34) || Liturgiewissenschaft (2) || Matthias, von Beheim || Mitteldeutschland || Müntzer, Thomas || Nuremburg (8) || Olavus Petri || Ordensliturgie || Paläographie (66) || Peterskloster Erfurt || Petri, Adam || Plenarien || Prayers & liturgical material (23) || Ratinck de Berka, Amplonius (2) || Religion & beliefs (213) || Schlesien || Schweden || Sermons || Tischlesung || c 1000 CE to c 1500 (344) || liturgische Bücher