Das Bild der hallstattzeitlichen Heuneburg wird heute vor allem durch ihre weitläufige Außensiedlung geprägt, die seit den 1990er Jahren durch zahlreiche Ausgrabungen erforscht wurde. Im vorliegenden Band werden erstmals die entscheidenden Grundzüge der Struktur und Entwicklung der Außensiedlung durch eine fundstellenübergreifende Auswertung herausgearbeitet. Dabei lassen sich unterschiedliche Gliederungskonzepte beobachten und Ansätze planerischer Siedlungsgestaltung nachvollziehen. Auch Fragen nach den wirtschaftlichen Grundlagen der Außensiedlung konnten neu bewertet werden.
Die Heuneburg gehört zu den bedeutendsten Fundstellen der Hallstattzeit. Ihr Siedlungsbild wird heute vor allem durch die Entdeckung und Erforschung ihrer weitläufigen Außensiedlung geprägt. Auf der Grundlage der Ausgrabungen in den Bereichen „Großer Brand“ und „Greutäcker“ in den Jahren 1995–2006 konnte die vorliegende Arbeit erstmals eine fundstellenübergreifende, siedlungsstrukturelle und entwicklungsgeschichtliche Diskussion dieses wichtigen Siedlungsgebiets unmittelbar vor der Heuneburg durchführen. Dabei ließen sich die entscheidenden Grundzüge der Siedlungsstruktur herausarbeiten. Die Bebauung war durch ein konzentrisches System von Wall-Graben-Anlagen untergliedert, das im Lauf der Entwicklung mehrfach nach außen hin erweitert wurde. Innerhalb der Wälle, bei denen es sich klar um Wehranlagen handelte, lässt sich eine dichte, durch Zaunanlagen weiter untergliederte Bebauung rekonstruieren. Es lassen sich von regelrechten Gruppensiedlungen, über Einzelanwesen bis hin zu offener Bebauung ganz unterschiedliche Gliederungskonzepte beobachten. Auch ein übergeordnetes Ausrichtungsmuster und Ansätze planerischer Siedlungsgestaltung sind zu erkennen. Außergewöhnliche Hausarchitektur an einzelnen Standorten innerhalb der Außensiedlung lässt sich direkt mit dem Burgplateau verbinden. Durch einen großräumigen Bauperiodenabgleich gelang eine Skizze der Entwicklungsgeschichte. Als grundlegender Prozess ist eine konzentrische Expansion zu beobachten mit Hinweisen auf Platzmangel und Verdichtung. Auch Fragen nach den wirtschaftlichen Grundlagen der Außensiedlung konnten nun neu bewertet werden. Dabei zeichnet sich ein Wandel von einer lokalen landwirtschaftlichen Selbstversorgung hin zu einer Versorgung mit externen Gütern ab. Die Bedeutung spezialisierten Handwerks mit festen Standorten scheint sich dabei immer mehr gesteigert zu haben. Im Siedlungsbild gibt es deutliche Hinweise auf soziale Rangunterschiede der einzelnen Standorte. Für mehrere isolierte Einzelanwesen deuten exklusive materielle Kultur und Konsumgüter, sowie repräsentative Architektur auf die Präsenz einer wirtschaftlich potenten Elite in der Außensiedlung hin. Nach dem Brand am Ende von Periode IV scheinen sich, im Zuge der Neugestaltung der Burg, spezifische Bauformen aus genau diesen Arealen auf das Plateau verlagert zu haben.
Dr. Andreas Gutekunst (*1985 in Freudenstadt) ist prähistorischer Archäologe. Er hat an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen die Fächer Ur- und Frühgeschichte, Vorderasiatische Archäologie und Paläoanthropologie studiert und wurde dort über das Thema: „Untersuchungen zur Entwicklung und Struktur der Heuneburg an der Oberen Donau“ promoviert. Gutekunst ist Träger des Kurt-Bittel-Preises für süddeutsche Altertumskunde und geprüfter Forschungstaucher. Er leitete zahlreiche Ausgrabungsprojekte und Rettungsgrabungen verschiedener Epochen in Südwestdeutschland. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Erforschung früheisenzeitlicher Siedlungs- und Bestattungsphänomene.
Die „Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg “ erscheinen ab 2016 als neue, hochwertige monographische Reihe des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. Die neue Reihe vereint die drei etablierten archäologischen Reihen des Landesamts (Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte, Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters sowie die Materialhefte zur Archäologie), die sich inzwischen inhaltlich und in ihrem Umfang kaum mehr voneinander unterscheiden, in einem neuen, modernen Design.
In der Reihe erscheinen in erster Linie Monographien, daneben aber auch Sammelwerke wie z. B. Tagungsbände. Die publizierten Forschungsergebnisse resultieren vor allem aus archäologischen Ausgrabungen der Landesdenkmalpflege, die häufig im Rahmen von akademischen Abschlussarbeiten aufgearbeitet wurden. Thematisch wird die Archäologie in ihrer gesamten zeitlichen Tiefe abgedeckt, von der Vor- und Frühgeschichte über die Provinzialrömische Geschichte und das frühe Mittelalter bis zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Die neue Reihe ist das wissenschaftliche Aushängeschild der archäologischen Denkmalpflege in Baden-Württemberg.