In der griechischen Kolonie Metapont in Unteritalien wird im archäologischen Befund dank der außergewöhnlich guten Überlieferungsbedingungen eine eigenartige Votivsitte faßbar: In weiten Bereichen des repräsentativen und sakralen Zentrums der Polis, des sogenannten Stadtheiligtums, wurden an prachtvollen Tempeln und Altären vom 7. bis 3. Jahrhundert v. Chr. keine aufwendigen Weihgeschenke errichtet, sondern ausschließlich einfache Steine und anikonische Pfeiler. Die gleiche Votivsitte ist in Westgriechenland auch an anderen Orten anzutreffen, nicht aber im griechischen Mutterland. Dieses Phänomen zu erklären ist Ziel der vorliegenden Untersuchung. Hierzu dient eine umfangreiche Befundanalyse, die das gesamte Votivgeschehen im Metapontiner Stadtheiligtum und in den Stadtheiligtümern von Poseidonia (Paestum), Syrakus, Akragas (Agrigent) und Selinunt zu rekonstruieren versucht. Ihre Ergebnisse und die Auswertung weiterer archäologischer und literarischer Quellen gestatten es, die Funktion anikonischer Anatheme im Vergleich zu anderen Votivgattungen zu charakterisieren und ihren Stellenwert innerhalb des griechischen Votivwesens zu definieren. Die große Bedeutung der Weihung von Steinen und Pfeilern in Westgriechenland und die gesellschaftliche Rolle kollektiv gepflegter Tradition in der Fremde treten deutlich hervor.
„More direct archaeological evidence is also needed for a better understanding of the meaning and practical use of the aniconic votives. Where they simply offerings or did they (continue to) act as a focus for (family?) cult. The few test excavation dope by Doepner seem to Support the First hypothesis, but are far from conclusive. Such uncertainties, however, only help to stress the importance of her study as a starting point for further research and an example for those already working in Greek sanctuaries: even the ugly and undecorated finds can be very interesting when they receive their deserved care and contexts.“
In: BABesch. 79 (2004). S. 213-214.
Mit den „PALILIA“ gibt das Deutsche Archäologische Institut in Rom eine neue Schriftenreihe heraus, in der monographische Arbeiten zur archäologischen Forschung in Italien und von Italien ausgehend veröffentlicht werden.
Dabei sollen insbesondere neue Fragestellungen und innovative Forschungsmethoden, aber auch vernachlässigte Themenbereiche in der klassischen Archäologie zu Wort kommen. Neben den zentralen archäologischen Forschungsgebieten wie griechisch-römische Plastik, Ikonographie, Architektur, Stadtforschung und topographische Untersuchungen werden auch Themen der Sozial-, Wirtschafts- und Religionsgeschichte sowie Materialien der Alltagskultur einbezogen.