Herausgeber: Rheinisches Landesmuseum Bonn
Bauornamentik des 11. bis 15. Jahrhunderts im Rheinischen Landesmuseum Bonn
2003
21 x 26,4 cm, 296 S., Gebunden
49,00 €
ISBN: 9783895003622
Lagernummer:
2362
Das Sammlungsgebiet des Rheinischen Landesmuseums Bonn erstreckt sich geographisch über die vier Regierungsbezirke der ehemaligen Rheinprovinz: Aachen, Düsseldorf, Koblenz und Köln. Dieses politisch definierte Gebiet entspricht in weiten Teilen auch der Kunstlandschaft mit Zentren wie Maastricht, Köln, Brauweiler und Bonn mit vielfachen ikonographischen, formalen und stilistischen Relationen innerhalb des rheinischen Formenbestandes.
Der vorliegende Katalog versammelt wandgebundene Bauornamentik des 11. bis 15. Jahrhunderts. Die Beschränkung auf diesen Zeitraum ergibt sich aus dem vorhandenen Material sowie aus der notwendigen Begrenzung des Umfangs. Neben vereinzelt überlieferten Bauteilen ungeklärter Provenienz oder durch Schenkung, Ankauf oder Grabung erworbenen Stücken bewahrt das Haus einige größere Bestände aus abgebrochenen Kirchen und Kreuzgängen (Brauweiler, Knechtsteden und andere), deren Untersuchung Rückschlüsse auf die jeweiligen heute verlorenen mittelalterlichen Bauzustände erlaubt. Zahlreiche Abbildungen illustrieren diese hier erstmals publizierte Sammlung.
Der vorliegende Katalog versammelt wandgebundene Bauornamentik des 11. bis 15. Jahrhunderts. Die Beschränkung auf diesen Zeitraum ergibt sich aus dem vorhandenen Material sowie aus der notwendigen Begrenzung des Umfangs. Neben vereinzelt überlieferten Bauteilen ungeklärter Provenienz oder durch Schenkung, Ankauf oder Grabung erworbenen Stücken bewahrt das Haus einige größere Bestände aus abgebrochenen Kirchen und Kreuzgängen (Brauweiler, Knechtsteden und andere), deren Untersuchung Rückschlüsse auf die jeweiligen heute verlorenen mittelalterlichen Bauzustände erlaubt. Zahlreiche Abbildungen illustrieren diese hier erstmals publizierte Sammlung.
Einleitung
Die Sammlungsgeschichte des Rheinischen Landesmuseums Bonn beginnt im Jahr 1820.
Dem am 4. Januar 1820 formulierten Sammlungsauftrag entsprechend, sollte die Institution „bedeutende, der Aufhebung ohne Vorurtheil werth geschätzte Fragmente sammeln“1 , „… durch ein planmäßiges und zusammenhangendes Verfahren die zerstreuten Bruchstücke aus der altteutschen und Römischen Zeit vor Zerstörung, Verstümmelung und Zersplitterung“ sicherstellen und weiter das Ziel verfolgen, wie Paul Clemen2 unter denkmalpflegerischer Perspektive umfassender erläuterte, „die Aufdeckung, Erforschung und wissenschaftliche Ausnutzung insbesondere der den älteren Perioden rheinischer Kunstgeschichte angehörigen Reste zu betreiben und die historisch-antiquarischen Interessen innerhalb der ihnen zugewiesenen Gebiete zusammenzufassen“.
Dieser Aufgabe geht der vorliegende Katalog für die wandgebundene Bauornamentik des 11. bis 15. Jahrhunderts nach. Eine gesonderte Behandlung erschien insofern sinnvoll, als für diesen Bereich zwar nicht im technischen Arbeitsprozess, aber in der ursprünglichen statischen Funktion der Objekte grundsätzlich andere Voraussetzungen gegenüber den nicht wandgebundenen Skulpturen gelten.
Die Beschränkung auf den genannten Zeitraum3 ergibt sich aus dem vorhandenen Material sowie aus der notwendigen Begrenzung des Umfangs. Stücke aus Grabungen nach 1945 werden im Katalog nicht berücksichtigt, da diese entweder von den zuständigen Ausgräbern bereits publiziert oder ihnen für die Publikation vorbehalten sind.
Das Sammlungsgebiet des Rheinischen Landesmuseums Bonn erstreckt sich geographisch über die vier Regierungsbezirke der ehemaligen Rheinprovinz: Aachen, Düsseldorf, Koblenz und Köln. Die große Fläche und die Dichte der mittelalterlichen Besiedlung dieser Region bedingen die umfangreiche Bandbreite der in die Sammlung des Rheinischen Landesmuseums eingegangenen Stücke.
Dieses politisch definierte Gebiet entspricht in weiten Teilen der Kunstlandschaft des Rhein-Maas-Gebietes4 , deren künstlerische Produkte im Mittelalter durch überregionale Stil- und Werkstattüberschneidungen geprägt sind. Als überregional stilbildend und vermittelnd müssen Zentren wie Maastricht, Köln, Brauweiler und Bonn mit vielfachen ikonographischen, formalen und stilistischen Relationen innerhalb des rheinischen Formenbestandes berücksichtigt werden, also Zentren, deren wechselseitige Beziehungen bereits durch die Verbreitung der Architekturformen in diesen Gebieten belegt sind5 .
Wenige urkundlich fest datierte Bauten wie die 1151 geweihte Stiftskirche von Schwarzrheindorf oder anhand dendrochronologischer Untersuchung fixierbare Bestände wie die der Wartburg6 bieten konkrete Anhaltspunkte. Charakteristisch ist der Fall der ehemaligen Benediktinerabtei Brauweiler: Die überlieferten Quellen (1149 Begräbnis des Abtes Amilius im Kapitelsaal, 1174 Neuweihe der Benediktuskapelle) gestatten eine zeitliche Eingrenzung der betreffenden Bauteile, u. a. des Kreuzgang-Ostflügels, auf einen Zeitraum von 25 Jahren (Kat.-Nr. 56). Den komplexen Problemen von Werkstattbeziehungen, Motiv- und Stilabhängigkeiten kann im vorliegenden Katalog nur ansatzweise nachgegangen werden. Diese Fragen bleiben monographischen und übergeordneten Forschungen vorbehalten.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Baubestand fast aller rheinischen Kirchen und Klöster durch die verheerenden Folgen der Säkularisation, durch Kriegszerstörung, teilweise aber auch durch allzu gründliche Restaurierung besonders innerhalb der letzten 200 Jahre erheblichen Umwandlungen unterworfen war. Trotz der Sammelbestrebungen auf private (Wallraf, Pick, Boisserée, Baron von Hüpsch) und institutionelle Initiativen ist der heute überlieferte Bestand an mittelalterlicher Bauornamentik sehr gering.
Das Ausmaß der Verluste, die der katholischen Kirche durch die Säkularisation entstanden, konnte in den letzten Jahren durch historische und kunsthistorische Forschung quantifiziert werden. Allein in Köln wurden 67 geistliche Institutionen aufgehoben7 .
In den linksrheinischen Gebieten wurden die Bauten der aufgehobenen geistlichen Institutionen entsprechend § 35 des am 25. Februar 1803 verabschiedeten Reichsdeputationshauptschlusses im günstigeren Falle für profane Nutzung mehr oder weniger eingreifend umgebaut oder auf Abbruch verkauft. Im letzteren Fall boten sich in der Regel lediglich die funktional nicht festgelegten, also die unverzierten Baumaterialien für eine sekundäre Verwendung an. Für Sammler und Kunstliebhaber blieben Kapitelle, Säulen, Friese, Basen etc. übrig.
Diese Entwicklungen sind für die bauplastischen Sammlungsbestände des Rheinischen Landesmuseums insofern besonders prägend, als mit dem damaligen Provinzialmuseum die sich neu konstituierende Denkmalpflege für die Rheinprovinz verbunden war8 .
Besonderen Zuwachs erhielt die Sammlung aus dieser Quelle, nachdem mit der Gründung der Provinzialkommissionen (1891) Paul Clemen 1893 als erster Konservator rege Tätigkeit bei der Restaurierung entwickelte. Aus der von ihm iniziierten Denkmälererfassung gingen die bis heute grundlegenden Kunstdenkmal-Inventarbände hervor9 .
Dies prägte die spezifische Sammlungsstruktur des Rheinischen Landesmuseums: Neben vereinzelt überlieferten Bauteilen ungeklärter Provenienz oder durch Schenkung, Ankauf oder Grabung erworbenen Stücken bewahrt das Haus einige größere Bestände aus abgebrochenen Kirchen und Kreuzgängen (Brauweiler, Knechtsteden, Heisterbach, Koblenz, Offenbach am Glan), deren Untersuchung Rückschlüsse auf die jeweiligen heute verlorenen mittelalterlichen Bauzustände erlaubt.
Interessant in diesem Zusammenhang sind diejenigen Bestände vor allem an Kapitellen, die entsprechend der gängigen denkmalpflegerischen Praxis des 19. Jahrhunderts bei Restaurierungen als schadhaft eingestuft und durch steinmetzmäßig nachgearbeitete Kopien beim Wiederaufbau ersetzt wurden. Weder zum konkreten Arbeitsvorgang der damaligen Steinmetze noch zur Anzahl oder genauen Lokalisierung der ausgetauschten Stücke sind heute hinreichend archivalische Unterlagen vorhanden10 . An zahlreichen im 19. Jahrhundert oft allzu gründlich restaurierten mittelalterlichen Denkmälern des Rheinlandes ist der Bestand an Originalsubstanz weitgehend verloren und durch bedenkliche Kopierpraxis auch der wissenschaftlichen Beobachtung entzogen, wie bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in kunsthistorischen und denkmalpflegerischen Fachkreisen kritisiert wurde. Wenn in vielen Fällen bedauernd festgestellt werden musste, dass „die benannten (= ausgetauschten) Stücke durch Kopien ersetzt wurden und die alten Teile in der Regel spurlos verschwanden“11 , nehmen die durch systematische Sammeltätigkeit der frühen Denkmalpflege bewahrten Bestände an Steindenkmälern im Rheinischen Landesmuseum heute eine herausragende Sonderstellung ein. Der gegenseitige Nutzen der institutionalisierten Sammlung wird von Clemen folgendermaßen formuliert: „In allen Fällen ist es wünschenswert, dass die Organe der staatlichen oder kirchlichen Denkmalspflege von den geplanten Restaurationen möglichst genaue Kenntnis erhalten, damit diese mit sachkundigem und fachmännischem Rat, durch Empfehlung von geeigneten Kräften, durch Überlassung und Nachweisung von Vorbildern die Gemeinden zu unterstützen imstand sind“12 . So ermöglichen die durch entsprechende Hinweise im Inventarbuch lokalisierbaren Originalstücke mehrfach den direkten Vergleich mit den am Bau versetzten Kopien, wie etwa im Fall von Offenbach am Glan oder Brauweiler (Kat.-Nr. 56; 64). Allerdings bleiben präzise Hinweise auf Größe und Zusammensetzung der Steinmetzwerkstätten des 19. Jahrhunderts weitgehend vereinzelt, so die Nachricht über eine Hütte von 20 bis zu 40 überwiegend aus der Kölner Dombauhütte abgezogenen Steinmetzen an der seit 1882 restaurierten Willibrordikirche in Wesel unter der Leitung von C. Reinhard und F. Gleichner13 .
Der hohe Prozentsatz an Verlusten bedingt große Vorsicht für die kunsthistorische Bewertung des erhaltenen Bestandes. Die traditionelle Annahme einer linear zu immer komplexeren Ausbildungen gewachsenen Stilentwicklung der Ornamentik kann nur als grobes Raster bei der Bewertung angelegt werden14 . Die Beobachtung von Kapitellbeständen an noch stehenden Bauten zeigt immer wieder, dass innerhalb der gleichen Werkstätten höchst unterschiedliche Stücke nebeneinander verwendet wurden15 , die sich – einmal aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gerissen – dem Versuch einer zeitstilistischen Einordnung widersetzen. Zudem lassen sich Wertschätzung und Qualitätsanspruch innovativer Typen in der mittelalterlichen Produktion nach heutigen Kriterien nur unzulänglich beurteilen. So konnte etwa von Winterfeld für die in situ verbliebene Kapitellplastik des Limburger Domes nachweisen, dass gerade der rückständige Kelchblocktyp zur Auszeichnung architektonisch und liturgisch herausragender Stellen innerhalb des Baus Verwendung fand16 . Zusätzlich muss bei der Bewertung von Stil und Formausprägung der ursprünglich vorgesehene Anbringungsort berücksichtigt werden: Eine auf Fernsicht berechnete, wirkungsvoll auf Primärformen reduzierte und entsprechend gröbere Ausführung kann ebenso wenig wie der rationalisierende Verzicht auf vollständige Ausarbeitung als maßgebliches Kriterium für eine zeitstilistische Beurteilung gelten.
Besondere Schwierigkeiten entstehen, wenn die Provenienz eines Stückes ungeklärt ist, da die Produktion nicht in allen Gegenden und Bauprojekten gleichzeitig die jeweils jüngsten Entwicklungen aufnimmt. Die Methode der Stilkritik ist bereits mehrfach prägnant problematisiert worden: „… je lückenloser Ahnenreihen rekonstruiert werden, desto suggestiver wird auch der Eindruck fortlaufender Metamorphosen“17 . Deshalb werden in diesem Katalog häufig Datierungsvorschläge in nur relativ grobem Zeitraster angegeben.
Viele der hier vorgestellten Stücke vor allem des Altbestandes sind ohne Nachweis des ursprünglichen baulichen Zusammenhanges im Rheinischen Landesmuseum verwahrt worden. Wieder sind es in erster Linie die stilistischen Ausprägungen, die in Übereinkunft mit dem verwendeten Steinmaterial, den Maßen und der generellen Formsprache eine manchmal nur unsichere Zuweisung in ein Entstehungsgebiet erlauben. In solchen Fällen soll die Bereitstellung der Fotos und der dem Stück unmittelbar ablesbaren Eigenschaften zur späteren Bearbeitung als Forschungsmaterial dienen.
Auf ikonographische Belange wird im vorliegenden Katalog nur in Einzelfällen hingewiesen, da es sich bei den zu behandelnden Stücken in erster Linie um nichtfigürliche Bauornamentik handelt. Auf eine allgemeine Darlegung möglicher interpretatorischer Ansätze zur Deutung der vegetabilen Formen, wie sie etwa bei Lottlisa Behling18 , Ana María Quiñones19 oder, konkreter auf Einzelbauwerke bezogen, bei Hermann Josef Roth20 vorliegen, wird verzichtet. Roth resümiert: „Hinsichtlich der Auswahl bestimmter Arten ergibt sich kein eindeutiger Zusammenhang mit den aus der mittelalterlichen Literatur bekannten symbolisch-theologischen Inhalten oder mit dem damaligen Gebrauchswert … Man wählte die Pflanzen nach ihrer Eignung als Ziermuster aus und unterwarf dann das natürliche Vorbild zweckdienlich und variantenreich mehr oder weniger starker ornamentaler Verfremdung“21 .
Entsprechend werden im vorliegenden Band deskriptive Begriffe für vegetabile Dekorformen nur in seltenen Fällen der botanischen Fachterminologie entlehnt; vielmehr entstammen sie – soweit anwendbar – der kunsthistorischen oder archäologischen Terminologie22 .
SAMMLUNGSGESCHICHTE UND SAMMLUNGSBESTAND
Der Erlass vom 4. Januar 1820 zur Gründung eines ’Antiquitäten-Cabinet für die Rheinisch-Westphälischen Provinzen‘ durch Staatskanzler Fürst Karl August von Hardenberg bildete die Grundlage für die Entstehung der Bonner Sammlung. Dieses erste kulturgeschichtliche Museum in Preußen wurde bereits nach zwei Jahren aufgehoben, die Sammlung seit 1822 unter der Bezeichnung ’Museum rheinländischer Althertümer‘ in den Räumen der Bonner Universität gelagert und wegen geringer finanzieller Mittel weitgehend vernachlässigt23 . Der Universität Bonn oblag durch Kabinettsorder vom 29. 12. 1833 die Konservierung der Altertümer in den Rheinlanden24 .
Für das ’Museum für bildende Kunst‘ waren nach Aussage des Jahrbuchs der Preußischen Rhein-Universität Bonn I, 1, 1819 (dort beigehefteter Grundriss) jenseits des Koblenzer Tores im östlichen Trakt des Königlichen Universitätsgebäudes in der zweiten Etage drei Räume reserviert, dem Vorgänger des Rheinischen Landesmuseums dagegen sollten unter der Bezeichnung ’Museum Rheinisch-Westphälischer Alterthümer‘ zwanzig Räume in der ersten Etage und sechs in der zweiten im südöstlichen Risalit des Schlosses, außerdem im Erdgeschoss die sog. Säulenhalle und anschließende Räume zugeordnet werden. In der Chronik der Universität heißt es schließlich: „Das Museum für Kunst und Alterthümer, für welches einer der schönsten und geeignetsten Säle des Universitätsgebäudes bestimmt worden ist, hat schon eine schöne Grundlage erhalten. Denn aus der Sammlung des verstorbenen Canonicus Pick sind bei der kürzlich vorgenommenen Versteigerung für eine vom hohen Ministerium bewilligte Summe von Seiten der Universität die sämmtlichen Römischen Münzen …, nebst verschiedenen Anticaglien erstanden worden. Diese Sammlung wird dadurch noch schätzbarer, dass die meisten Stücke in hiesiger Gegend gefunden sind“25 . Dass diese umfangreichen Pläne nicht zur Ausführung kamen, geht schon aus der Chronik der Universität für die Jahre 1819–1821 hervor26 , in der das Rheinisch-Westphälische Museum anders als das ’Akademische Museum für Kunst und Alterthüme‘ nicht eigens gewürdigt und in der Liste der Sammlungen weder unter den eingerichteten noch unter den geplanten geführt wird. Auch der Vorschlag Wilhelm Dorows von 182327 , das Museum im Kapitelsaal des Bonner Münsters einzurichten, kam nicht zur Ausführung.
Dem ältesten Sammlungsbestand des heutigen Rheinischen Landesmuseums Bonn gehört nach Zeugnis des bereits 1820 angelegten Inventars mittelalterliche Bauornamentik an, die von dem ersten ’Dirigenten‘ des Museums, Wilhelm Dorow, unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes in die Sammlung eingebracht wurde.
Der 1841 gegründete, dem Museum eng verbundene ’Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande‘ gab mit einer eigenen Sammlung rheinischer Funde und einer Bibliothek neue Impulse, zu denen die Finanzierung von Ausgrabungen und die regelmäßige Publikation der Jahrbücher mit Verlagerung des Interessengebietes auf provinzial-römische Archäologie zählten. Mit dem 1846 gefassten Entschluss des Altertumsvereins, auch das Mittelalter zu berücksichtigen28 , und dem in der Gründung des Provinzialmuseums mündenden Vorschlag, die rheinische Altertums- und Bodendenkmalpflege mit der Sammlung zu verknüpfen, wuchs der Bestand an mittelalterlicher Bauornamentik kontinuierlich an29 . Davon zeugen der 1851 erschienene ’Katalog des Königlich-Rheinischen Museums Vaterländischer Alterthümer‘ von Johannes Overbeck und der 1867 publizierte ’Katalog des Königlich-Rheinischen Museums Vaterländischer Alterthümer bei der Universität Bonn‘ von Felix Hettner.
Seit 1845 wechselte die Sammlung des Altertumsvereins mehrmals den Aufenthaltsort. Ein Teil befand sich in privaten Räumlichkeiten, andere Objekte waren in der Sammlung der Bonner Universität untergebracht30 . Der Katalog von Overbeck beschreibt 1851 die Aufstellung der Sammlung in drei Räumen der Universität. Eine erste Inventarisation der Sammlung des Altertumsvereins durch Rendant Würst und aus’m Weerth ergab, dass „nur noch ca. ein Zehntel der Objekte tatsächlich im Besitz des Vereins“31 geführt wurde, während weitere Teile der Sammlung sich im Museum Vaterländischer Altertümer befanden.
Eine 1872 von Ernst aus’m Weerth32 verfasste Denkschrift für die Neuordnung der Kunst- und Denkmalpflege bereitete die Trennung der Denkmalpflege von den Provinzialmuseen vor: Am 30. 4. 1873 wird mit dem ’Dotationsgesetz‘ zur Konstituierung von Provinzialverbänden diesen die Verpflichtung zur „Unterhaltung von Denkmälern“ übertragen33 .
Nach der Gründung zweier ’Provinzialmuseen‘ in Bonn und Trier 1874 folgt auf den ersten Direktor in Bonn, Ernst aus’m Weerth, 1883 Dr. Joseph Klein (bis 1899), unter dessen Direktorat 1893 das Provinzialmuseum einen eigenen Bau in der Colmantstraße erhielt.
1875 stimmte der Altertumsverein der Eingliederung seiner Sammlung in das neugegründete Museum zu, unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes und zu den gleichen Bedingungen wie zuvor die Bonner Universität (’Antiquitäten-Cabinet‘ und ehemalige Münzsammlung Pick)34 .
Die Zusammenführung der Sammlungen brachte bei der verstreuten Unterbringung der Bestände gerade für die nicht angekauften Grabungsfunde zusätzliche Schwierigkeiten in der Zuordnung der Besitzverhältnisse zwischen Altertumsverein und Provinzialmuseum mit sich, so etwa die Aufteilung von Fundkomplexen zwischen beiden Sammlungen35 .
Durch den Restaurierungsboom in den Jahrzehnten um die Jahrhundertwende und die rege Tätigkeit Paul Clemens kann der umfangreichste Zuwachs mittelalterlicher Bauornamentik verzeichnet werden, darunter die Stücke aus der Bonner Martinskirche, aus Brauweiler, Oberpleis, Bacharach, Koblenz und Offenbach am Glan.
Sowohl in dem 1893 fertiggestellten Museumsbau in der Colmantstraße als auch im Erweiterungsbau von 1909 in der Bachstraße war mittelalterliche Bauornamentik aufgestellt36 . So befanden sich 1904 Brauweiler Kapitelle im Erdgeschoss rechts von der Eingangstür und im angrenzenden Saal, der auch Oberpleiser und Siegburger Bauornamentik enthielt37 . Im Erweiterungsbau beherbergte die Oberlichthalle, Saal X, „an dessen zweiter Schmalwand romanische Skulptur- und Architekturreste Platz gefunden haben“, und der Umgang der Lichthalle im Obergeschoss mittelalterliche Bauornamentik38 . Eine Aufwertung erfuhr der Bereich durch Direktor Hans Lehner 1927 mit der geplanten Erweiterung der nachantiken, also mittelalterlichen Denkmälerbestände des Museums39 . Mit dieser Aufgabe wurde 1929 der Kunsthistoriker und Mittelalterarchäologe Walter Bader betraut (s.#u. S. n).
Im Zuge der Neuordnung des Rheinischen Landesmuseums 1933 und der Wiedereröffnung 193640 gelangten die Brauweiler Reliefs und die Gustorfer Chorschranken (Inv.-Nr. 39.1069–39.1080, 39.1086–39.1092) als bedeutendste Erwerbungen mittelalterlicher Bauornamentik in die Sammlung.
Eine Vernachlässigung der mittelalterlichen Steindenkmäler beklagt Bader in einem inoffiziellen Schreiben an Dr. Busley 1930: „Im Umgang des Lichthofs, an der Wand des fränkischen Saales befinden sich die mittelalterlichen Steindenkmäler, die verschmutzt und teilweise überhaupt nicht aufgestellt sind. Der Raum ist für die teilweise sehr kostbaren Stücke viel zu dunkel, die Anordnung auf den treppenartigen Gestellen monoton“41 . Entsprechend heißt es im Bericht des neuen Direktors Dr. Oelmann vom 11. 11. 1930: Das Xantener Hochkreuz sei „weder von besonderer Qualität noch gut erhalten“, solle aus der prominenten Position im Lichthof entfernt, demontiert und „in der mittelalterlichen Abteilung gesondert“ aufgestellt werden42 . Die von Oelmann geforderte „Neuordnung der Sammlung mittelalterlicher Plastik durch Herrn Dr. Bader“43 wurde durch dessen Engagement bei den Ausgrabungen im Bonner Münster zunächst verhindert. Bis schließlich Ernst Lang 1933 in national gesinnter Empörung in Anbetracht einer scheinbaren Vernachlässigung deutschen Kulturgutes sich fragt: „Wird er (der Besucher) die in die Ecke gescheuchten Architekturteile und Kapitelle aus mittelalterlichen rheinischen Kirchen beachten?“44 . Folglich erhielten die Gustorfer Chorschranken nach ihrem Ankauf 1937/38 durch Oelmann 1940 eine „repräsentative Aufstellung“45 . Anlässlich der geplanten Ausgliederung der Gemäldesammlung wurde Eduard Neuffer zunächst „veranlasst, auf seine weiteren Ausstellungspläne vorläufig zu verzichten und die genannten drei Räume für die mittelalterliche Plastik zur Verfügung“46 zu stellen. Die Pläne blieben bis zum Kriegsausbruch liegen, nach der Schließung des Museums 1939 lagerte man die Bestände an verschiedene Orte außerhalb (Schloss Homburg, Düsseldorf, Kloster Marienstatt, Siegen, Marburg, Warstein) und innerhalb Bonns (Dransdorfer Bunker, Bahnhofsbunker) aus. Lediglich die „vor- und frühgeschichtlichen sowie die mittelalterlichen Steindenkmäler der Schausammlung wurden nach Möglichkeit ins Kellergeschoss gebracht und hier zum Teil eingemauert. Soweit sie im Erdgeschoss verbleiben mussten, wurden sie mit Backsteinmauern ummantelt und durch Sandsackpackungen geschützt, zum Mindesten aber mit der Bild- bzw. Schriftseite nach der Wand zu gelegt.“47 . Beim Bombenangriff am 28. 12. 1944 wurde der Keller teilweise verschüttet, wodurch „die hier magazinierten Sammlungsbestände, in der Hauptsache Studienmaterial aus den Jahren 1880–1913 und Zugänge aus den Jahren 1938/39 größtenteils vernichtet“48 waren.
Der durch Bombeneinschlag im Dezember 1944 notwendige Abriss des zur Colmantstraße gelegenen Museumstraktes zog sich bis 1953 hin; am 1. September 1952 konnte der erhalten gebliebene Erweiterungsbau in der Bachstraße wiedereröffnet werden. Die ausgelagerten Stücke, „besonders ein Teil des Lapidariums, ein großer Teil der römischen Studiensammlungen“ wurden zunächst in behelfsmäßig errichteten Baracken untergebracht49 .
Durch den Ankauf der Architekturteile aus der Deichmannsaue in Bonn-Mehlem kam 1961 der letzte in Privatbesitz befindliche bedeutende Bestand mittelalterlicher Bauornamentik in die Museumssammlung50 .
Mit dem Museumsneubau von 1967 und dem 1969 wiedereröffneten ’Altbau‘ in der Bachstraße erhielt das Rheinische Landesmuseum die bis zur umbaubedingten Schließung am 31. Dezember 1998 bestehende Form51 . Durch die Verknüpfung mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege konnte der Archäologie des Mittelalters „großzügig bemessener Ausstellungsraum eingeräumt“52 und die mittelalterliche Bauornamentik mit diesen Funden kombiniert werden.
Im am 18. Juli 1967 eröffneten Neubau an der Colmantstraße waren Teile der Sammlung mittelalterlicher Steindenkmäler vorrangig in drei Räumen präsentiert: Neben der Rekonstruktion eines Kreuzgangflügels mit den Basen, Säulen und Doppelkapitellen aus der Deichmannsaue war eine mit Kapitellen des Altbestandes bestückte Schauwand als typengeschichtlicher Überblick ausgestellt; weitere Bauornamentik – etwa die Fragmente der Bonner Martinskirche vor dem Haupteingang – erhielt eine herausragende Position. Dabei sind erstmals für diese Periode der Präsentation die besucherorientierten, aber nicht immer objektschonenden Methoden der Aufstellung dokumentiert53 . So können etwa im Fall der vorübergehend im Neubau auf dunklen Säulenschäften54 aufgestellten Rundkapitelle (Kat.-Nr. 56,6) nur anhand der vorangehenden Erwähnungen Baders55 die im Unterlager befindlichen paarigen Bohrlöcher einer älteren Maßnahme zugeschrieben werden, die mögliche Rückschlüsse auf die Provenienz zulässt.
Der jüngste Umbau des Landesmuseums in der Colmantstraße und die dadurch notwendige Räumung der Ausstellung und der Magazine boten für die hier in Form eines Bestandskataloges publizierte mittelalterliche Bauornamentik erstmalig die Gelegenheit, alle Stücke von allen Seiten systematisch zu erfassen. Die teilweise recht aufwendige Entfernung der fest in den Mauerverband eingelassenen Bauornamentik etwa sowie die für die Begutachtung und fotografische Dokumentation notwendige Bewegung der manchmal zentnerschweren Steine wäre zu einem anderen Zeitpunkt kaum möglich gewesen.
Die während der Umbauphase seit 1998 im Euskirchener Depot ausgelagerte sowie die zwischenzeitlich dem Kölner Museum Schnütgen und dem Bonner Stadtmuseum ausgeliehene mittelalterliche Bauornamentik wird in Auswahl im neuen Museum ausgestellt werden.
Die Auswirkungen der oben beschriebenen wechselvollen Geschichte und Aufbewahrung der Sammlung liegen auf der Hand: Zahlreiche Steine sind durch die Transporte, Bombenangriff und Auslagerungen verschollen, beschädigt oder auseinandergebrochen, haben die Inventarbeschriftung verloren und können dadurch anhand der oft unzureichenden Angaben in den älteren Inventarbüchern nicht mehr identifiziert werden. Auch die doppelte Vergabe von Inventarnummern oder die offenbar bereits im 19. Jahrhundert unter Zeitdruck durchgeführte Neuinventarisation von nicht mehr beschrifteten Stücken und Fragmenten zeugen von den historisch gewachsenen Strukturen der Sammlung.
Die ältesten hier behandelten Stücke sind unbekannter Herkunft und stammen aus dem ältesten Sammlungsbestand (Kat.-Nr. 1; 2; 4; 10).
Dem 11. Jahrhundert sind einige Basen, sog. Memoriensteine und zwei Kapitelle zuzuweisen. Charakteristisch ist, dass fast alle Stücke Spuren mindestens einer Zweitverwendung tragen; im Falle der Kapitelle führte die durch ältere Bearbeitungsstadien vorgegebene Form zu individuellen, nicht standardisierten Lösungen (Kat.-Nr. 1–7; 65,1–5; 66,1–3; 70; 71,1–2).
Der umfangreichste und zugleich qualitätsvollste Bestand an Bauplastik in der Sammlung des Rheinischen Landesmuseums datiert aus dem 12. Jahrhundert. Dazu gehören die Architekturteile aus der Benediktinerabtei Siegburg (Kat.-Nr. 53), der ehemaligen Propsteikirche Oberpleis (Mitte des 12. Jahrhunderts; Kat.-Nr. 55), der 1812 abgerissenen Martinskirche in Bonn (Mitte 12. Jahrhundert; Kat.-Nr. 54), der ehem. Benediktiner-Abteikirche Brauweiler (überwiegend drittes Viertel des 12. Jahrhunderts; Kat.-Nr. 56), der ehemaligen Prämonstratenser-Stiftskirche Knechtsteden (letztes Viertel des 12. Jahrhunderts; Kat.-Nr. 59), ein größerer Bestand an Bauornamentik aus Köln (Kat.-Nr. 58–60) sowie einige Kapitelle und Basen z.#T. unbekannter Provenienz des Altbestandes (Kat.-Nr. 9–40).
Das Spektrum an Kapitelltypen zeigt die für das 12. Jahrhundert regional prägnanten Formen mit Würfel-, Pyramidenstumpf-, Figural-, Kelchblockkapitell und zwei dem ionischen Kapitell verwandten Stücken. Dabei werden in Stil, Form und Ikonographie sowohl überregionale Bezüge etwa zu Frankreich, Utrecht und Maastricht evident als auch lokale Werkstattverbindungen wie zwischen Siegburg und Oberpleis oder zwischen Brauweiler und Knechtsteden.
Bei den Kölner Stücken bestehen besondere Probleme der Zuordnung zu einzelnen Baukomplexen: Einerseits aufgrund der hohen geographischen Dichte der zeitlich oft parallel und mit wandernden Werkleuten entstandenen Denkmäler, die im Laufe der Säkularisation umfangreiche bauliche Veränderungen bzw. Abrisse erlitten haben, andererseits sind gerade für diese Bestände (Schenkung Gronewald: Kat.-Nr. 58, Kapitelle aus St. Gereon [?] und St. Pantaleon [?] in Köln: Kat.-Nr. 59; 60) in den seltensten Fällen konkrete Provenienznachweise im Inventar verzeichnet.
Das 13. Jahrhundert ist mit Kapitellen, Friesfragmenten, Basen und Säulen verschiedener Herkunft (Kat.-Nr. 41–49), aus Köln (Kat.-Nr. 60), Koblenz (Kat.-Nr. 61) Bacharach (Kat.-Nr. 63) und Heisterbach (Kat.-Nr. 62) vertreten. Das Material zeigt in der Gegenüberstellung sowohl die Formensprache des 12. Jahrhunderts als auch das sukzessive Durchgreifen innovativer Typen, in der Streckung der Proportionen, in der Reduktion und Vereinheitlichung dekorativer Elemente und in der strafferen Organisation der Produktionsabläufe, die sich beispielsweise im Fall Heisterbach in einer seriellen Fertigung der in Typus, Maßen, Proportion und Dekor kaum variierten bauplastischen Elemente zeigen.
Eine Sonderstellung nehmen die innerhalb des späten 13. und 14. Jahrhunderts schwer datierbaren Kapitelle der in den Jahren 1892–1894 eingreifend veränderten Kirche in Offenbach am Glan (Kat.-Nr. 64) insofern ein, als die Kirche zum Regierungsbezirk Trier und damit nicht mehr in den geographisch relevanten Rahmen des Sammelgebietes fällt. Die räumliche Distanz spiegelt sich in dem vom rheinischen Repertoire abweichenden Stil. Hier wirkt der Einfluss der Metzer und Magdeburger Werkstätten prägend.
Ein Wasserspeier aus Opladen (Kat.-Nr. 50) und zwei Schluss-Steine unbekannter Provenienz (Kat.-Nr. 51 u. 52) aus dem 14. und 15. Jahrhundert wurden als figürlich verzierte Bauornamentik in diesen Katalog aufgenommen, da ihre statisch-funktionale Bestimmung im Bauzusammenhang vorrangig ist.
Andere an dieser Schnittstelle diskutable Stücke wie die angeblich aus dem Bonner Münster stammenden Engelskonsolen bleiben einem zweiten Katalogband vorbehalten.
Der hier behandelte Sammlungsbereich erfordert eine Rückkoppelung an den ursprünglichen Aufstellungsort. In vielen Fällen ist eine direkte Anbindung an den inzwischen verlorenen Baukomplex nicht mehr möglich; eine annähernde, für die detaillierte Betrachtung der Bauornamentik relevante Rekonstruktion gelingt selten mit Hilfe von Bildquellen und Beschreibungen des 18. und 19. Jahrhunderts (Heisterbach, Köln, Knechtsteden).
Die in situ verbliebenen Bestände an Kapitellen, Basen und skulptierter Ornamentik können nur bedingt als Vergleiche für die aus dem Zusammenhang gelösten Fragmente hinzugezogen werden: Optimale Voraussetzung dafür wäre eine einheitliche Formensprache bei möglichst geringer Materialvariation innerhalb eines bauhistorisch zusammengehörenden Komplexes. Selten können technische Übereinstimmungen (Maße, Steinvarietät, Farb- oder Bearbeitungsspuren) als beweiskräftige Argumente hinzugezogen werden. Gerade für die aus dem Kontext gelöste, meist statisch-funktionale Bauornamentik muss als Normalfall angenommen werden, dass der betreffende architektonische Rahmen nicht mehr existiert. Häufig finden sich die aus dem gleichen Baukomplex stammenden, als Reihen gefrtigten Elemente heute über verschiedene Sammlungen verstreut: Eine wesentliche Rolle spielten in Ermangelung institutioneller Einrichtungen die Privatsammler und Käufer zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die den säkularisierten Baubestand übernahmen. Für den Kölner Bereich war das Engagement Ferdinand Franz Wallrafs entscheidend, dessen Bestände über das Wallrafianum in das Kölner Kunstgewerbemuseum und schließlich überwiegend in die Bestände des Kölner Museums Schnütgen gelangten. Weitere Sammlungen wie die der Brüder Boisserée, des Kanonikus Pick, des Barons von Hüpsch oder Schaaffhausens wanderten ab nach Heidelberg, München, Darmstadt und Bonn und gelangten im Verlauf des 19. Jahrhunderts über Kunsthandel oder Austausch in die Museen in Hamburg und Berlin56 .
Der Umfang der in Lokalmuseen, kirchlichen, privaten und öffentlichen Lapidarien oder nur unzureichend zugänglichen Räumen gelagerten Bestände an mittelalterlicher Bauornamentik ist mangels systematischer Erfassung und Publikation kaum zu schätzen57 . Auch hier fehlen meist Informationen über Provenienz und Art der Erwerbung; selbst die vor Ort verbliebenen Fragmente wie in Altenberg58 oder Heisterbach59 sind bislang nicht vollständig publiziert. Publizierte Bestände wie die des Lapidariums der Michaelsabtei in Siegburg60 lassen sich aufgrund fehlender Baudaten und Rekonstruktionsmöglichkeiten häufig nicht mehr konkreten Bauabschnitten zuordnen.
In diesem Zusammenhang sind die in den letzten Jahren unternommenen Projekte zur Bestandssicherung mittelalterlicher Bauornamentik positiv hervorzuheben: In Köln werden derzeit die Lapidarien des Museums Schnütgen (Brigitte Kaelble), von St. Pantaleon (Dorothea Hochkirchen) und der übrigen Kirchen (Clemens Kosch) bearbeitet. Teile des Dom-Lapidariums, dessen Bestände ebenfalls systematisch erfasst werden (Rolf Lauer, Klaus Hardering), sind in der jüngst eröffneten Domschatzkammer ausgestellt. Ein Katalog der Bauornamentik im Besitz des Maastrichter Bonnefanten-Museums wird in Kürze erscheinen (Elizabeth den Hartog). Weiteren Bestrebungen zur Bestandssicherung ist ein maschinenschriftlicher Katalog der Architekturteile aus Offenbach am Glan (Andrea Pufke)61 zu verdanken.
ERSCHLIESSUNG DER BESTÄNDE
Das älteste, mit Gründung der Sammlung am 4. Januar 1820 durch Wilhelm Dorow angelegte ’Inventar des Königlich Rheinischen Museums vaterländischer Alterthümer‘ beginnt in fortlaufenden Nummern von 1 bis 2356, dann schließen sich einige Seiten Nachträge und Unternummern zu Nr. 2353 an; auf der letzten Seite finden sich einige schlichte Zeichnungen von Tongefäßen, die das Wiedererkennen der Stücke ermöglichen sollen. Die letzten Einträge sind 1886 und 1889 datiert. Ergänzend kommentiert Wilhelm Dorows 1823 erschienener Bericht „Die Denkmale germanischer und römischer Zeit in den Rheinisch-Westfälischen Provinzen“62 die frühen Erwerbungen. Aufgrund mangelnder Charakterisierung im beschreibenden Text ist eine Identifikation des benannten Stückes häufig nicht mehr möglich. So lassen sich unter Inv. Nr. 2082 genannte „zwei mittelalterliche Fragmente, wovon eins mit Inschrift“ oder die unter Nr. 1377 und 1378 genannten Gegenstände: „a. Ein ausgegrabenes Säulenkapitell, b. Eine zwischen Säulen stehende Figur in Stein gehauen – Mittelalter“ dem heutigen Bestand nicht mehr zweifelsfrei zuordnen.
Nach der 1874 erfolgten Gründung des ’Rheinischen Provinzialmuseums‘ in Bonn wurde am 1. August 1896 das ’Inventar der dem Provinzial-Museum zu Bonn zur Aufbewahrung übergebenen Alterthümer der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität‘ angelegt. Bereits einer einleitenden Notiz sind Probleme bei der Zuordnung der Eigentumsrechte zu entnehmen: „Die in diesem Inventare mit einem Kreuz bezeichneten Nummern sind gegen Gegenstände des Provinzialmuseums ausgetauscht und daher aus diesem Verzeichnis … gestrichen worden. Bonn, den 1. August 1896. Der Museumsdirektor Klein“.
In diesem Inventar sind die Stücke des Gründungsbestandes mit neuen, jetzt mit dem Index ’U‘ versehenen Inventarnummern aufgegangen, eine Konkordanz der alten mit den neuen Nummern ist bislang nicht in allen Fällen gelungen63 . Das Verzeichnis beginnt mit dem „Inventar Dorow - Steinmonumente v. 4. Jan. 1820 bis Nov. 1822“ und wurde ohne Berücksichtigung der Eingangsdaten nach Gattungen fortgeführt. Auch sind nicht alle, bereits dort spärlichen, Informationen über Vorbesitzer oder Charakteristika des Objektes aus dem Dorow-Inventar übernommen, so dass die mit ’U‘ inventarisierten Stücke zu den schlechter dokumentierten zählen müssen (vgl. der Bestand U 2152).
Das am 30. April 1842 angelegte ’Inventar der dem Verein von Alterthumsfreunden im Rheinlande gemachten Geschenke an Alterthümern, Münzen und Kunstgegenständen‘64 verzeichnet Funde, Geschenke und Erwerbungen mit knappen Einträgen zu Fundart und -ort, nur selten werden die Einträge durch Maß- und Materialangaben oder Zeichnungen konkretisiert. Mit Beschluss vom 27. Juni 1875 wurde die Sammlung des Altertumsvereins unter Vorbehalt des Eigentumsrechtes der des Provinzialmuseums eingegliedert65 . Die Objekte werden zur Unterscheidung mit dem Index ’A‘ nummeriert.
Das mit dem Eintrag vom 1. Oktober 1876 beginnende ’Inventarium der erworbenen Kunstsachen‘ wird bis heute fortgeschrieben. Die Nummerierung ist seit 1876 durchlaufend in arabischen Ziffern bis Inv. Nr. 34995 (1930/31) geführt, seit 1931 wird die Nummerierung in Korrespondenz mit dem Jahr des Eingangs durch einen Punkt von der fortlaufenden Inventarnummer getrennt. Ist ein größerer Komplex mit der gleichen Hauptnummer inventarisiert, werden die Unternummern hinter einem Komma angegeben. Römische Zahlen I bis CCLXXXXII bezeichnen Geschenke an das Provinzialmuseum aus den Jahren 1871 bis 1884.
Die in einem eigenen Inventar geführten, als Fremdbesitz oder Dauerleihgaben (mit Index ’D‘) im Rheinischen Landesmuseum gelagerten Stücke werden im Katalog nicht berücksichtigt. Ebenso sind die mit vorläufigen Eingangsnummern (’E‘) versehenen Objekte aus Grabungen nach 1945 nicht in den Katalog aufgenommen.
Die Art der Erwerbung ist ein wesentliches Kriterium für die Bestimmung der Provenienz der Sammlungsbestände. Nicht immer geht der Übertragungsmodus eines Objektes aus den Inventarbüchern hervor, zuweilen sind jedoch auch Namen der Vorbesitzer festgehalten.
Entsprechend dem Charakter und der Provenienz des Materials können mit prozentual größtem Anteil als Vorbesitzer die kirchlichen Institutionen gelten: so der katholische Kirchenvorstand Brauweiler (1898), die Kirche in Oberpleis (1899), das Presbyterium/der Kirchenvorstand Bacharach (1895), der Kirchenvorstand Poppelsdorf (Martinskirche, 1896), das Presbyterium der evangelischen Kirche in Offenbach am Glan (1894), der Kirchenvorstand von St. Kastor/Koblenz (1894), die katholische Kirchengemeinde Dottendorf (1940), der Kirchenvorstand St. Peter in Dietkirchen/Bonn (1880). Bei diesen Vorbesitzern besteht in der Regel kein Grund zur Annahme, dass der betreffende Bestand nicht aus der jeweiligen Kirche selbst stamme.
Ähnlich zuverlässig sind die Bezeichnungen bei staatlichen (Königliche Regierung zu Köln) und städtischen (Stadt Bonn 1897) oder lokal mit dem historischen Objekt verknüpften Vorbesitzern (Gräflich Lippe-Biesterfeldsche Gutsverwaltung: Heisterbach 1898).
Dagegen muss bei den Angaben privater Vorbesitzer häufig mit einer irrtümlichen Überlieferung gerechnet werden, wie der unter der Bezeichnung ’Heisterbach‘ geführte Bestand aus dem Besitz der Familie Deichmann (vgl. Anhang II) deutlich zeigt. Auch die aus Oberdollendorf „vom Großvater der Vorbesitzerin“ erworbenen Würfelkapitelle (Kat.-Nr. 15; 16), angeblich aus Heisterbach, lassen sich eher mit den Stil-, Maß- und Materialcharakteristika der Bonner Martinskirche verbinden. Andere Angaben bestätigen sich bei der Überprüfung, etwa bei den von der Familie Bleibtreu aus dem Schevasteshof Bonn-Vilich (1975) erhaltenen Heisterbacher Stücken (Kat.-Nr. 62,6–11.17–23) oder – mit hoher Wahrscheinlichkeit – bei dem von ’Erringer‘ (oder ’Exinger‘?) 1900 erworbenen Siegburger Kapitell (Kat.-Nr. 53,1). Selten sind die Angaben privater Vorbesitzer so präzise wie bei einem nicht weiter identifizierten „Adam“ (Kat.-Nr. 5; Bonn, Stiftsgasse, 1899), häufiger bleiben selbst bei konkreteren Angaben, wie im Fall des Baumeisters H. W. Gronewald (Kölner Kapitelle 1884: Kat.-Nr. 58), eines ’Picht‘ (Münstermaifeld? 1895: Kat.-Nr. 52) oder eines Kapitells aus Billig bei Rheder/Euskirchen (1898: Kat.-Nr. 7) Zweifel bei der Zuordnung der Objekte zu den genannten, meist nicht mehr erhaltenen oder schlecht dokumentierten Herkunftsorten.
Sehr selten wird die Fundsituation überliefert, wie bei einem ’Memorienstein‘ aus Kalkar-Wissel (Kat.-Nr. 71,2), den Terwelp in Andernach 1881 dem Museum schenkte.
Bereits zum ältesten Sammlungsbestand aus Wilhelm Dorows Gründungsfonds gehörte mittelalterliche Bauornamentik: Der Eintrag im handschriftlichen Inventar Dorows von 1820 lautet unter Nummer 1936 bis 1961: „Sechsundzwanzig Stück Säulenkapitäle, architektonische Verzierungen aus dem Mittelalter. Diese 26 Gegenstände sind von dem Hofrath Dorow in das Königliche Museum mit Vorbehalt des Eigenthumsrechts deponiert worden. Ferner liegen in dem Raume am Coblenzer Thor, worin die Universität ihre Alterthümer bewahrt, eine Menge Legionsziegel, Werkstücke und dgl., welche deshalb Interesse haben und aufbewahrt werden müssen, indem sie als Belege zu den Angaben bei Aufnehmung der Grundrisse im Wichelshof dienen. Ich habe dieselben deshalb dahin bringen lassen, damit sie mit den ähnlichen Gegenständen, welche durch Herrn Rückstuhl herbeigeschafft worden sind vereinigt und bewahrt werden können“66 . Dieser Notiz sind bereits wesentliche Kriterien für die geplante, auf der Grundlage von Ausgrabungen basierende Sammlungskonzeption zu entnehmen67 .
Dieser heute unter der Inventarnummer U 2152 inventarisierte Bestand lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Sammlung des 1818 verstorbenen Bonner Kanonikus Franz Pick zurückführen68 , einem engen Freund Ferdinand Franz Wallrafs. Seine Bemühungen um den Erhalt säkularisierten Kulturgutes erstreckten sich auch, in Kooperation mit Sulpiz Boisserée, auf den Bereich der sakralen Architektur (Heisterbach, Martinskirche in Bonn).
Der entsprechende Eintrag im Inventar der ehemaligen Universitätssammlung lautet unter der Nummer U 2152: „Eine Anzahl Säulenkapitäle von verschiedenen Stilen aus rheinischen Kirchen“. Der Eintrag ist undatiert, enthält weder eine Quantifizierung der Stücke noch Angaben zur Provenienz69 . Aus einem summarischen, 1823 aufgrund organisatorischer Umstrukturierung von Wilhelm Dorow angelegten Verzeichnis der zwischen 1820 und 1823 ins Museum gelangten Stücke geht ferner hervor, dass die mittelalterlichen, dort unter ’H‘ geführten Teile, nicht aus dem unter ’A‘ aufgelisteten Besitz Dorows stammen, sondern aus dem der „Königlichen Museen in Bonn und Münster“, deren Gönner namentlich und mit Berufs- und Ortsangaben aufgelistet werden70 . Der letzte Eintrag lautet: „Sechs und zwanzig Stück Säulen-Kapitäle aus dem 12ten, 13ten, 14ten und 15ten Jahrhundert, von verschiedenen Grössen“. Zu den mit dieser Inventarnummer bezeichneten Stücken gehören unter anderem solche, die Walter Bader und Brigitte Kaelble aufgrund einer Lithographie und der Angaben bei Boisserée dem um 1813 abgerissenen Kreuzgang von St. Pantaleon in Köln zugeordnet haben (Kat.-Nr. 56)71 . Die stilistischen und motivischen Eigenarten, sowie die Übereinstimmung in den Maßen und im Steinmaterial hatten bereits Bader zu der Annahme geführt, dass diese Kapitelle von der am Kreuzgang in Brauweiler tätigen Werkstatt ausgeführt wurden.
Damit liegt hier der seltene Fall vor, dass Objekte aus säkularisationsbedingtem Abriss auf frühen Bildzeugnissen festgehalten und hinsichtlich ihrer Verwahrung in annähernd lückenloser Reihe bis heute zurückzuverfolgen sind.
Als zweiter großer Komplex aus einheitlichem baulichen Kontext ist eine Gruppe von Rundkapitellen diesem frühesten Sammlungsbestand zuzuordnen (Kat. Nr. 60). Beide Kapitellgruppen, die zu den qualitätsvollsten Stücken der Bonner Sammlung gehören, haben Pendants derselben Provenienz im Kölner Museum Schnütgen, die auch dort vermutlich zum ältesten Sammlungsbestand zählen72 .
Die Auswirkungen der oben beschriebenen wechselvollen Geschichte und Aufbewahrung der Sammlung verdeutlicht besonders drastisch der Fall zweier Engelskonsolen, die ohne Zweifel aus einheitlichem Bauzusammenhang stammen: Die eine trägt die Universitäts-Inventarnummer U 2147, die andere ist in zwei Teile gebrochen, von denen der untere ebenfalls eine Inventarnummer aus der Universitätssammlung, U 2152, der obere die fortlaufende Nummer 12877 trägt73 . Dem ist zu entnehmen, dass auch Stücke des Altbestandes zu einem späteren Zeitpunkt neu inventarisiert wurden, so dass definitive Aussagen über den Zeitpunkt der Übernahme in die Sammlung nicht immer zu treffen sind. Erschwerend kommt hinzu, dass bereits in den Anfangsjahren des Museums die Inventarisierung und Beschriftung der Objekte lückenhaft durchgeführt wurde: So beklagt schon Overbeck 1851 in seinem Katalog des Museums: „Von grosser Wichtigkeit ist es bei Anticaglien der zu besprechenden Art, den Fundort so genau wie möglich zu kennen. Leider bin ich aber in einer grossen Zahl von Fällen nicht im Stande dieselben anzugeben. Jeder in das Museum eingelieferte Gegenstand wird alsbald in das Inventarium eingetragen, jedoch nur mit einer kurzen oft sehr willkürlichen oder nichts sagenden Benennung, ohne charakterisierende Beschreibung. Freilich sind nun den einzelnen Gegenständen kleine Zettel angeklebt, grösstentheils aber wieder abgefallen, auf welchen die dem Inventarium entsprechenden Nummern angegeben sein sollten und könnten, aber leider meistens nicht sind“74 .
Besonders im ausgehenden 19. Jahrhundert konnte die Sammlung mittelalterlicher Bauornamentik kontinuierlich durch Schenkungen erweitert werden: Die mit römischen Ziffern inventarisierten Stücke sind zwischen 1871 und 1884 als „Schenkungen der königlichen Regierung“ eingegangen. Als institutionelle Schenkungen sind 1894 die während der Restaurierung 1892 ausgebrochenen Architekturteile von St. Kastor in Koblenz, am 8. Oktober 1894 Kapitelle und Fragmente durch das Presbyterium der evangelischen Gemeinde Offenbach am Glan, 1895 durch das Presbyterium der Peterskirche in Bacharach und am 30. Januar 1896 die in der Sebastianskapelle wiederverbauten Architekturteile der Bonner Martinskirche als Geschenk des Kirchenvorstandes Bonn-Poppelsdorf zu nennen. An umfangreicheren privaten Zuwendungen verzeichnet das Inventar am 6. Juni 1884 siebzehn Kapitelle Kölner Provenienz als Geschenk des Baumeisters H. W. Gronewald und die 1974 von der Familie Schmidt-Bleibtreu dem Museum überlassenen, bislang in Bonn-Vilich wiederverwendeten Architekturteile aus der Klosterruine Heisterbach.
Großen Anteil am Sammlungszuwachs haben die nicht immer klar von den ’Schenkungen‘ zu trennenden ’Überweisungen‘ auf Veranlassung der Königlichen Regierung.
Auf der Grundlage der ministerialen Verfügung vom 15. Dezember 1823 wurden bereits die im Kern bis heute rechtsgültigen Maßnahmen zur Unterschutzstellung gefährdeten Kulturgutes veranlasst: „Da, wo Gefahr für den Untergang solcher Gegenstände droht, muss die Königliche Regierung derselben schleunig durch zweckdienliche Vorkehrungen abzuhelfen suchen …“75 . Die Verfügung des Ministers der geistlichen Angelegenheiten vom 19. August 1837 regelte darüber hinaus, dass Reinigung und Restaurierungsmaßnahmen (z.B. an öffentlichen Anstalten, Kirchen) nur mit Genehmigung der Königlichen Regierung vorzunehmen sind und die Veräußerung dieser Kunstsachen genehmigungspflichtig sei bzw. diese Genehmigung nur unter der Voraussetzung erfolge, „wenn das zu veräussernde Stück an eine andere vaterländische öffentliche Anstalt, sei es Kirche, oder Provinzial- oder städtisches Museum … übergehen soll“76 . Mit der Einsetzung des „Conservators der Kunstdenkmäler“ Ferdinand von Quast am 24. Januar 1844 war die Ausweitung der Anzeigepflicht auf das Gebiet der Bodendenkmale festgeschrieben: „Ebenso ist von jedem etwa neu aufgefundenen Gegenstande von artistischer oder monumentaler Bedeutung, der in eine der gedachten Kategorien gehören dürfte, mir durch die Kgl. Regierung ungesäumt Anzeige zur weiteren Bestimmung über denselben zu machen“77 .
Entgegen der von Clemen formulierten ’Regel‘, „dass nur diejenigen Teile zu erneuern sind, die in der Substanz selbst angegriffen sind“78 , zeugt das in diesen Jahrzehnten aus der Quelle der Restaurierungspraxis erworbene Material von dem rigorosen Vorgehen der Beteiligten.
Auf diese Verfügung sind der große Bestand aus Brauweiler (Kat.-Nr. 56), überwiesen am 23. Juni 1898, das Kapitell aus Siegburg (Kat.-Nr. 53,2) von der Königlichen Regierung Köln, der Bestand aus Oberpleis (Kat.-Nr. 55), 1899 von der Kirche überwiesen, zurückzuführen. Häufig lässt sich die Art der Erwerbung aus dem Eintrag im Inventarbuch nur aus der Nennung des Gebers erschließen (Kirchenvorstand, Pfarrei etc.); oder es kann sich, wie vermutlich im Fall der Heisterbacher Stücke, die von der Gräflich Lippe-Biesterfeldschen Gutsverwaltung am 11. Mai 1898 „überwiesen“ wurden, um sprachliche Ungenauigkeiten beim Eintrag handeln.
Schließlich sind als Quelle die Ankäufe aus Privatbesitz mit häufig zweifelhaften Provenienzangaben zu nennen. Hierzu gehören etwa der 1885 erworbene Wasserspeier wohl aus Opladen (Kat.-Nr. 50), der 1895 erstandene Schlussstein angeblich aus einer Kirche bei Münstermaifeld (Kat.-Nr. 52), die Würfelkapitelle aus Billig (Kat.-Nr. 7) und angeblich aus Heisterbach (Kat.-Nr. 15; 16), eine 1899 erworbene Basis aus Bonn (Kat.-Nr. 5) oder das 1900 angekaufte Figurenkapitell wohl Siegburger Provenienz (Kat.-Nr. 53,1).
Als letzter umfassender Ankauf gelang 1961 der Erwerb des bereits aus verschiedenen Publikationen bekannten Bestands mittelalterlicher Bauornamentik aus dem Besitz der Familie Deichmann in Bonn-Mehlem (Kat. Nr. 80). Bei den 109 angekauften Stücken handelt es sich um Kapitelle, Basen und Säulenschäfte unterschiedlicher Herkunft (Heisterbach, Knechtsteden, Köln, Zuarbeitungen des 19. Jahrhunderts), die spätestens seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts im Park der Familie wiederverbaut waren.
Einen wenn auch oft nur vagen Anhaltspunkt für das Vorhandensein einzelner, nicht mehr mit Inventarnummern identifizierbarer Stücke im älteren Sammlungsbestand bietet das zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegte Fotoarchiv des Rheinischen Landesmuseums. Der Zeitpunkt der Aufnahme lässt sich jedoch anhand der nicht datierten Einträge nur annähernd durch die jeweils jüngsten aufgeführten Inventarnummern zeitlich einordnen. Als frühestes Datum kann die Aufnahme (Platten-Nr. 978) vom Festakt bei der Einweihung des Museumsneubaus am 27. Oktober 1909 gelten.
Eine weitere, großenteils auf diesen Fotografien basierende Quelle ist eine seit mindestens 195779 von Fritz Goldkuhle angelegte Kartei, bestehend aus Fotos und nach dem Inventarbuch aufgenommenen Skizzen, Provenienz- und Maßangaben. Diese Kartei kann mit einiger Vorsicht als Kontrollliste für den festgehaltenen Bestand gelten; allerdings sind die Angaben häufig nicht präzise und in den seltensten Fällen mit Neuaufnahmen belegt. Auf diesen Unterlagen beruht das in der Abteilung ’Sammlungen‘ des Landesmuseums fortgeführte Karteikartensystem.
Ergänzend zu den Inventarbüchern können die für den Bereich der Bauornamentik oft nur summarisch geführten Erwerbungsberichte der Bonner Jahrbücher herangezogen werden. Sie geben Auskunft über die hier relevanten Grabungen und Funde im Rheinland (Jahresbericht, Ausgrabungen, Funde und Befunde), geordnet jeweils innerhalb der generellen Zeitstellung (Mittelalter bis Neuzeit) alphabetisch nach Fundorten. Den von 1893 bis 1916 zusätzlich gesondert publizierten „Berichten über die Thätigkeit der Provinzialkommission für die Denkmalpflege in der Rheinprovinz und den Provinzialmuseen zu Bonn und Trier“ sind in Einzelfällen Hinweise auf Projekte zu entnehmen, bei denen der Austausch von Bauornamentik im Restaurierungsprozess erwähnt ist. In den seltensten Fällen wird über den Verbleib der ausgetauschten Stücke berichtet, die auch meist nicht einzeln benannt sind. Zuweilen finden sich verstreute Angaben zu Fundstücken, meist zu inschriftlichen Denkmälern, in den ’Miscellen‘ der frühen Jahrgänge der Bonner Jahrbücher.
Außerdem berichten ’Das Rheinische Landesmuseum Bonn‘ und die Sonderhefte Januar 1976 (Rheinische Ausgrabungen ’75), Januar 1977 (Rheinische Ausgrabungen ’76) und August 1978 (Ausgrabungen im Rheinland ’77), fortgeführt in den selbständigen Publikationen ’Ausgrabungen im Rheinland‘ 1979-1986 und ’Archäologie im Rheinland‘ 1987–1996, jeweils herausgegeben vom Landschaftsverband Rheinland/Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege über Funde und Befunde80 .
Die nicht publizierten Grabungsberichte des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege wurden nur in Zweifelsfällen zur Klärung neuerer Grabungsbefunde konsultiert. Ergänzend bilden die Archive des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege Brauweiler (RhAD), des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege (RAB) und des Stadtkonservators in Köln mit umfangreichem Foto- und Planmaterial eine wesentliche Grundlage für die historische Dokumentation.
Als eine der wichtigsten frühen Quellen für die Rekonstruktion der im Zuge der Säkularisation verlorenen Baukomplexe ist das 1833/44 publizierte, mit zahlreichen Lithographien bebilderte Werk ’Die Denkmale der Baukunst vom 7. bis zum 13. Jahrhundert am Niederrhein‘ von Sulpiz Boisserée unentbehrlich. Entsprechend dem Anspruch, den Verlust der betreffenden Denkmäler zu dokumentieren, enthält der Band Aufnahmen von Kirchen, Stiften und Klöstern in Ansichten, Aufrissen, Grundrissen und Details. In den begleitenden Texten finden sich neben teilweise recht spekulativen Angaben zur Bau- und Entstehungsgeschichte verstreut Hinweise über den jeweiligen Zustand der Baulichkeiten zum Zeitpunkt der Textabfassung und über säkularisationsbedingte Veränderungen. Der Dokumentationsgehalt der für die Rekonstruktion verlorener Bauzustände relevanten Grund- und Aufrisse ist bereits verschiedentlich mit guten Gründen bezweifelt worden81 ; charakteristisch und für den vorliegenden Katalog von Bedeutung ist der Fall eines von Boisserée dem Kreuzgang-Südflügel von St. Pantaleon in Köln zugeschriebenen Kapitellbestandes (Kat.-Nr. 60) oder der des Kreuzgangs von St. Gereon in Köln (Kat.-Nr. 59). Die ebenfalls, aufgrund des bereits zum Zeitpunkt der Aufnahme nicht mehr vollständig erhaltenen Bestandes, in den Details hypothetischen Abbildungen der ehemaligen Zisterzienserabtei Heisterbach stellen die einzigen Bildquellen zur Rekonstruktion des Kreuzgangs dar.
Weitgehende dokumentarische Zuverlässigkeit kann den vor Ort aufgenommenen Detailzeichnungen Raschdorffs in Knechtsteden (1858) und Franz Frantzens in Kölner Kirchen, ebenso der Skizze des Architekten E. Stahl in der Deichmannsaue in Mehlem 1906 (Kat.-Nr. 80) zugesprochen werden.
FORSCHUNGSSTAND
Ein großer Bestand mittelalterlicher Bauornamentik wurde 1927/28 fotografisch dokumentiert anlässlich des von Walter Bader geplanten Skulpturenbestandskatalogs mittelalterlicher Bauornamentik. Die mit fortlaufenden Nummern versehenen Glasplatten im Fotoarchiv des RLMB bilden in Einzelfällen den Nachweis für Stücke, die nicht im Inventar als Eingänge verzeichnet bzw. identifizierbar sind.
1927 wurde Walter Bader zur Bearbeitung eines Kataloges der romanischen und gotischen Bauornamenik im Rheinischen Landesmuseum eingestellt. 1928 erschien seine auch als Beitrag in den Bonner Jahrbüchern gedruckte Dissertation zum Problem des sog. Samsonmeisters82 . Das dort mehrfach von ihm erwähnte Manuskript zu einem Skulpturenkatalog des Provinzialmuseums83 ist jedoch bisher nicht aufzufinden.
In den Akten des Rheinischen Landesmuseums Bonn befinden sich umfangreiche Unterlagen zur Drucklegung und personellen wie technischen Organisation des Bandes über den Xantener Dom sowie der Vertrag, mit dem Bader am 15. August 1927 unter Museumsdirektor Lehner für die „Ausarbeitung des Kataloges der mittelalterlichen Steindenkmäler“ angestellt wurde84 . Seit Januar 1931 war Bader Direktorialassistent am Provinzialmuseum.
Verschiedenen im Archiv des Rheinischen Landesmuseums Bonn erhaltenen Akten sind die Projekte Baders während seiner Anstellung und Inhaftierung (wegen regimefeindlicher Äußerungen) zu entnehmen:
Die Abschrift eines Briefes Baders vom 22. März 193585 an die Direktion des Provinzialmuseums etwa enthält seinen Protest gegen eine Vereinnahmung seiner Brauweiler und Xantener Manuskripte durch Clemen und den Vorbehalt der Fertigstellung dieser Projekte im Gefängnis; die entsprechende Genehmigung des Amtsgerichts wurde erteilt.
Ein Auszug aus einem Schreiben des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft e.V. in Berlin vom 20. Januar 1936 umfasst die Bitte, aus Baders Eigentum folgende Unterlagen in seinen Heimatort Rottenburg überliefert zu bekommen:
a. sämtliche Klischees seiner Dissertation;
b. „den Katalog der im Kölner Dom, und zwar im Nordturm, aufbewahrten Kapitelle, den Dr. Bader für die Inventarisation angefertigt habe“
bis hin zu
f. „die zeichnerischen Aufnahmen d. barocken Klostergebäude … von Krause-Brauweiler“86 .
In der Zeit vom 1. Mai 1937 bis zum 30. September 1940 war Bader bis zu seiner Einberufung mit insgesamt 41 Werkverträgen zu Xanten beschäftigt. In einer Aktenabschrift vom 21. Oktober 1941, in der sich Bader zu seiner Anstellungssituation äußert, heißt es: „… und immerhin gezeigt hatte, dass ich wissenschaftlich arbeiten konnte und niemals eine angefangene Arbeit im Stich gelassen hatte“. Auch im abschließenden Gutachten Oelmanns über Baders Tätigkeit vom 9. Oktober 1945 werden alle Beschäftigungszeiten und Arbeiten aufgeführt, ohne eine weitere Erwähnung des Skulpturenkatalogs87 .
Aus der Personalakte Baders lässt sich anhand des Tätigkeitsnachweises erschließen, dass er, abgesehen von einer fotografischen Aufnahme der mittelalterlichen Architekturteile um 1927/28, offenbar durch seine Aktivitäten für die Ausgrabungen des Bonner Münsters und anschließend für die Abteikirche Brauweiler von einer weiteren Bearbeitung der Bonner Museumsbestände abgehalten wurde.
Für den Katalog der im Rheinischen Landesmuseum Bonn im Verlauf der letzten 180 Jahre angesammelten Bauornamentik des Mittelalters gab es bislang keine umfassenden inhaltlichen oder formalen Grundlagen. Marginale und summarische Erwähnungen der aus größeren Baukomplexen stammenden Bestände oder einiger nicht klassifizierter Stücke finden sich in den älteren Gesamtführern des Museums. Wenige Hauptwerke, etwa das Figurenkapitell aus Siegburg (Kat.-Nr. 53,1) oder das Knechtstedener ’Haarrauferkapitell‘ aus dem Umkreis des sog. Samsonmeisters (Kat.-Nr. 57,1) stehen in den jüngeren Museumspublikationen stellvertretend für eine der wohl umfangreichsten und qualitätsvollsten Sammlungen dieser Art am Niederrhein.
Eine Ausnahme bildet der erwähnte Beitrag Walter Baders in den Bonner Jahrbüchern 1928 zu einem anhand formal-stilistischer Kriterien konstruierten Werkkomplex, der dem herausragenden Bildhauer des 13. Jahrhunderts, dem sog. Samsonmeister und seinem Umkreis zugeschrieben wird88 . Bader hat auf der Grundlage des im damaligen Bonner Provinzialmuseum vorhandenen Materials diesem Œuvre zahlreiche andere Kapitelle des heutigen Landesmuseums in einer stilistischen Entwicklungsreihe zugeordnet, ohne diese allerdings ausführlicher zu besprechen. Das dort entworfene Bild des Künstlers wurde mit weiterreichenden Untersuchungen von Karl-August Wirth89 und Brigitte Kaelble90 modifiziert.
Einen zweiten Komplex behandelt Bader im Zusammenhang mit der ehemaligen Benediktinerabtei Brauweiler91 . Auch für diesen Bestand blieben Baders Beobachtungen grundlegend und regten Brigitte Kaelble92 und jüngst Uwe Bathe93 zu weiteren Untersuchungen an.
Ähnlich weittragend und für die Erfassung der niederrheinischen Bauornamentik entscheidend war ein ebenfalls durch einen Ankauf des Rheinischen Landesmuseums angeregter Aufsatz von Walter Schulten94 . Ihm gelang aufgrund der neuen musealen Präsentation der aus der Deichmannsaue in Mehlem erworbenen Kapitelle die Identifikation mit einigen in Knechtsteden aufgenommenen Zeichnungen Julius C. Raschdorffs und somit die Zuordnung fast des gesamten, verloren geglaubten Kapitellschmucks der ehemaligen Prämonstratenserabtei Knechtsteden. Ergänzend und korrigierend konnte Brigitte Kaelble95 auf dieser Grundlage den weiteren Knechtstedener Bestand in anderen Lapidarien ausfindig machen und so zu einer rekonstruierenden Darstellung eines Werkstattzusammenhangs entscheidend beitragen.
Felicia Broscheit96 und umfassender Brigitte Kaelble97 gliederten anhand stilistischer Kriterien eine zweite Kapitellgruppe aus dem Bestand der Deichmannsaue aus, deren Lokalisierung in Köln – möglicherweise in St. Gereon – zu einem differenzierteren Bild der verlorenen Bauausstattung dieses Zentrums führt (Kat.-Nr. 59).
Die unter unterschiedlichen Aspekten angelegten grundlegenden und übergreifenden Untersuchungen und Darstellungen zu Teilbereichen der mittelalterlichen Kunstproduktion basieren auf einer Durchsicht der Bestände des Rheinischen Landesmuseums Bonn.
Verstreut finden sich in den Kunstdenkmäler-Inventarbänden von Paul Clemen, in den Korpusbänden von Hans Erich Kubach und Albert Verbeek zur Romanischen Baukunst an Rhein und Maas, in der Untersuchung zur figürlichen Bauornamentik am Niederrhein von Felicia Broscheit, im Katalog der Grabdenkmäler des 11.– 13. Jahrhundert am Niederrhein von Andrea Nisters-Weisbecker und im jüngst erschienenen Korpusband der Inschriften der Stadt Bonn von Helga Giersiepen Erwähnungen oder ausführlichere Besprechungen einzelner Stücke und Komplexe.
DATIERUNGSKRITERIEN
Zusätzlich zu den eingangs angeführten Problemen, die speziell die aus dem architektonischen Verband gelöste Bauornamentik betreffen, sind bei der kunsthistorischen Beurteilung des vorliegenden Materials die nur verstreut entwickelten methodischen Überlegungen zu Stil, Motivik und Typus zu berücksichtigen.
Richard Hamann98 kommt in seiner Arbeit über die Kapitelle des Magdeburger Doms zu einer ersten Systematisierung der „leitenden stilistischen Gesichtspunkte“ bei der Kapitellbetrachtung. Dabei geht er trotz einschränkender Beobachtungen, die ein Nebeneinander altertümlicher und fortschrittlicher Elemente aufgrund diverser diachron stilbildender Kriterien vermuten lassen, von einer sukzessiven Entwicklung bestimmter ’Kapitelltypen‘ aus. Seine Kriterien sind:
1. Grundform des Kapitells,
2. Form und Richtung des Ornaments,
3. das Verhältnis von Ornament zur Kernform, der Grad der Zugehörigkeit des Ornaments zum Kern,
4. der Darstellungscharakter des Ornaments, sein Grad von Stilisierung oder Naturalismus.
Als in der Grundform voneinander zu differenzieren nennt Hamann Würfelkapitell, Kelchblockkapitell und Kelchkapitell.
Die für Magdeburg relevante Entwicklung im Sinne einer sukzessiven „Ablösung des Ornaments vom Kern“ und zugleich der einer chronologischen Reihung benennt er mit den Begriffen ’Kelchblockkapitell mit romanischen Ranken und breitlappigen Blättern‘, mit ’gestielten Ranken‘, ’Stengelkapitell mit Kelchblockform‘, ’tektonisches Stengelkapitell‘, ’stilisiertes Knollenkapitell‘, ’naturalistisches Knollenkapitell‘, ’naturalistisches Blattbüschelkapitell‘, ’naturalistisches Laubkapitell‘, ’Kriechblumenkapitell‘99 .
Diese Begriffe haben sich in der Kapitellforschung nur bedingt durchgesetzt; das Konstrukt einer einfachen kontinuierlichen Entwicklung dieser Typen wird der Formenvielfalt und der individuellen, regionalen, technisch und materiell bedingten Variationsbreite nicht gerecht.
Die übergreifenden Darstellungen zum deutschen Kapitell von Ahlenstiel-Engel, Weigert und Kluckhohn gehen in erster Linie der formalen und motivischen ’Entwicklung‘ und den stilistischen Verflechtungen mit überregional wirksamen Gebieten (Frankreich, Italien) nach. So konnte Weigert 1943 noch behaupten: „Die Kunstformen … sind nacheinander entstanden, und die Forschung hat ihre Reihenfolge im Wesentlichen unbezweifelbar festzustellen vermocht“100 .
Eine Anwendung dieser Fragestellungen auf die Kapitelle der Klosterrather Abteikirche und vergleichbare Bestände stellt Diepens – in der Argumentation schwer nachvollziehbares und im wesentlichen überholtes101 – Werk über ’Die romanische Bauornamentik in Klosterrath‘ dar.
Dennoch finden sich in der Folge differenziertere Ansätze hierzu in monographischen Arbeiten zu einzelnen Beständen.
So beruft sich Ressel102 zwar im wesentlichen auf die methodischen Grundlagen Hamanns und Ahlenstiel-Engels, kommt jedoch durch detaillierte Betrachtung der Schwarzrheindorfer Kapitelltypen zu einer stilistisch motivierten Gruppierung des Bestandes auf der Basis von Händescheidungen. Ähnlich geht Kaelble in verschiedenen Beiträgen103 von der stilkritischen Differenzierung einzelner Steinmetzen aus, deren individuelle ’Handschrift‘ sich sowohl über verschiedene Bestände hinweg verfolgen lässt als auch ein arbeitsteiliges Vorgehen an einzelnen Kapitellen nahe legt.
Bezogen auf die Frage der Möglichkeit von Händescheidung bildet Hochkirchen104 einen auf die technischen Aspekte der Steinbearbeitung fokussierten Regelkatalog aus: Grundsätzlich stellt sie fest, Steinmetzen-Identität lasse sich unter der Voraussetzung zeitlicher und lokaler Nähe nur in der Summe kohärenter Elemente nachweisen: „Erst wenn neben anderen Übereinstimmungen in der Ausführung zweier bildhauerisch bearbeiteter Werkstücke auch die Ausführung bestimmter Details identisch ist, können sie mit großer Wahrscheinlichkeit einer Hand zugeordnet werden“105 . In der positiven Formulierung benennt sie als Differenzierungsmerkmale die charakteristischen formalen Details, die Vorgehensweise und die Handhabung der Werkzeuge. Entsprechend gilt für Hochkirchen der Grad der Ausarbeitung als Hauptkriterium zur Unterscheidung von ’Typen‘ der vorrangig untersuchten Würfel- und Bossenkapitelle.
Unter kritischer Revision der Ansatzpunkte Hamanns kommt Lieb106 mit Bezug auf die methodischen Überlegungen Hochkirchens107 und Mertens‘108 zu folgenden Kriterien für eine Zuschreibung von Kapitellen an Werkstätten oder Steinmetze:
1. Auswahl der Kapitelltypen und -motive,
2. Kapitellumriss,
3. Kapitellaufbau,
4. Kompositionstechnik (Art und Weise, wie einzelne Motive zur Gesamtstruktur verbunden werden; organisches oder konstruktives Verständnis),
5. Grad der plastischen Ausarbeitung,
6. Verhältnis von Ornament zu Kapitellkern,
7. Form und Gestalt der Motive,
8. Bearbeitungstechnik, Bearbeitungsspuren.
Im Rahmen eines Kataloges, der ausschließlich nicht mehr in situ befindliche Bauornamentik behandelt, sind zusätzlich Überlegungen zum ursprünglichen Aufstellungsort und daraus resultierende Fragen bezüglich technisch-funktionaler und ’perspektivisch‘ wirksamer Elemente (etwa auf Fernsicht, Unter- oder Aufsicht gearbeitete Stücke) zu berücksichtigen. Zudem muss das Problem einer möglichen Wiederverwendung von Steinmaterial mit bereits vorgegebenen Quaderabmessungen stets in die Beurteilung eines Werkstückes einfließen, da in solchen Fällen ein Produkt entstehen kann, dessen Charakteristika (Umriss, Proportionen und Plastizität) nicht mit der Summe der zeittypischen Elemente kongruent sind.
Ruth Meyer folgt in ihrem 1997 postum erschienenen Korpuswerk zum Bestand frühmittelalterlicher Kapitelle und Kämpfer in Deutschland einer auch für die Datierung relevanten Methode der beschreibenden Erfassung, deren Schwerpunkt auf technischen und konstruktionsbedingten Fragestellungen liegt. Aus der Konzentration auf Probleme der Konstruktion resultiert zusätzlich zur traditionellen Einteilung eines Kapitells in Oberzone und Unterzone die Einführung des Begriffs einer statisch und ästhetisch relevanten ’Übergangszone‘109 .
Obwohl auch für die entwickelteren Kapitelltypen des im vorliegenden Katalog behandelten Zeitraums gerade in diesem konstruktiv vermittelnden Abschnitt mit dem Aufkommen des Würfel-, Kelchblock- und Kelchkapitells entscheidende Modifikationen des Steinkonturs zu beobachten sind, müssen solche übergeordneten Fragen hier ausgeklammert werden. Diesen Aspekt auf Kapitelltypen des 11.–15. Jahrhundert zu übertragen wäre die Aufgabe einer wiederum entwicklungsgeschichtlich orientierten Untersuchung, die im Rahmen eines Bestandskataloges nicht geleistet werden kann.
Die von Meyer als datierende Kriterien genannten Punkte zur Analyse eines Werkstückes unterscheiden sich von den bei Lieb detaillierter bezeichneten durch die Formulierung: „Entwicklungsstand der Ornamentik“110 .
Der Begriff der ’Entwicklung‘ beinhaltet auch in der von Meyer differenziert verwendeten Version das Modell einer Kontinuität in der Aufeinanderfolge der Formen: Auf große Zeiträume und klar zu unterscheidende Stilstufen bezogen ist eine solche Abfolge unzweifelhaft an den künstlerischen Formen ablesbar (’Zeitstil‘). Bei kürzeren Zeiträumen hingegen mögen in der Unterscheidung zahlreicher stilbildender Phänomene zwar individuelle Differenzen feststellbar sein, daraus muss jedoch nicht notwendig ein datierendes Kriterium resultieren. Insofern bezieht sich der Begriff einer Ornament-’Entwicklung‘ im vorliegenden Katalog nur auf relative Verhältnisse und enthält nicht zwingend eine zeitliche Fixierung. Die Faustregel, dass jeweils das stilistisch jüngste Element als Datierungskriterium gelte, kann bei dislozierten Stücken nur bedingt angewendet werden.
Bemerkenswert ist, dass für den Bereich der nicht ornamentierten Architekturteile weit weniger Forschungsergebnisse vorliegen111 : Gerade für die im Normalfall zeitgleich mit den dazugehörigen Kapitellen entstandenen Basen könnten übergreifende Untersuchungen zu in situ erhaltenen Beständen entscheidend zu einer Klärung der stilistischen und formalen Grundlagen beitragen.
Der vorliegende Katalog behandelt einen Zeitraum, der die traditionell definierten Stil-Phänomene und willkürlich konstruierten Epochengrenzen der ’Romanik‘ und ’Gotik‘ umfasst112 . Da sich diese Begriffe im besten Falle zur groben Abgrenzung summarisch addierter Stil-, Typ- und Formcharakteristika eignen, sind sie hier entbehrlich.
STEINMATERIAL
Der Bestand an Bauornamentik im Rheinischen Landesmuseum Bonn entstammt überwiegend den Regionen des geographisch auf die ehemaligen Rheinprovinzen beschränkten Sammlungsgebietes. Entsprechend ist das verwendete Material vorrangig regionales Gestein.
Zur Verbreitung von Werksteinen ist die Lage des Steinbruchs sowie die Transportmöglichkeit, in erster Linie zu Wasser, bestimmend113 . Generell kann das Verbreitungsgebiet jeweils flussabwärts des nächsten schiffbaren Flusses gesucht werden; für Abweichungen von dieser Regel stellt Röder fest: „Wenn ein Gestein zu seiner Zeit oder während seiner ganzen Verwendung gegen diese Regel verstößt und sein Verwendungsgebiet flussauf ausdehnt, von den Ufern des Transportträgers sich entfernt und ins Hinterland eindringt, ja sogar auf andere Flussgebiete überspringt, so spricht daraus eine über das übliche hinausgehende besondere Wertschätzung“114 .
Da die Transportkosten des Baumaterials im Mittelalter einen beträchtlichen – bis zu 30 %115 – Anteil der Gesamtsumme eines zu errichtenden Bauwerks ausmachten, kann eine kostenreduzierende Vorfertigung der Werksteine im Steinbruch, wie sie für die römische Zeit nachweisbar ist, nicht ausgeschlossen werden116 .
Vulkanische Gesteine
TUFFSTEINE: Bis ins ausgehende 10. Jahrhundert konnte römisches Altmaterial verwendet werden, bereits für St. Pantaleon in Köln wurde der Stein frisch gebrochen117 . „Der poröse Tuff, Sedimentgestein aus lockeren, nachträglich verfestigten vulkanischen Auswurfmassen, wurde im Mittelalter hauptsächlich in der Nordosteifel, der Pellenz mit dem Nettetal zwischen Andernach und Mayen gewonnen“118 .
Tuffstein gilt als bevorzugtes Baumaterial für die Architektur des 11. und 12. Jahrhunderts im Rheinland und wurde vor allem zur Verblendung der Wände, zum Bau von Gewölberippen und Maßwerk genutzt119 . Hauptumschlagplatz für das beliebte Exportmaterial war Andernach; der Stein wurde auf Frachtkähnen bis Friesland und Dänemark transportiert120 . Rheinaufwärts fand er in Ufernähe Verwendung vor allem in Koblenz und an den Unterläufen von Lahn und Mosel, von Boppard bis Bacharach und Trechtingshausen. Tuffstein oder Basaltlava ist etwa im frühen 12. Jahrhundert für den Neubau von St. Florin in Koblenz quellenmäßig belegt121 .
Aus Tuffstein sind im Bestand des Rheinischen Landesmuseums beispielsweise ein Architekturfragment aus der ehemaligen Bonner Dietkirche (Kat.-Nr. 42,11), zwei Kapitelle aus Heisterbach (Kat.-Nr. 62,5; 62,13) und der Schlussstein aus einer Kirche bei Münstermaifeld (Kat.-Nr. 52).
TRACHYTE: Seit der Römerzeit wurde Trachyt am Drachenfels gebrochen und über den Rhein verschifft. Im Mittelalter wie Tuff zunächst als römisches Altmaterial wiederverwendet, wurde neu gebrochener Trachyt um die Mitte des 11. Jahrhunderts wohl erstmals in größerem Ausmaß an der Kleeblattanlage von St. Maria im Kapitol in Köln verwendet122 . Dem zum Besitz der Burg gehörigen Steinbruch entstammt das Baumaterial der Burg Drachenfels, nach 1138 unter Erzbischof Arnold I. begonnen. Die Lage der Drachenfelsbrüche direkt am Rhein erleichterte den Transport entlang der Wasserstraßen (von den Niederlanden bis Dänemark und rheinaufwärts um Koblenz, an den Unterläufe der Mosel und Lahn und bis Trechtingshausen; selten an der Maas und der mittleren Mosel)123 . Im Rheinland sind über 100 Beispiele für im mittelalterlichen Bau verwendeten Trachyt bekannt124 , darunter das Bonner Münster, die Stiftskirche von Schwarzrheindorf und die Liebfrauenkirche in Andernach. In großem Umfang ist am 1248 begonnenen Kölner Domchor Trachyt verbaut125 . Der Abbau und die Verwendung des Steins (in Köln bis Ende des 18. Jahrhunderts) endete durch den Absturz der Gipfelburg 1828 und die um 1830 erfolgte Stilllegung der Brüche, die unter Denkmalschutz gestellt wurden126 .
Im Mittelalter wurde Trachyt sowohl als Baumaterial als auch für Ausstattung wie Chorschrankenrahmen, Taufsteine etc. verwendet. Der Stein ist gut spaltbar, bietet aber für den Steinmetzen wegen der bis zu 4 cm langen, 0,5–1 cm dicken und meist parallel zueinander gelagerten Sanidine keine optimalen Bearbeitungsbedingungen. Der Stein ist nicht sehr witterungsbeständig; besonders die Sanidine wittern schnell aus127 .
Im Bestand des Rheinischen Landesmuseums haben sich lokalisierbare Trachyt-Werkstücke aus der Bonner Martinskirche (Kat.-Nr. 54,1; 54,3; 54,5; 54,7; 54,8; 54,10), aus Oberpleis (Kat.-Nr. 55,6; 55,7), Brauweiler (Kat.-Nr. 56,33; 56,34; 56,40–56,46), aus Köln, angeblich St. Kunibert (Kat.-Nr. 58,3; 58,11), aus Koblenz (Kat.-Nr. 61,3) und Heisterbach (Kat.-Nr. 62,1; 62,31) erhalten.
STENZELBERGER LATIT: „Die Brüche am Stenzelberg bei Heisterbach wurden zu stärkerem Abbau erst im frühen 13. Jahrhundert für den Bau der großen Abteikirche Heisterbach aufgeschlossen“128 ; vorher fand der Stein bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts beim Bau der Benediktinerpropsteikirche Oberpleis und der Hofkapelle des Fronhofes in Heisterbacherrott129 Verwendung.
Das harte, hellgraue bis schwachrote witterungsbeständige Material trug möglicherweise bei der bauplastischen Ausstattung der Heisterbacher Abteikirche zur Ausprägung des spezifischen, formenreduzierten Stils der Kapitellornamentik bei130 .
Im Rheinischen Landesmuseum befinden sich Latit-Werkstücke aus Brauweiler (Kat.-Nr. 56,12; 56,25–56,27; 56,35–56,38), Oberpleis (Kat.-Nr. 55,5), Bonn (Kat.-Nr. 45), und vor allem aus Heisterbach (Kat.-Nr. 62).
Der erst seit dem 17. Jahrhundert in größeren Mengen gebrochene Wolkenberg-Latit kann für den im vorliegenden Katalog behandelten Zeitraum außer Acht bleiben131 .
ANDESIT: Der etwas dunklere, graue bis rötliche Stein, unterscheidet sich optisch vom Trachyt durch schwarze Einschlüsse von Hornblende. Die Herkunft kann generell aus dem Siebengebirge oder dem Neuwieder Becken angenommen werden. Im Rheinischen Landesmuseum haben sich Andesit-Werkstücke etwa aus Brauweiler132 (Kat.-Nr. 56,13), Bonn (Kat. Nr. 54,9) oder Heisterbach (Kat. Nr. 62,17) erhalten.
Kalksteine
LOTHRINGER KALKSTEIN, ’MUSCHELKALK‘: Unter der generellen Bezeichnung ’Lothringer Kalkstein‘ ist hier weißgelber Kalkstein mit Schill und wenigen porösen Öffnungen bezeichnet, dessen Herkunft aus Lothringen als gesichert gelten kann. Ähnlich aussehendes Material (mit großen Muscheleinschlüssen) kann auch aus dem Mainzer Becken stammen.
Dieser für feinere Steinmetzarbeiten bevorzugte Kalkstein wird im Mittelalter häufig aus römischem Spolienmaterial gewonnen, wie es etwa in Brauweiler oder an den Tympana von St. Cäcilien und St. Pantaleon in Köln nachweisbar ist133 . Für die Verwendung in römischer Zeit liegen aus dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz petrographische und geochemische Untersuchungen vor134 . Denenzufolge wurde bereits in römischer Zeit bei der Gewinnung in erster Linie auf kurze Transportwege und erst sekundär auf die Eignung für die steinmetzmäßige Bearbeitung geachtet135 . Allerdings ist für Grabsteine mit figürlicher Darstellung eine Bevorzugung besser geeigneter Jurakalke zu beobachten136 .
Aus Lothringer Kalk sind entsprechend die kleinteiliger dekorierten und qualitätvolleren mittelalterlichen Stücke im Rheinischen Landesmuseum: ein ’Memorienstein‘ aus Bonn-Dottendorf (Kat.-Nr. 66,1), ein Würfelkapitell aus Billig bei Euskirchen (Kat.-Nr. 7), der größte Teil der Brauweiler Kapitelle (Kat.-Nr. 56,3; 56,4) und die möglicherweise zugehörigen Doppelkapitelle aus dem Umkreis des sog. Samsonmeisters (Kat.-Nr. 56,18–56,20), die meisten der angeblich aus St. Kunibert und Groß St. Martin in Köln stammenden Kapitelle (Kat.-Nr. 58,6; 58,7; 58,9; 58,10; 58,14–58,16) und der wohl in St. Gereon in Köln lokalisierbaren Kapitelle (Kat.-Nr. 57) und Rundkapitelle (Kat.-Nr. 60), der überwiegende Teil der Knechtstedener Kapitelle (Kat.-Nr. 57,1; 57,4; 57,6; 57,7; 57,13; 57,14), Stücke aus Koblenz, St. Kastor (Kat.-Nr. 61,1; 61,4–61,6; 61,8–61,10) und Bacharach (Kat.-Nr. 63,2).
Aus grauem ’Muschelkalk‘ haben sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn Bestände aus Siegburg (Kat.-Nr. 53,1), angeblich aus St. Kunibert in Köln (Kat.-Nr. 58,5), Köln-Deutz (Kat.-Nr. 44) und Bacharach (Tertiär des Mainzer Beckens: Kat.-Nr. 63,1–63,3) erhalten.
KALKSANDSTEIN/KALKSTEIN: Aus grobem, sandig-kalkigem Gestein, ohne Muschelschill mit der Herkunft eventuell aus Lothringen oder dem Mainzer Becken bewahrt das Rheinische Landesmuseum Kapitelle aus Offenbach am Glan (Kat.-Nr. 64,1), aus Bonn (Kat.-Nr. 5), einige Kapitelle aus Knechtsteden (Kat.-Nr. 57,3; 57,10; 57,12) und aus Bacharach (Kat. Nr. 63,4–63,6).
Sandsteine
Die aus der Gegend um Mechernich (Trias, rötlich) oder bei karbonischen Sandsteinen aus dem rheinischen Schiefergebirge (Aachen etc.: hellweiß-grau) stammenden Steine wurden im Mittelalter ebenfalls aus römischem Altmaterial gewonnen, etwa in St. Georg in Köln, an den Vierungspfeilern des annonischen Gründungsbaus137 . Untersuchungen an römischen Steindenkmälern der Mainzer Umgebung bestätigten eine zunehmende Verwendung von Sandstein seit der Mitte des 2. Jahrhunderts gegenüber dem zunächst bevorzugten Kalkstein138 .
Im Rheinischen Landesmuseum sind ein ’Memorienstein‘ aus Wissel (Kat.-Nr. 71,2), einige Gedenkstein-Fragmente aus dem Bonner Münster (Kat.-Nr. 65,1; Rotsandstein: Kat.-Nr. 65,3; 65,4) ein Kapitell aus Siegburg (Kat.-Nr. 53,2), eines unbekannter Provenienz (Kat.-Nr. 16), einige Stücke aus Knechtsteden (kalkiger Sandstein: Kat.-Nr. 57,2; 57,5), aus St. Kastor in Koblenz (Kat.-Nr. 61,7), die Kapitelle aus Offenbach am Glan (Kat.-Nr. 64,2–64,6, wohl nicht aus der aachener oder Mechernicher Gegend) und ein Wasserspeier aus Opladen (Kat.-Nr. 61,7) aus Sandstein unterschiedlicher Varietäten gearbeitet.
Marmor
Das Importmaterial Marmor aus den Alpen oder Italien tritt in der mittelalterlichen Bauornamentik am Niederrhein kaum in Erscheinung; im Rheinischen Landesmuseum Bonn hat sich für den hier relevanten Bereich nur ein Fragment fraglicher Funktion und Zeitstellung erhalten, ein Bruchstück mit Resten einer Inschrift (Kat.-Nr. 78).
Kalksinter
Kalksinter, im Rheinland aus der römischen Wasserleitung von der Eifel nach Köln gewonnen, wurde seit dem 12. Jahrhundert im Bau versetzt. Das hochgeschätzte Material fand Verwendung für Säulen etwa auf der Wartburg, am Brauweiler Kreuzgang und am Bonner Münster139 .
In den vorliegenden Katalog ist ein aus der Bonner Martinskirche stammendes Säulenfragment aus Kalksinter (Kat.-Nr. 54,14) aufgenommen.
SPOLIENVERWENDUNG
Für mittelalterliche Werksteine ist grundsätzlich die Möglichkeit einer Wiederverwendung römischen Baumaterials zu berücksichtigen. Im Kölner Raum standen wohl bis ins 12. Jahrhundert – zuletzt vielleicht noch beim Bau von St. Ursula in Köln140 – ausreichend Reste römischer Bauwerke als Steinbrüche zur Verfügung: „So wurde zum Beispiel im Mittelalter heller Kalkstein nicht als Rohmaterial eingeführt, sondern aus großen Kalksteinquadern römischer Bauten ’gewonnen‘, so dass Werksteine aus dichtem hellem Kalkstein an oder von mittelalterlichen Bauten Kölns in der Regel römische Spolien sind“141 . Die Wertschätzung des qualitativ herausragenden Materials kann anhand eines von Hochkirchen untersuchten Werksteins ermessen werden: An einem Stück aus St. Kunibert in Köln lässt sich die fünfmalige Verwendung als römische Basis, Grabplatte (10. Jahrhundert), Schwelle, Pilasterbasis und Füllstein nachweisen142 . Auch wenn eine so detaillierte Analyse nicht immer gelingt, ist das kosten- und arbeitsparende Phänomen der Wiederverwendung auch bei Großprojekten zu beobachten143 .
In manchen Fällen, wie gerade von Bathe144 für die Klausurgebäude der ehemaligen Abteikirche Brauweiler nachgewiesen, lässt der Wechsel des verwendeten Steinmaterials im Bauverlauf Rückschlüsse auf die neu erschlossenen Lieferquellen zu. In diesem Zusammenhang stehen auch die aus je mindestens zwei skulptierten Teilstücken gearbeiteten Doppelkapitelle wohl aus dem Nord- oder Westflügel des Brauweiler Kreuzgangs (Kat.-Nr. 56,28–56,31). Die prominenten, aus römischem Altmaterial gearbeiteten Brauweiler Muldennischenreliefs sollen in einem gesonderten Skulpturenkatalog behandelt werden.
Mehrfachverwendung ist an verschiedenen Stücken des Rheinischen Landesmuseums erkennbar: Das aus einem Würfelkapitell gearbeitete Drachenkapitell Kat.-Nr. 19 behält die ältere Grundform bei und bricht an drei Seiten die Oberfläche durch figuralen Dekor auf; dem Kölner Figurenkapitell Kat.-Nr. 58,15 lag ebenfalls ein Würfelkapitell zugrunde, wie auch dem Kelchkapitell Kat.-Nr. 20, dessen Formen aber an der nicht-ansichtigen Seite erhalten blieben. Das Deutzer Kapitell Kat.-Nr. 44 trägt am Oberlager noch die Spuren einer römischen (?) Bearbeitung, ebenso die zu drei Vierteln ausgearbeiteten Kölner Rundkapitelle Kat.-Nr. 56,6 mit den Resten der Kannelierung antiker Säulen. Auch an inschriftlichen Denkmälern sind die Spuren von Mehrfachverwendung deutlich, etwa an einem aus einer Basis gearbeiteten ’Memorienstein‘ aus Wissel (Kat.-Nr. 71,2), einem zur Konsole umgearbeiteten ’Memorienstein‘ der gleichen Provenienz (Kat.-Nr. 71,1) oder bei den für eine weitere Verwendung beschnittenen ’Memoriensteinen‘ aus Bonn-Dottendorf (Kat.-Nr. 66,1–66,4) und Bonn (Kat.-Nr. 65,3–65,5).
WIEDERVERWENDUNG VON STEINMATERIAL IM 19. JAHRHUNDERT
Mit dem säkularisationsbedingten Abriss bedeutender Baukomplexe in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sind der Verkauf und die systematische Wiederverbauung des Abbruchmaterials zahlreicher historischer Gebäude verbunden. In seltenen Fällen wie dem der Bonner Martinskirche lässt sich der weitere Weg des Steinmaterials verfolgen:
Die östlich des Bonner Münsterchores gelegene Martinskirche wohl aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts ist nur von Zeichnungen, dem ergrabenen Grundriss und erhaltenen Spolien bekannt. Es handelte sich um einen Zentralbau mit doppelgeschossigem Umgang, Vorhalle und halbkreisförmig vortretender Apsis.
Nach der Versteigerung des Kirchenbaus 1812 ließ die Gemeinde Poppelsdorf aus den verwendbaren Steinen eine neue Kapelle, St. Sebastian, errichten. Nach dem Abriss dieser Kapelle 1895 gelangte nur ein Bruchteil der Kapitelle, Basen und Säulen ins Rheinische Landesmuseum Bonn (Kat.-Nr. 54); der Verbleib der übrigen Werkstücke – meist in Privatbesitz – kann nur in wenigen Fällen nachgewiesen werden.
Die aus dem Abbruch der Heisterbacher Abteikirche gewonnen Werksteine wurden für den Napoleonischen Nordkanal-Bau, für den Festungsbau in Jülich, Wesel etc. verwendet145 . Die Kapitelle und Basen gelangten in Privatbesitz, etwa in die Mehlemer Deichmannsaue oder in verschiedene Gärten der Umgebung.
Weitere Nachrichten sind häufig nur verstreut zu finden, z. B. für Bonn: „Die Materialien der Remigius- und der Gangolphkirche wurden beim Bau des 1807 errichteten Arresthauses verwendet“146 . „Werksteine (von St. Remigius) wanderten nach Wesel zum Festungsbau, so wie jene der schönen Kirche des Klosters Heisterbach“147 .
Die im 19. Jahrhundert beliebte repräsentative Aufstellung mittelalterlicher Bauornamentik aus säkularisierten Beständen, wie sie im Garten des Kanonikus Pick, im Park der Familie Deichmann in Bonn-Mehlem oder im Garten der Familie Bleibtreu bis in das 20. Jahrhundert erhalten blieben, ist selten ausreichend dokumentiert (siehe Anhang II).
MASSE
Die Vermessung der Steine erfolgte nach Möglichkeit jeweils an den gleichen markanten Punkten. Detailangaben erfolgen nur in den Fällen, die weitergehende Rückschlüsse etwa auf den ursprünglichen baulichen Zusammenhang oder die Zugehörigkeit zu Werkgruppen erlauben.
Grundsätzlich sind bei gleichartigen Architekturteilen Abweichungen innerhalb eines Ensembles (Kreuzgangarkade o. ä.) von wenigen Zentimetern häufig zu beobachten, aus denen nicht auf einen Planwechsel oder divergierende Provenienz geschlossen werden muss. So kann etwa die Berücksichtigung von Spolienmaterial – häufig bei Säulen – zu Schwankungen im Werkstattverfahren führen. Anders etwa bei dem Vorhandensein eines eigenen Steinbruches wie in Heisterbach: Die in erstaunlicher Homogenität nach einheitlichem Modul und Formenkanon geschaffenen Kapitelle, Säulen und Basen erlauben auch heute noch ein serielles Zusammensetzen der Elemente.
In Einzelfällen werden auch die Maße sekundärer Bearbeitungsspuren angegeben, da sich hierin ebenfalls eine Möglichkeit zur Beurteilung ehemaliger Zusammengehörigkeit auftut: So etwa bei den mit rezenten Wiederverwendungsmerkmalen versehenen Kapitellen Kat.-Nr. 56,10 und 56,16 aus Brauweiler oder den durch Nute beschädigten Kreuzgangkapitellen und -basen aus Heisterbach.
Die Angaben erfolgen nur in Zentimetern; eine Konkordanz zu den mittelalterlichen oder in den Quellen des 19. Jahrhunderts verwendeten Maßeinheiten ist der Fachliteratur zu entnehmen148 .
MITTELALTERLICHER BAUBETRIEB UND TECHNISCHE ASPEKTE
Für das umfassende Gebiet des mittelalterlichen Baubetriebs, der Steinbearbeitung, Werkzeuge, Bearbeitungsspuren, Probleme der Werkstattorganisation etc. soll hier nur auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen werden.
Über die Zubereitung des Werkstückes von der Bosse, die einzelnen Arbeitsschritte der Ausarbeitung bis hin zur Berechnung der Arbeitszeiten gibt Hochkirchen anhand der Untersuchung der Speyerer Bauornamentik ausführliche und praxisbezogene Auskunft149 .
Grundsätzlich ist bei mittelalterlicher Bauornamentik von einer Farbfassung im letzten Arbeitsschritt auszugehen. Da für das im vorliegenden Katalog behandelte Material aus Zeitgründen keine Farbanalysen erstellt werden konnten, beruhen die Angaben zu den ausschließlich fragmentarisch erhaltenen Farbspuren auf nicht technologisch gestützter Beobachtung150 .
Zu den erst in jüngerer Zeit intensiver beachteten Problemen der Farbfassung mittelalterlicher Bauornamentik hat zuletzt Skriver für St. Gereon in Köln auf der Grundlage genauer Pigmentanalysen Stellung bezogen151 .
Eine anschauliche Darstellung der im Arbeitsprozess verwendeten Werkzeuge und der dadurch verursachten Spuren bieten etwa Friederich, Hochkirchen und Leistikow152 ; zum mittelalterlichen Baubetrieb, für die bei Zurichtung und Versatz des Stückes notwendigen Arbeitsschritte (Aufzugsvorrichtungen, Bleiverfugung etc.) sind vor allem die kunsthistorisch orientierten Publikationen von Binding153 von Bedeutung und für empirisch-experimentelle Analyseverfahren verschiedene Beiträge im Kölner Domblatt154 .
1 Der entsprechende Staatserlass des Staatskanzlers von Hardenberg publiziert bei DOROW, Erlebtes 232; siehe auch Allgemeine preußische Staatszeitung 4. 3. 1820, zitiert nach FUCHS, Geschichte 46 f. – Zur frühen Sammlungsgeschichte siehe ausführlich FUCHS, Geschichte 26–33 und zuletzt KEMPER, Sammlungsgeschichte xx.
2 CLEMEN, Denkmalspflege 32.
3 Das Kapitell Kat.-Nr. 1, das vor diesem Zeitraum entstand, wurde aufgenommen, da es bei ENGEMANN/RÜGER, Spätantike fehlt.
4 Zum Begriff Kunstgeographie bzw. Kunstlandschaft siehe HAUSSHERR, Kunstgeographie. Die hier betreffenden geographischen und gattungsspezifischen Bereiche der Architektur des Rhein-Maas-Gebietes sind umfassend bei KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst behandelt.
5 Siehe z. B. die kontrovers diskutierte Frage der zeitlichen Priorität der betreffenden Bauten anhand der Interpretation der Chorgestaltung der Liebfrauenkirche in Maastricht und der des Bonner Münsters, die wiederum eng mit dem Bau der Osterweiterung von St. Gereon in Köln zusammenhängt, zuletzt bei WERNER, Gliederungssysteme 63 f.; 223–226.
6 Datiert um 1157 bis 1162: EISSING, Datierungen 123 f.
7 Siehe für Köln und das Roerdepartment die Untersuchung von BÜTTNER, Säkularisation, und zu den vier Rheindepartments die Veröffentlichung des Datenmaterials über die säkularisierten Güter von SCHIEDER, Säkularisation und Mediatisierung.
8 RAVE, Anfänge; VERBEEK, Preußen; BUCH, Inventarisation; FELDMANN, Denkmalpflege; EUSKIRCHEN, Anfänge.
9 CLEMEN, Denkmalspflege; CLEMEN, Anfänge; HILGER, Denkmäler-Inverntarisation; MACHAT, Paul Clemen; Paul Clemen 1866–1947.
10 HOFFMANN, Rheinische Romanik 45 f.
11 Ebd.
12 CLEMEN, Denkmalspflege 9.
13 Bonner Jahrb. 102, 1898, 256. Weitere Hinweise in den Restaurierungsberichten der Bonner Jahrbücher sind bislang nicht ausgewertet.
14 BANDMANN, Rezension Meyer-Barckhausen 167: “Datierungen, die sich auf dem Entwicklungsgedanken begründen, erlauben nur bei diesen sekundären Formen – Kapitellen, Rippenprofilen usw. – einige Sicherheit”.
15 Zu St. Peter in Sinzig siehe SCHUNICHT-RAVE, St. Peter 97.
16 WINTERFELD, Baugeschichtsforschung 78 f.
17 CLAUSBERG, Spätstaufische Kunst 70–72; hierzu siehe SAUERLÄNDER, Sachsen 214 f.
18 BEHLING, Pflanzenwelt.
19 Siehe hierzu die ausführlichen botanischen, medizinhistorischen und ikonographischen Darlegungen von QUIÑONES, Pflanzensymbole, 147 f.: “Das Motiv (Palme, Palmette) innerhalb der Romanik, der Kunst der Symbole schlechthin, als reines Dekorationselement anzusehen, wie es vielfach geschieht, erscheint schlechterdings nicht mehr möglich”. Bei bisherigem Kenntnisstand und angesichts der Vielzahl von Abstraktionsgebilden im 11.–13. Jahrhundert tragen simple Gleichsetzungen von botanisch identifizierbaren Pflanzenformen mit Bedeutungsinhalten wie Palme/Palmette = das himmlische Paradies, Akanthus = Schwachheit des Menschen, Wiedergeburt, Unsterblichkeit etc. nicht zum Verständnis des konkreten Werkstückes bei.
20 ROTH, Pflanzendarstellungen
21 ROTH, Pflanzendarstellungen 151.
22 MEYER, Sonderformen; MEYER, Kapitelle und Kämpfer; FREYBERGER, Kapitelle.
23 Zu den Problemen der Gründung und Unterbringung der Institution unter Wilhelm Dorow siehe FUCHS, Geschichte 60–75.
24 CLEMEN, Denkmalspflege 21.
25 Jahrbuch der Preuß. Rheinuniversität I,2; 3, 293 f.
26 Jahrbuch der Preuß. Rheinuniversität I,2, 424; 458; 464.
27 DOROW, Denkmale 134. – Vgl. KEMPER, Sammlungsbestand xx Anm. xx
28 BOURESH, Neuordnung 13 f.
29 JOHN, 150 Jahre 29 ff.
30 Ebd.
31 Ebd. 47.
32 BOURESH, Neuordnung 13–16.
33 CLEMEN, Denkmalspflege 20.
34 FUCHS, Geschichte 99–117.
35 JOHN, 150 Jahre 37 ff.; FUCHS, Geschichte 117. Der 1884 von dem neuen Direktor, Prof. Klein entworfene Flächenplan für die neuen Museumsräume sah 458 m2 Ausstellungsfläche für die Sammlung der Provinz, 305 m2 für die Dorowsche Sammlung in der Universität und 210 m2 für die des Altertumsvereins vor.
36 Siehe die Museumspläne bei FUCHS, Geschichte Abb. 50; 62.
37 LEHNER, Führer 68; 70.
38 LEHNER, Führer 102 f.
39 H. LEHNER, Bonner Jahrb. 132, 1927, 229–247, hier 231 u. 244.
40 Hierzu und zur Neuordnung ausführlich BOURESH, Geschichte.
41 Zitiert nach BOURESH, Neuordnung 222 f.
42 Bericht von Oelmann an die Provinzialverwaltung über die notwendigen Veränderungen im Bonner Museum aus Sicht des neuen Direktors, Abdruck bei BOURESH, Neuordnung 236 f.
43 Ebd. 238.
44 E. LANG, Ein nachdenklicher Gang durch das rheinische Provinzialmuseum in Bonn. Aus: Westdeutscher Beobachter vom 16. 6. 1933, zitiert nach BOURESH, Geschichte 250.
45 BOURESH, Neuordnung 265 ff.
46 Ebd.
47 OELMANN, Bonner Jahrb. 148, 1948, 315.
48 Ebd. 317.
49 Bonner Jahrb. 155/156, 1955/56, 406 f.
50 Siehe Anhang und GOLDKUHLE, Knechtsteden 91 f.
51 Zu dieser gut dokumentierten Phase der Sammlungsgeschichte siehe H. BORGER in: RLMB Sammlungen 163–176 und die Berichte in verschiedenen Heften von Rhein. Landesmus. Bonn dieser Jahre.
52 H. BORGER/W. JANSSEN in: RLMB Sammlungen 212–219.
53 Vgl. H. BORGER in: Rhein. Landesmus. Bonn 1967, 25–27. Die Abb. ebd. S. 27 zeigt die Verfugung und Aufstellung des Knechtstedener Kreuzgangs im 2. Stock des Neubaus. H. V. PETRIKOVITS ebd. 50–52 und H. BORGER ebd. 59–60; 74 f.: “Alle Kapitelle der reichen mittelalterlichen Kapitellsammlung wurden auf Sockeln so aufgestellt, dass der Besucher sie annähernd in dem Blickwinkel betrachten kann, für den sie im Mittelalter auch geschaffen wurden. Um diesen Effekt zu erzielen, zogen wir über Stahlrohrkernen Rabitzsäulen auf”.
54 F. GOLDKUHLE in: RLMB Sammlungen 221 f.: “Dunkle Säulenschäfte – dunkel deswegen, damit sie als reine Darbietungshilfsmittel nicht mit echten Säulen verwechselt werden – heben die Kapitelle so hoch, daß das feine Formenspiel ihrer Ornamentik in der Untersicht für den Betrachter voll zur Geltung kommt”.
55 BADER, Brauweiler 180 Anm. 1.
56 Vgl. für die Sammelbestrebungen und spätere Zerstreuung von Säkularisationsgut verschiedene Aufsätze in KIER/ZEHNDER, Lust und Verlust.
57 Die Bestände an Bauornamentik in den größeren Sammlungen (Berlin: VÖGE, Bildwerke, Frankfurt: SCHENKLUHN, Liebieghaus; Karlsruhe: ZIMMERMANN, Bildwerke Karlsruhe; Koblenz: FABIAN, Skulpturen Koblenz) sind meist nur summarisch behandelt, eine Ausnahme bildet der knappe, in Aufsatzform publizierte Katalog der Architekturfragmente im Hessischen Landesmuseum Darmstadt (FATH, Architekturfragmente). Als vorbildlich kann der hervorragend ausgestattete, 2000 erschienene Katalog des Musée archéologique in Dijon gelten (JANNET-VALLAT/JOUBERT, Sculpture Dijon).
58 Siehe SCHWARZBAUER, Kapitelle, und BINDING u.a., Altenberg.
59 Siehe etwa die Zusammenstellung in Zisterzienser und Heisterbach.
60 MITTLER, Kat. Siegburg behandelt die bis 1983 gefundenen Stücke.
61 Zu Maria Laach ist ein ähnliches Projekt von Karsten Preßler in Vorbereitung.
62 DOROW, Denkmale 132#f.; siehe hierzu KEMPER, Sammlungsbestand xx.
63 Ein Verzeichnis der identifizierten Nummern befindet sich im Archiv der Inventarisation des RLMB.
64 JOHN, 150 Jahre 135–201 Abb. 13.
65 Ebd. 60 f. Abb. 19.
66 Siehe hierzu BADER, Brauweiler 179 Anm. 1 und KEMPER, Sammlungsbestand xx.
67 Vgl. FUCHS, Geschichte 40–53.
68 KEMPER, Sammlungsbestand xx.
69 Bader hat die Konkordanz zu dem ältesten, unter Dorow erstellten Inventar von 1820 eruiert: BADER, Brauweiler 179 Anm. 1.
70 DOROW, Denkmale 95 ff.
71 Zuletzt KEMPER, Sammlungsbestand xx.
72 Ebd. xx, KAELBLE, Rundkapitelle xx.
73 Vgl. BADER, Brauweiler 179 Anm. 1. Die ebenfalls dort angeführte Inv. Nr. 1974 konnte bislang nicht identifiziert werden.
74 OVERBECK, Katalog 96.
75 Siehe CLEMEN, Denkmalspflege 47; vgl. Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen vom 11. März 1980. In: Denkmalschutzgesetze 87–97, besonders § 9 und § 17.
76 CLEMEN, Denkmalspflege 48.
77 Ebd. 49.
78 Ebd. 6.
79 1957 wird die Kartei von WIRTH, Beiträge 50 Anm. 20 erwähnt.
80 Siehe die Zusammenstellung bei BISPING, Publikationen.
81 MÜHLBERG, Grab Anm. 114; KOSCH, Schatzkammer 38 f.; KEMPER, Sammlungsbestand xx.
82 BADER, Bildhauer.
83 Vgl. BADER, Bildhauer 179 Anm. 8. Nach Aussage von C. Bridger-Kraus, der die Aufarbeitung des Bader-Nachlasses in Xanten vorbereitet, befinden sich dort keine Unterlagen zum Skulpturenkatalog. Weder das Düsseldorfer Hauptstaatsarchiv noch das LVR-Archiv in Brauweiler besitzen hierzu Unterlagen.
84 Archiv des RLMB, AZ 30/8 84. Im Lebenslauf Baders vom 10. Juli 1930 heißt es: “Für die Bearbeitung des Kataloges der romanischen und gotischen Steindenkmäler wurde ich von August 1927 an am Provinzialmuseum in Bonn beschäftigt. Von August 1928 war ich bei den Ausgrabungen in der Krypta des Bonner Münsters beschäftigt - März bis Juni 1929 mit einer Ausgrabung in der Klosterkirche zu Brauweiler vom Landeshauptmann beauftragt”.
85 AZ 1002, Nr. 17.
86 Laut Schreiben des Direktors Oelmann vom 16. 3. 1936 wurden ihm die Unterlagen übersandt. Möglicherweise ist hiermit eine handschriftliche Kartei gemeint, die offenbar von Fritz Goldkuhle im Archiv des RLMB verwahrt wurde.
87 Archiv des RLMB 45/158.
88 BADER, Bildhauer.
89 WIRTH, Beiträge.
90 KAELBLE, Untersuchungen; KAELBLE, Rundkapitelle.
91 BADER, Brauweiler; BADER, Brauweileriana; siehe Kat.-Nr. 56.
92 KAELBLE, Brauweiler.
93 BATHE, Kapitelsaal.
94 SCHULTEN, Funde; siehe Kat.-Nr. 57 und Anhang.
95 KAELBLE, Bauornamentik; KAELBLE, Kloster.
96 BROSCHEIT, Figurenkapitelle 56.
97 KAELBLE, St. Gereon.
98 HAMANN, Kapitelle 59 ff.
99 HAMANN, Kapitelle 64.
100 WEIGERT, Kapitell 7.
101 Vgl. HARDERING, Klosterrath 80 f., 181–183. Der Band bleibt jedoch durch seinen umfangreichen Abbildungsteil eine gut zugängliche Referenz und wird als solche im vorliegenden Katalog häufiger für den Verweis auf Vergleichsbestände zitiert.
102 RESSEL, Schwarzrheindorf 3–6. Die 1977 erschienene Dissertation behandelt einen der für die Bewertung der niederrheinischen Bauornamentik aufschlussreichsten, weitgehend in situ erhaltenen Kapitellbestände, deren Zeitstellung durch die überlieferten Quellen und bauarchäologische Analysen relativ gut fixierbar ist. Die Arbeit verdiente weit mehr Aufmerksamkeit, wenn sämtliche Kapitelle und Basen der Kirche berücksichtigt und anstelle der Handskizzen verwertbare Fotografien beigegeben wären.
103 Siehe besonders KAELBLE, Brauweiler.
104 HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung 155. Der Frage einer Händescheidung wird im vorliegenden Katalog nicht nachgegangen, da das nach zufälligen Kriterien im Landesmuseum gesammelte Material für eine zuverlässige Zuschreibung in der Regel keine systematische Analysegrundlage bietet.
105 HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung 154.
106 LIEB, Adelog-Kapitelle 7 f.
107 HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung 155.
108 MERTENS, Bauplastik 3–13.
109 MEYER, Kapitelle 5 f. In dem zweibändigen Werk setzt Meyer die Untersuchungen von MEYER-BARKHAUSEN und JACOBSEN, Kapitellkunst zur frühmittelalterlichen Steinornamentik in Deutschland fort. Auch wenn in einigen Fällen die Datierungen nicht mit den Ergebnissen der Bauforschung in Einklang zu bringen sind, kann die Methode einer systematischen Objektsammlung, der Jahrzehnte mühevoller Recherchen vorangegangen sind, und vor allem Bereitstellung der Abbildungen als richtungsweisend für vergleichbare Projekte der Bestandserfassung für die Bauornamentik des 11.–15. Jahrhundert gelten.
110 MEYER, Kapitelle und Kämpfer 555: “Dies Prinzip, das aus der Summe der erkennbaren Details hervorgeht, manifestiert sich m.E. in den Begriffen: Kapitelltypus, Kapitellform, Entwicklungsstand der Ornamentik und steinmetzmäßige Bearbeitung von Steinkern und Dekor”.
111 Vgl. den grundlegenden Artikel ’Basis‘ von Wilhelm Scriba in RDK I (1937) 1492–1506.
112 Eine positive Formulierung der Begriffe bei BINDING, LexMA IV (1989) 1575 s.v. Gotik bzw. VII (1995) 998 s.v. Romanik; vgl. zuletzt die Bemerkungen zum ambivalenten Umgang mit dem problematisierten Epochenbegriff der ’Gotik‘ bei BEUCKERS, Köln passim.
113 Vgl. HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung 374 f.
114 RÖDER, Steinbruchtätigkeit 511.
115 BATHE, Kapitelsaal II 3.4.5 mit Bezug auf BERRES, Gesteine 118.
116 BERRES, Gesteine 53 f., HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung 376–379.
117 KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst IV 546.
118 Ebd.
119 RÖDER, Steinbruchtätigkeit 509; KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst IV 546–548.
120 KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst IV 546; siehe Verbreitungskarte bei HUISKES, Andernach 107.
121 KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst IV 546.
122 BERRES, Gesteine 55.
123 Vgl. Verbreitungskarte bei HUISKES, Andernach 107; BERRES, Gestein 55 f.
124 KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst IV 547.
125 BERRES, Gesteine 55–64.
126 Ebd. 15–22.
127 Ebd. 55 f.
128 KUBACH/VERBEEK, Romanische Baukunst IV 547.
129 BERRES, Gesteine 48.
130 Vgl. WOLTERS, Kapitell 165.
131 BERRES, Gesteine 65 f.
132 Vgl. BATHE, Kapitelsaal II.3.4.4; II.3.4.7.
133 Ebd. III.1.1.
134 STRIBRNY, Werksteine 6 f. zum Lothringer Jura und 9–16 zum Tertiär des Mainzer Beckens.
135 Ebd. 99.
136 Ebd. 100.
137 1067 geweiht: BATHE, Kapitelsaal Anm. 537.
138 STRIBRNY, Werksteine 104.
139 GREWE, Aquädukt-Marmor; BATHE , Kapitelsaal II.3.4.7 Anm. 554 mit umfangreichen Literaturangaben.
140 MÜHLBERG, St. Pantaleon 161; MÜHLBERG, St. Ursula 70 ff.
141 HOCHKIRCHEN, Spolien 21.
142 HOCHKIRCHEN, Spolien 22: Aus Gründen der Arbeitsersparnis wurde häufig an den nicht ansichtigen Seiten in der Wiederverwendung die alte Fläche beibehalten.
143 Vgl. WOLFF, Spolien; HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung.
144 BATHE, Kapitelsaal II.3.4.7.
145 HOITZ, Heisterbach 54–59.
146 SCHAAFFHAUSEN, Bonn 166; 164–166.
147 Beiträge 43; 119.
148 TRAPP, Witthöft.
149 HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung, mit umfassenden Literaturverweisen.
150 Zu einzelnen Objekten konnte Anja Gerner (Köln), die während des Abbaus der Objekte eine Diplomarbeit über die Polychromie der Gustorfer Chorschranken verfasste, freundliche Auskunft geben.
151 Vgl. auch HOHMANN, Chorschranken 41–50 mit weiterführender Literatur.
152 FRIEDERICH, Steinbearbeitung; HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung; HOCHKIRCHEN, Steinbearbeitung am Dom; LEISTIKOW, Werkzeug.
153 Etwa BINDING, Baubetrieb; BINDING, Baubetrieb Mittelalter; BINDING, Baubetrieb Westeuropas; siehe auch Literaturverzeichnis.
154 Neben den Dombauberichten siehe etwa WOLFF, Stein; LÜPNITZ, Ringanker.
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