Der Pergamonaltar ist ein berühmtes Ausstellungsobjekten auf der Berliner Museumsinsel. Dank einer langjährigen Kooperation der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Pergamon-Grabung des DAI konnte seine Architektur im Berliner Museum und am Ausgrabungsort erstmals umfassend dokumentiert werden. Der vorliegende Band der Altertümer von Pergamon erfasst so etwa 1170 Bauglieder des Altares in Zeichnung, Fotografie und Beschreibung. Dieses Fundmaterial wurde vom Stufenbau bis zum Dach systematisch neu gegliedert. Dabei half das antike Versatzmarkensystems die Vorstellungen vom Aufbau des Altars zu präzisieren. Zusammen mit der Publikation zum Altarfundament und den metronomischen Studien von Manfred Klinkott ergibt sich so ein Gesamtbild des Bauwerkes.
Für die Rekonstruktion der Architektur des Pergamonaltars wurden in dieser Publikation über 1170 Bauglieder in Zeichnung, Fotografie und Beschreibung aufgenommen. Dazu gehören hauptsächlich die zahlreichen im Museum Bergama und am Grabungsort verbliebenen Bauglieder, soweit sie identifiziert werden konnten als auch alle heute in Berlin befindlichen Fragmente, die aus der vertraglich mit dem osmanischen Staat geregelten Fundteilung für die alte Museumsgrabung (1878-1886) stammen. Damit wird die von Manfred Klinkott im Band III.3 mit der Darstellung des Fundamentes und metrologischen Studien begonnene Bearbeitung des Pergamonaltars hier fortgesetzt und abgeschlossen. Ermöglicht wurden die vorliegende Dokumentation und die damit verbundenen Studien zur Architektur dieses einzigartigen Monumentes aus der hellenistischen Epoche Kleinasiens durch eine nach 1990 begonnene Kooperation der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin mit der Pergamon-Grabung des DAI. Für die Publikation wurde das Material des gesamten Bauwerkes vom Stufenbau bis zum Dach systematisch neu gegliedert. Hierbei erwies sich die Erfassung des antiken Versatzmarkensystems für die Rekonstruktion der baulichen Strukturen als besonders wichtig. Damit konnten die Vorstellungen vom Aufbau des Altars an vielen Stellen präzisiert werden. Zwei Marmorarten prägten einst das Erscheinungsbild des Bauwerkes: ein weißer, grau gebänderter Marmor von der Insel Prokonnesos (heute Marmara) und ein dunkler, blaugrauer Marmor von der Insel Lesbos. Aus ihnen kann die Wand des Hofes rekonstruiert werden, wodurch sich auch der Telephosfries fest in die architektonische Struktur einbinden lässt. Ausgehend vom Fundspektrum werden schließlich Vorschläge für die differenzierte Gestaltung der Westhalle und des Innenhofes mit dem Opferaltar erarbeitet. Bestätigt hat sich auch die These, dass das Bauwerk in der Antike nicht vollendet wurde.
Volker Kästner
1968-1973 Studium der klassischen, altorientalischen und ägyptischen Archäologie; Promotion zum Thema „Archaische Baukeramik der Westgriechen“ Berlin 1982; 1982-2014 Tätigkeit an der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin als Kustos für antiker Architektur und Betreuung des historischen Ausgrabungsarchivs; in dieser Zeit Mitwirkung an der wissenschaftlichen Konzeption und Durchführung von verschiedenen Ausstellungen der Antikensammlung (u.a. 100 Jahre Forschungen zum Pergamonaltar 1986; Welt der Etrusker 1987; 2010/11 Neuaufstellung der Antikensammlung im Alten Museum; Pergamon, Panorama der antiken Metropole 2011/12); seit 1990 mehrfach Teilnahme an der Pergamongrabung des DAI und Surveys in Herakleia am Latmos; seit 1993 korrespondierendes Mitglied des DAI; 1997 Neuaufstellung des Telephosfrieses im Pergamonmuseum, 1996 -2004 wissenschaftliche und technische Leitung des Restaurierungsprojektes der Antikensammlung zum Großen Fries des Pergamonaltars, 2008/9 Konzeption und kuratorische Betreuung des Pergamon-Abschnittes der Ausstellung „Pergamon, the Flower of Hellenism, and Silk Road“ des Middle Eastern Culture Centre in Japan (Tokyo). Publikationen und wissenschaftliche Beiträge zu den Forschungsschwerpunkte antike Bauforschung, etruskische Kultur und Museumsgeschichte