Spricht man von einer „Malerei der Rheinromantik“, so liegt der Gedanke an englische Künstler wie William Turner und George Clarkson Stanfield oder Vertreter der Düsseldorfer Malerschule nahe. Tatsächlich kamen unter den seit dem frühen 19. Jahrhundert in das Mittelrheintal strömenden Touristen auch zahlreiche Künstler von den Britischen Inseln dorthin und hielten diese pittoreske Gegend zwischen Mainz und Köln in Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden fest. Und in Düsseldorf nutzten Maler der 1819 neu gegründeten Kunstakademie wie Carl Friedrich Lessing, Johann Wilhelm Schirmer oder Caspar Scheuren Motive aus dem Rheintal und seinen angrenzenden Gegenden zu gleichermaßen realitätsnahen wie romantisierenden oder im „heroischen“ Stil überhöhten Landschaftsansichten, während Historienmaler wie Carl Joseph Begas auch Szenen aus der realen oder legendenhaften Geschichte der Gegend oder sagenhafte Gestalten wie die Loreley zu ihrem Thema machten. (...) Dass hierbei gerade auch Künstler aus Frankfurt, Mainz und der angrenzenden Region Schlüsselfiguren waren, wurde erst im vergangenen Jahrzehnt in angemessener Weise dargelegt. Der Band vertieft diesen Ansatz, indem er Künstler der genannten Region ins Visier nimmt und dabei den Blick von Christian Georg Schütz dem Älteren bis Edward von Steinle weitet, also Werke mit Motiven rund um den Rhein von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis weit ins späte 19. Jahrhundert hinein zusammenträgt und vorstellt.
Dr. Gerhard Kölsch studierte Kunstgeschichte in Mainz und Wien. Er war von 1999 bis 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frankfurter Goethe-Museum, wo er den Bestandskatalog der Gemälde bearbeitete. Seitdem freiberuflicher Kunsthistoriker, Autor und Ausstellungskurator, tätig u. a. für das Dommuseum Mainz, das Historische Museum Frankfurt, das Mittelrhein-Museum Koblenz und das Museum Wiesbaden. Seine Forschungsschwerpunkte sind die deutsche Malerei und Graphik des 17. bis 19. Jahrhunderts, die Geschichte Frankfurter Kunstsammlungen sowie Themen der Erinnerungs- und Residenzkultur.