Der Band umfasst in 205 Katalogartikeln die historischen Inschriften der Stadt Eisenach, ihrer eingemeindeten Dörfer und der Wartburg. Ediert wurden sowohl die noch im Original erhaltenen, als auch die abschriftlich oder bildlich nachgewiesenen Texte vom Beginn der Überlieferung im 13. Jahrhundert bis zum Jahr 1650. Aufgrund dieser erstmals vollständig erfassten Quellengrundlage kann die mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der Stadt und der Burg nun von neuen Standpunkten aus beleuchtet werden. Die Wartburg wurde im 11. Jahrhundert gegründet und war unter den Ludowingern und den Wettinern bis ins 14. Jahrhundert hinein die wichtigste Residenz der Landgrafschaft. Reste ihrer frühen künstlerischen Ausgestaltung haben sich in einer mittelalterlichen Wandmalerei erhalten, die zugleich den Beginn der inschriftlichen Überlieferung darstellt. Das hiesige Wirken der heiligen Elisabeth findet in den Inschriften des 17. Jahrhunderts ehrfurchtsvolle Erinnerung. Der Burg zu Füßen entstand unter ludowingischer Förderung die Stadt Eisenach, die schnell zu einer der bedeutendsten Städte Thüringens heranwuchs. Das ehemalige Dominikanerkloster, das ab 1544 als reformatorische Lateinschule genutzt wurde, die Georgenkirche, die spätestens durch ihren Neubau im 16. Jahrhundert zur Hauptpfarrkirche aufstieg, und der 1599 angelegte Alte Friedhof bilden die wichtigsten Standorte der überlieferten Inschriften. In ihnen spiegelt sich vor allem das wachsende Selbstbewusstsein der Bürger wider. Stiftungen für die spätmittelalterlichen Klöster wie für die nachreformatorischen Pfarreien, der Ausbau ihrer Wohnhäuser, Zeugnisse ihrer Festkultur, alltägliche Gebrauchsgegenstände, vor allem aber ihre Bestattungs- und Grabmalkunst prägen die Inschriften zeitübergreifend. Daneben steht bereits zu Beginn der Überlieferung die Präsenz der Geistlichkeit in der stark kirchlich geprägten Stadt. Nicht zuletzt wurden Eisenach und die Wartburg durch den Aufenthalt Martin Luthers zu einem herausragenden Schauplatz der Reformationsgeschichte, was noch über hundert Jahre später in den Inschriften großen Widerhall fand. Durch die Landesteilung im Jahr 1596 stiegen Stadt und Burg schließlich erneut zur Residenz auf und wurden als Mittelpunkt des eigenständigen Herzogtums Sachsen-Eisenach künstlerisch ausgestaltet, was einen weiteren Schwerpunkt in den Inschriften ausmacht.
Das Ziel des Projektes ist die Sammlung und Edition aller lateinischen und deutschen Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis zum Jahr 1650. Das Sammelgebiet umfasst nach heutigem Stand Deutschland und Österreich sowie Südtirol. Die Ergebnisse der Sammlung werden in den DI-Bänden ediert. Ein Band beinhaltet entweder die Inschriften eines bzw. mehrerer Stadt- oder Landkreise oder die Inschriften einzelner Städte. Bei Städten mit besonders großem Inschriftenbestand werden Einzelkomplexe gesondert ediert. Aufgenommen werden sowohl die noch erhaltenen als auch die nur mehr kopial überlieferten Inschriften.
Das Projekt “Die Deutschen Inschriften” ist das bei Weitem älteste moderne Unternehmen zur Sammlung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Inschriften. Begründet wurde es vor über 75 Jahren als Gemeinschaftsunternehmen der wissenschaftlichen Akademien in Deutschland und Österreich auf Initiative des Germanisten Friedrich Panzer (Heidelberg) unter wesentlicher Mitwirkung der Historiker Karl Brandi (Göttingen) und Hans Hirsch (Wien).