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9783895006760

Kleinmichel, Sigrid

Die Geburt des Propheten Muhammad

Drei Dichtungen aus Mittelasien

2009
17,0 x 24,0 cm, 356 S., Gebunden
98,00 €

ISBN: 9783895006760

Kurze Beschreibung

Sigrid Kleinmichel gibt einen Einblick in die Muhammadverehrung einer Region, deren Kultur im Verhältnis zu anderen islamischen Regionen noch relativ selten im Blickpunkt der Forscher und der Öffentlichkeit Europas und Amerikas stand.
Die Geburt des Propheten Muhammad in einer für alle verständlichen Sprache zu preisen, wurde in Mittelasien Ende des 19. Jahrhunderts üblich. Die Arbeit stellt drei für diesen Zweck verfasste Dichtungen vor. Erstmals wird das viel gelesene „Mawludu ’n-nabi“ von Hilwati (1858–1921) aus dem Ferghanatal mit der altosmanischen Dichtung, die sein Vorbild war – Süleyman Çelebis „Mevlid“ (15. Jahrhundert) – eingehend verglichen. Der Dichter Halis, dessen Dichtung bisher nur in zwei Handschriften bekannt ist, folgte, wie die Untersuchung ergeben hat, dem choresmtürkischen „Qisasu ’l-anbiya’“ (1310) von Rabdjuzi. Das kasachisch geschriebene „Na’t“ von Tïnïslïq-oghlï ist 1903 in Kasan gedruckt worden. Alle drei Texte werden in ihren sprachlichen Besonderheiten vorgestellt. Doch erst die kontinuierliche Bindung an die Originaltexte und die ins Einzelne gehende Analyse der Inhalte ermöglichen es, das Wesen der Bewunderung für den Propheten vorstellbar zu machen.

Ausführliche Beschreibung

Die Leser des Buches erhalten einen Einblick in die Muhammadverehrung einer Region, deren Kultur im Verhältnis zu anderen islamischen Regionen noch relativ selten im Blickpunkt der Forscher und der Öffentlichkeit Europas und Amerikas stand.
Die Geburt des Propheten Muhammad in einer für alle verständlichen Sprache zu preisen, wurde in Mittelasien Ende des 19. Jahrhunderts üblich. Die Arbeit stellt drei für diesen Zweck verfasste Dichtungen vor. Erstmals wird das viel gelesene „Mawludu ’n-nabi“ von Hilwati (1858 bis 1921) aus dem Ferghanatal mit der altosmanischen Dichtung, die sein Vorbild war - Süleyman Çelebis „Mevlid“ (15. Jahrhundert) - eingehend verglichen. Der Dichter Halis, dessen Dichtung bisher nur in zwei Handschriften bekannt ist, folgte, wie die Untersuchung ergeben hat, dem choresmtürkischen „Qisasu ’l-anbiya’“ (1310) von Rabdjuzi. Das kasachisch geschriebene „Na’t“ von Tïnïslïq-oghlï ist 1903 in Kasan gedruckt worden. Es zeigte sich, dass der Dichter Epenrhythmen und seine Kenntnisse arabischer religiöser Texte nutzte, um diesen Lobpreis auf Muhammad zu dichten.
Alle drei Texte werden in ihren sprachlichen Besonderheiten vorgestellt. Dadurch werden die bisher vorliegenden Arbeiten über das Tschaghataische (J. Eckmann, A. Bodrogligeti) und über das Kasachische ergänzt. Die poetischen Details der Dichtungen werden im Vergleich zu den Vorlagen und zwei weiteren osmanisch-türkischen Werken, die im 19. Jahrhundert oft in Kasan gedruckt wurden, - „Muhammadiyya“ (1449) von Yazicioglu und „Dala’il-i nubuwwat“ von Altiparmak (gest. 1623/24) - ausführlich beschrieben.
Aus den vorgeformten Abschnitten, Episoden und Erzählelementen wählen die Dichter, wie sich erwies, nach ihren eigenen religiösen und sozialen Vorstellungen und ihren künstlerischen Prinzipien aus. So sind die Schöpfung, d.h. die Entstehung der Welt aus dem zuerst von Gott geschaffenen Lichte Muhammads, die Geschichten vom Gelübde ’Abdu ’l-muttalibs, einen Sohn zu opfern, von Yahya (Johannes), vom kurzen Leben des Vaters von Muhammad und von der Geburt selbst mit ihren Wundern jedesmal anders gestaltet. Nicht alle Dichter wählen aus den Episoden um die Waisenschaft Muhammads, um die Reinigung der Brust des Propheten durch Engel und um die Himmelfahrt Elemente für ihre Dichtung aus. Zusätzliche Erzählungen, wie z.B. die über „mawlud“-Feiern, werden von einigen wenigen Dichtern in ihren Text integriert. Die kontinuierliche Bindung an die Originaltexte und die ins Einzelne gehende Analyse der Inhalte ermöglichen es, das Wesen der Bewunderung für den Propheten vorstellbar zu machen.

Rezensionen

„Diese Untersuchung umfasst allerdings weit mehr, als es ihr Titel erahnen lässt. So beschränkt sich die Autorin keineswegs nur auf die drei modernen Dichtungen. Vielmehr setzt sie diese in Bezug zu einem großen Corpus an älterer türkischer Muhammad-Literatur, wie sie im 14., 15. und 17. Jh. in Zentralasien (...) und dem Osmanischen Reich (...) entstand und über ihr unmittelbares Heimatgebiet hinaus in der gesamten türkisch-islamischen Welt beliebt wurde. Auf diese Weise kann Kleinmichel zeigen, wie die von ihr ausgesuchten modernen Dichter an ältere Traditionen anknüpfen, wie sie diese übernehmen, aber auch wie sie sie nach eigenem Geschmack modifizieren.Aufgrund des grosszügigen zeitlichen Rahmens sowie der Menge des herangezogenen Textmaterials kann Kleinmichel mit ihrer Studie in Anspruch nehmen, die Entwicklung von Muhammads Geburt, einem komplexen, an Episoden und Erzählelementen reichen Gegenstand, in der türkischen Dichtung vom 14. bis zum 20. Jh. in ihren wesentlichen Bahnen und Formen rekonstruiert zu haben. Abgesehen von dieser beeindruckenden literaturwissenschaftlichen Leistung bietet Kleinmichels Studie ferner interessante Anmerkungen zur sprachlichen Gestalt der von ihr analysierten Texte und damit zu einem weiten Spektrum verschiedener Türkspraehen (v. a. Osmanisch, Tschaghataisch, Kasachisch, Tatarisch).“

Von Max Schwerberger

In: Orientalische Literaturzeitung 108, (2013), 1, S. 39-41.
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„Aufgrund der Heranziehung so zahlreicher verschiedener Wiedergaben entsteht durch Kleinmichels Arbeit zum einen ein vollständiges und geschlossenes Bild von der Geburtserzählung des Propheten. Noch stärker kommt es der Vf. jedoch darauf an, die einzelnen Abhängigkeiten ihrer modernen zentralasiatischen Autoren von deren klassischen Vorbildern möglichst systematisch und präzis herauszuarbeiten. (...)
Von allen drei behandelten modernen Texten erlangte anscheinend Hilwati den größten Erfolg und die weiteste Verbreitung, was Kleinmichel daran festmachen kann, dass sein Text bis heute bei den Usbeken in Usbekistan und Afghanistan rezitiert wird. In diesem Sinne wünschen wir der Vf., dass ihre wertvolle Studie in ähnlicher Weise viele Leser finden und auf das ihr angemessene Interesse der Fachwelt stoßen wird.“

Max Scherberger

In: Orientalistische Literaturzeitung. 108 (2013) 1. S 39-41.

Autoreninfo

Sigrid Kleinmichel

Studium der Turkologie, Promotion mit der Dissertation „Untersuchungen zu phonologischen, morphophonologischen und morphologischen Problemen im Marzuban-name“, Humboldt-Universität zu Berlin 1971. Forschungsschwerpunkte:
Altosmanisch, usbekische Sprache; turksprachige Literaturen des 20. Jahrhunderts (u.a. „Aufbruch aus orientalischen Dichtungstraditionen. Studien zur usbekischen Dramatik und Prosa zwischen 1910 und 1934“, Budapest Akadémiai Kiadó 1993 und Wiesbaden: Harrassowitz 1993), tschaghataische Literatur (u.a. „Mir ’Aliser Nava’i und Ahmed Pasa“, in: Archivum Ottomanicum 17 (1999); „Nawa’i-i be-nawa. Betrachtungen zum dewan Nawadiru ’n-nihaya von ’Aliser Nawa’i“, in: Mir ’Alisir Nawa’i. Akten des Symposiums aus Anlaß des 560. Geburtstages und des 500. Jahres des Todes von Mir ’Alisir Nawa’i am 23. April 2001, hrsg. von Barbara Kellner Heinkele und Sigrid Kleinmichel, Würzburg: Ergon 2003); Rezeption tschaghataischer Literatur in Usbekistan im 20. Jahrhundert (“Halpa in Choresm (Hwarazm) und atin ayi im Ferghanatal. Zur Geschichte des Lesens in Usbekistan im 20. Jahrhundert“, ANOR 4 Berlin: Das Arabische 1, 2 Buch 2000).

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