(0)
9783895004650

Herausgeber: Adanir, Fikret; Bonwetsch, Bernd

Osmanismus, Nationalismus und der Kaukasus

Muslime und Christen, Türken und Armenier im 19. und 20. Jahrhundert

2005
17,0 x 24,0 cm, 336 S., 2 s/w Abb., 3 s/w Tabellen, 3 Tabellen, Gebunden
49,00 €

ISBN: 9783895004650
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unterschiedliche Probleme und Aspekte der Geschichte des „Krisenherd Kaukasus“. Das Spektrum der Themen reicht vom Gebrauch der Geschichte zur Legitimation politischer Ansprüche über die Quellengrundlage derartiger historisch begründeter Ansprüche, die Erscheinungsformen von Nationsbildung und nationalem Bewusstsein, die Ethnisierung des Sozialen bzw. die Politisierung des Ethnischen bis hin zu der Frage der Zukunftsfähigkeit multinationaler Staatskonzepte wie des Osmanismus im Zeitalter des Nationalismus. Zusammengehalten werden sie durch die Geschichte des türkisch-armenischen Verhältnisses, das seine Schatten auf alle behandelten Fragen wirft. Die Beiträge erfassen die aktuelle Forschungsdiskussion und regen zu weiterführenden komparatistischen Fragen an.

Ausführliche Beschreibung

Als Grenzregion mit ausgeprägter ethnisch-konfessioneller Vielfalt war der Kaukasus seit dem 18. Jahrhundert Schauplatz osmanisch-russischer Rivalität. Regionale Konflikte ebenso wie Großmachtinteressen im Rahmen der Orientalischen Frage verschärften die Gegensätze, die im Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichten. Die Auflösung der benachbarten multi-ethnischen Imperien brachte jedoch den Völkern des Kaukasus die lang ersehnte Eigenstaatlichkeit nicht. Nach einem kurzen Zwischenspiel der Unabhängigkeit Anfang der 1920er Jahre geriet die Region erneut unter die Kontrolle einer imperialen Macht, der Sowjetunion, und wurde fast sechzig Jahre lang von Moskau aus beherrscht. Erst die Entwicklungen seit dem Zusammenbruch des Ostblocks haben die politische Landschaft des Kaukasus grundlegend geändert. Dort gibt es heute drei unabhängige Staaten in Gestalt von Armenien, Aserbaidschan und Georgien sowie mehrere autonome Republiken im Rahmen der Russischen Föderation. Die Sozialstruktur der Bevölkerung hat sich erheblich gewandelt; allerdings hat die Region noch keine politische Stabilität erlangt. Die letzten Jahrzehnte waren vielmehr von bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in Aserbaidschan, Georgien, Tschetschenien oder Dagestan geprägt. Sogar einen richtigen Krieg, zwischen Armenien und Aserbaidschan um Berg-Karabach, hat es dabei schon gegeben.

Die Beiträge dieses Bandes behandeln unterschiedliche Probleme und Aspekte der Geschichte dieses „Krisenherds Kaukasus“. Das Spektrum der Themen reicht vom Gebrauch der Geschichte zur Legitimation politischer Ansprüche über die Quellengrundlage derartiger historisch begründeter Ansprüche, die Erscheinungsformen von Nationenbildung und nationalem Bewußtsein, die Ethnisierung des Sozialen bzw. die Politisierung des Ethnischen bis hin zu der Frage der Zukunftsfähigkeit multinationaler Staatskonzepte wie des Osmanismus im Zeitalter des Nationalismus. Was es nahegelegt hat, sie in einem Band zusammenzubringen, ist die Geschichte des türkisch-armenischen Verhältnisses, das seine Schatten praktisch auf alle hier behandelten Fragen wirft. Diese Geschichte erreichte ihren Tiefpunkt im Ersten Weltkrieg: Als die osmanische Kaukasus-Front zusammengebrochen war und an den Dardanellen die Landung der Entente-Truppen bevorstand, beschloß die jungtürkische Regierung im Frühjahr 1915, die armenische Bevölkerung Anatoliens zu deportieren. Ein Großteil der zwangsweise umgesiedelten Bevölkerung kam dabei um bzw. wurde umgebracht. Diese Deportation stellt ein schweres Verbrechen dar, für das im heutigen Diskurs die Bezeichnung „Völkermord“ verwendet wird. Eine adäquate Aufarbeitung dieser Geschichte steht, zumindest in der Republik Türkei, noch aus. Auch die Frage nach dem Mitwissen und der Mitverantwortung des Deutschen Reiches als wichtigstem Verbündeten der Türkei ist noch nicht ausdiskutiert. Demgegenüber kommt dem Thema Genozid in der armenischen (vor allem in der Diaspora entstandenen) Literatur, aber auch in der internationalen Forschung zentrale Bedeutung zu. Die Beiträge dieses Bandes versuchen, die gegenwärtige Forschungsdiskussion in ihren wesentlichen Aspekten zu erfassen und dabei zu weiterführenden komparatistischen Fragestellungen anzuregen.

Autoreninfo

Dr. Volker Adam, Fachreferent Sondersammelgebiet, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt, Halle an der Saale

Prof. Dr. Fikret Adanir, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Lehrstuhl für Geschichte Südosteuropas / Osmanisch-türkische Geschichte

Dr. Parvin Akhanchi, Azerbaijan National Academy of Sciences, Department of Social Sciences, Institute of Archaeology and Ethnography, Baku

PD Dr. Eva-Maria Auch, Universität Bonn, Seminar für Osteuropäische Geschichte

Prof. Dr. Bernd Bonwetsch, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas; Direktor des Deutschen Historischen Instituts Moskau

Dr. Mustafa Gencer, Abant Izzet Baysal Üniversitesi, Fen Edebiyat Fakültesi, Tarih Bölümü, Bolu, Türkei

Dr. Salavat Midchatovic Ischakov, Rossijskaja Akademija Nauk, Institut Rossijskoj istorii, Moskau

PD Dr. Ralf Martin Jäger, Universität Münster, Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik, Fach Musikwissenschaft, Münster

Dr. Hilmar Kaiser, Historian, Board member of the Center for Contemporary Armenian History, Paris

Dr. Michael Kohrs, DAAD-Lektor, Pädagogische Universität Vilnius, Fakultät für Fremdsprachen, Vilnius, Litauen

Dr. Daniel Müller, Diplom-Journalist, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Journalistik an der Universität Dortmund

Dr. Oliver Reisner, Human Rightrs Program Manager, World Vison International in Georgia

Assoc. Prof. Dr. Ruben Safrastyan, National Academy of Sciences of Armenia, Institute of Oriental Studies; Mitglied der Gruppe „Spectrum, Center for Strategic Analysis“, Eriwan

PD Dr. Hans Walter Schmuhl, Universitäte Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Abteilung Geschichtswissenschaft

Schlagworte

Armenien (24) || Aserbaidschan (16) || Ethnic Studies (14) || Ethnische Gruppen (2) || Ethnische Identitäten || Ethnische Konflikte || Ethnische Minderheiten und multikulturelle Gesellschaft (4) || Genozid (2) || Genozide und ethnische Säuberung (3) || Georgia (25) || Geschichte (712) || Geschichte: Ereignisse und Themen (261) || Gesellschaft und Kultur, allgemein (280) || Gesellschaftliche Gruppen (48) || Nationalismus (4) || Osteuropa (229) || Politik und Staat (63) || Politikwissenschaft (17) || Politische Gruppen || Politische Ideologien (5) || Russland (9) || Soziale und ethische Themen (21) || Türkei (220)