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9783895004995

Mekacher, Nina

Die vestalischen Jungfrauen in der römischen Kaiserzeit

2006
22,0 x 29,0 cm, 272 S., 110 s/w Abb., Broschur
45,00 €

ISBN: 9783895004995
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

In dieser Studie werden erstmals sämtliche Zeugnisse zur Geschichte der stadtrömischen Vestalinnen von der augusteischen Zeit bis zum Ende des dritten nachchristlichen Jahrhunderts zusammengestellt. Die reich bebilderte Untersuchung beruht auf der Auswertung aller relevanten literarischen Erwähnungen, inschriftlichen Quellen und bildlichen Darstellungen. Die rechtlichen Grundlagen dieses Priestertums und die kultischen Pflichten der Vestalinnen werden systematisch aufgearbeitet, ihr Wohn- und Dienstort, der heilige Bezirk der Vesta beim Forum Romanum wird eingehend vorgestellt, und nicht zuletzt werden die soziale Herkunft und die Einbindung der Priesterinnen in die römische Gesellschaft sowie die antiken Vorstellungen von ihrem Amt analysiert und damit ein wichtiger Beitrag zum Verständnis dieser Priesterschaft geleistet.

Ausführliche Beschreibung

Die Vestalinnen bildeten die einzige selbständige weibliche Priesterschaft des traditionellen römischen Staatskults. Sie bewachten das ewige Feuer im Tempel der Vesta am Forum Romanum und waren an zahlreichen Zeremonien des römischen Festkalenders maßgeblich beteiligt. Detaillierte rechtliche Bestimmungen garantierten, daß die Vestalinnen kultisch rein und rechtlich frei waren. Während ihrer mindestens dreißigjährigen Dienstzeit unterstanden sie einem strengen Keuschheitsgebot. Die Priesterinnen waren von einem ganz besonderen Charisma umgeben und verkörperten in gewissem Maße die Göttin Vesta, das Feuer und die Gemeinschaft.
In der römischen Frühzeit und während der Republik hoben sich die Vestalinnen durch zahlreiche Vorrechte von allen anderen römischen Frauen ab. Im Laufe der ersten drei Jahrhunderte nach Christus erlangte auch ein immer größerer Anteil römischer Bürgerinnen nach und nach fast alle wichtigen vestalischen Privilegien. Der soziale Status der Priesterinnen beruhte nun in erster Linie auf dem alten religiösen Charisma und auf der Nähe zum ersten Mann im Staat, dem Kaiser, der gleichzeitig Pontifex maximus und damit Vorsteher der Vestalinnen war. In einer Gesellschaft, die sich im Laufe der Zeit immer mehr zur Monarchie hin entwickelte, gewann dieses neu erlangte Prestige stetig an Bedeutung.
Dieser Band stellt die antiken Zeugnisse zu den Vestalinnen umfassend vor und deutet sie im Zusammenhang. Im Mittelpunkt stehen nicht so sehr, wie in Forschungen früherer Wissenschaftler, Vermutungen über die Priesterschaft in der römischen Frühzeit, sondern das nachprüfbare Wissen über ihr Wirken in der Kaiserzeit, im Lichte einer reichhaltigen Quellenlage. Besondere Rollen spielen dabei die Schriften der antiken Autoren, die erhaltenen Bildnisse der Priesterinnen, die hier erstmalig umfassend dokumentiert werden können, die Texte der Ehreninschriften auf Statuenbasen für Vestalinnen, römische Münz- und Medaillonbildnisse und nicht zuletzt die archäologischen Befunde im Haus der Priesterinnen am Forum Romanum.


Interessenten:
Archäologen, Althistoriker, Altphilologen,
Religionshistoriker

Rezensionen

„Lo studio di Mekacher offre un ricco panorama delle diversissitne fonti disponibili sulle Vestali romane dei primi tre secoli imperiali. I materiali (letterari, documentari, numismatici, archcologici) sono analizzati e discussi da numerosi punti di vista. Risultano particolarmente interessanti le considerazioni giuridiche sulla scelta della Vestale (prima eletta a sorte da un gruppo di venti fanciulle, poi candidata da sola e approvata dal senato imperiale). Nella sua discussione dei ben noti doveri rituali delle Vestali (Cap. III), l’autrice osserva che a volte, per varie ragioni pratiche, essi venivano delegati al personale subalterno. L’analisi prosopografica (Cap. IV) consente di focalizzare attenzione ai limiti di età delle Vestali e ai periodi di servizio da loro
prestati (in media 25 anni), nonché alle quote percentuali delle Vestali note rispettivamente nei primi tre secoli: sarebbero a noi note tre quarti delle Vestali effettivamente esistite nel I sec. d. C., solo 10% di quelle del II seeolo, mentre per il III secolo la percentuale sarebbe intorno al 50%. Viene inoltre trattata la rappresentazione (e autorappresentazione) delle Vestali, che non
solo si manifesta su rilievi imperiali o nelle dediche erette all’interno dell’Atrium Vestae, ma anche attraverso il loro prominente ruolo sociale, caratterizzato da vari privilegi e illustrato dai soliti rapporti con la casa imperiale.
Nonostante le intensive ricerche sulle Vestali nel recente passato, dal lavoro di Mekacher emerge un autorevole e innovativo contributo alla migliore comprensione di quello che erano e di quello che facevano le Vestali romane.“

Mika Kajava

In: Arctos. 45 (2011). pp. 261.

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„Die römischen Vestalinnen sind gewiss kein vernachlässigter Gegenstand der Forschung, ganz im Gegenteil: Ihr besonderer Rang als einzige weibliche Priesterschaft des staatlichen Götterkults, ihre wichtige Rolle als Beschützerinnen des heiligen Feuers der Vesta, von dem das Wohlergehen der Stadt abhing, ihr durch zahlreiche Sonderrechte gewährleisteter, unter römischen Frauen einzigartiger Status weitgehender juristischer Unabhängigkeit, vor allem aber das zur Ausübung ihrer
Priesterpflicht unabdingbare Keuschheitsgebot, an das sie während ihrer mindestens 30-jährigen, meist aber lebenslangen Amtszeit gebunden waren und dessen Verletzung mit einem grauenhaften Tod bestraft wurde, haben seit jeher die religionshistorische Forschung intensiv beschäftigt und nach den religiösen Gründen und dem Sinn dieser ungewöhnlichen Institution fragen lassen. Dies führte freilich zu einem überproportionalen Interesse an den Ursprüngen und der Frühzeit des
Vesta-Kults bis zum Ende der Republik, während die Vestalinnen der Kaiserzeit trotz einer erheblich besseren archäologischen und epigraphischen Quellenlage seit längerem nur noch geringe Aufmerksamkeit hervorriefen. Hier setzt die Arbeit von N. M. an, eine Berner archäologische Dissertation. Die Autorin hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: In einer weit ausgreifenden Synthese der literarischen, epigraphischen, archäologischen und numismatischen Überlieferung will sie eine
Gesamtdarstellung der Lebensumstände und sozialen Handlungsspielräume, letztlich eine Sozialgeschichte der Vestalinnen in der Kaiserzeit liefern. Man darf von vornherein sagen, dass N. M. diesem Anspruch souverän gerecht wurde und zweifellos das künftige Standardwerk zum Thema vorgelegt hat. Die stets entlang einer klar definierten Fragestellung entwickelten, zu allen Quellengattungen gleich kompetenten Analysen führen zu einem schlüssigen Bild von sozialer Herkunft, juristischem Status, öffentlichem Ansehen, politischem Einfluss, kultischen Aufgaben und Lebensverhältnissen der Vestalinnen innerhalb der römischen Gesellschaft. Besonderes Gewicht gilt der vollständigen Erfassung der bisher für diese Frage nicht systematisch berücksichtigten archäologischen Denkmäler (öffentliche Ehrenstatuen, Darstellungen auf römischen Staatsreliefs und Münzen), die von N. M. gründlich aufgearbeitet und konsequent als historisch aussagekräftige Quellen genutzt werden. Dies gilt in erster Linie für das Atrium Vestae, den Amts- und Wohnsitz der Vestalinnen in unmittelbarer Nachbarschaft des Vesta-Tempels auf dem Forum Romanum, und dessen nur in Einzelfällen ausgewertete, zu einem guten Teil nach wie vor unpublizierte Ausstattung mit Porträt statuen und -büsten von Vestalinnen. Durch sorgfältige Interpretation der offenbar
ausschliesslich den Obervestalinnen vorbehaltenen Bildnisse und ihrer Dedikationsinschriften kann N. M. überzeugend die Eckwerte eines auf vollständige Hingabe an den Kult gegründeten Selbstverständnisses der Vestalinnen in ihrer öffentlichen Selbstdarstellung aufzeigen. Und aus den Statueninschriften geht schliesslich auch in aller Deutlichkeit hervor, wie die Vestalinnen die Nähe zum Kaiserhaus, die ihr Priesteramt implizierte, als soziales Prestige zu investieren wussten: Die stets auf private Initiative hin errichteten Statuen stammen zu einem grossen Teil von Personen, denen die Oberpriesterin Zuwendungen, Gunstbeweise, Unterstützung in der Karriere oder andere Wohltaten erwiesen hatte, zu denen sie also ein Patronatsverhältnis analog dem Klientelwesen römischer Bürger etabliert hatte.“

Adrian Stähli

In: Museum Helveticum. 68 (2011) 1. S. 112-113.

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„Insgesamt ist zu sagen, daß M(ekacher) ihren Anspruch erfüllt hat: Sie präsentiert eine - trotz der verarbeiteten Fülle von Material und Sekundärliteratur - gut lesbare, umfassende Gesamtdarstellung des Vesta-Kultes. Diese Arbeit bietet nicht nur für Archäologen eine nützliche Darbietung der verfügbaren Zeugnisse und einen hilfreichen Einstieg in Forschungsgeschichte und aktuelle Forschungsfragen.“

In: Klio. 90 (2008). Heft 1. S. 240-241.

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„M.s Umgang mit dem archäologischen Material ist methodisch einleuchtend, mit der neuesten Literatur ist sie gut vertraut. Die Argumentation überzeugt fast durchgängig, gelegentlich übergehen die Folgerungen aus dem Fundmaterial den vielleicht doch nicht zu leugnenden „Zufall der Überlieferung". Insgesamt folgt M. bei den allgemeinen Aspekten zu den Vestalinnen recht häufig der gängigen Forschungsmeinung, ohne neue Positionen zu eröffnen, andererseits ist dies im Rahmen der Fragestellung sicher in Ordnung. M. nimmt das Problem der nicht gerade einfachen Quellensituation an und räumt ohne zu zögern ein, wenn es Schlichtweg keine Möglichkeit zur Klärung einzelner Aspekte gibt. Durch diese Konzentration auf die Fakten sortiert und aktualisiert sie bestehende Deutungsmuster zu den Vestalinnen, das dargebotene Bild ist demgemäß aber nur für den quellenmäßig günstigeren Abschnitts zwischen der Mitte des 2. Jahrhunderts und der spätseverischen Zeit besonders plastisch. Das Buch besticht durch etliche Abbildungen, Grundrisse und Tabellen, mit deren Hilfe der Text untermauert wird.“

In: Gymnasium. 115 (2008) 2. S. 195-196.

Autoreninfo

Nina Meckacher studierte an der Universität Bern Archäologie und Geschichte und promovierte 2002 mit einer Untersuchung zu den Lebensumständen der vestalischen Jungfrauen in der römischen Kaiserzeit. Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit unternahm sie ausgedehnte Forschungsaufenthalte in Griechenland und Italien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Untersuchung hellenistischer Terrakottaproduktionszentren, der griechischen Besiedlung Süditaliens und in der römischen Religionsgeschichte. Sie sind einem interdisziplinären Ansatz zwischen Materialforschung und Sozialgeschichte verpflichtet. Seit Februar 2003 leitet Nina Mekacher die Geschäftsstelle der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege in Bern, die das Departement des Innern in Fragen der Archäologie, der Denkmalpflege und des Ortsbildschutzes berät.

Reihentext


Mit den „PALILIA“ gibt das Deutsche Archäologische Institut in Rom eine neue Schriftenreihe heraus, in der monographische Arbeiten zur archäologischen Forschung in Italien und von Italien ausgehend veröffentlicht werden. Dabei sollen insbesondere neue Fragestellungen und innovative Forschungsmethoden, aber auch vernachlässigte Themenbereiche in der klassischen Archäologie zu Wort kommen. Neben den zentralen archäologischen Forschungsgebieten wie griechisch-römische Plastik, Ikonographie, Architektur, Stadtforschung und topographische Untersuchungen werden auch Themen der Sozial-, Wirtschafts- und Religionsgeschichte sowie Materialien der Alltagskultur einbezogen.

Schlagworte

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