Feldarchäologische Forschungen in den beiden Gymnasien der ionischen Stadt Priene erlauben es zusammen mit inschriftlichen Zeugnissen, die Geschichte der Institution und ihrer Bauten exemplarisch nachzuvollziehen. Die Untersuchungen stellen damit einen Beitrag zur Erforschung der Transformationen einer zentralen Institution der griechische Polis in einem Zeitrahmen von der Spätklassik bis in die Römische Kaiserzeit dar. Zugleich werden die jüngsten Ausgrabungen in den beiden Baukomplexen und die damit verbundenen Architekturdokumentationen detailliert vorgelegt.
Die Institution des Gymnasions war ein integraler Bestandteil der griechischen Poleis und die Bauten dieser Einrichtung prägten das Bild antiker Städte von der Spätklassik bis weit in die römische Kaiserzeit. In der ionischen Polis Priene sind mit zwei Palästren, einem Stadion und einer römischen Therme gleich mehrere Bauten des Gymnasions im Baubefund erhalten. Zusammen mit der inschriftlichen Überlieferung lässt sich hier die Entwicklung der Institution und ihrer baulichen Einrichtungen über beinahe ein halbes Jahrtausend hinweg nachvollziehen. Dazu tragen sowohl die Ausgrabungen des späten 19. und frühen 20. Jhs. bei, als auch ein archäologisch-bauforscherisches Feldforschungsprojekt, das zwischen 2009 und 2012 stattgefunden hat. Im Verlauf der Forschungen hat sich herausgestellt, dass die Befunde in Priene in besonderer Weise geeignet sind, die Entwicklung des Gymnasions in Kleinasien besser zu verstehen: So konnten in den baulichen Resten des Oberen Gymnasions die früheste bekannte, spätklassische Palästra Kleinasiens erkannt werden, während sich im Unteren Gymnasion bedeutende Reste einer hellenistischen Palästra erhalten haben, weil diese nicht wie viele andere Beispiele im römischen Kleinasien von einer Therme überbaut wurde. Damit werden allgemeine Entwicklungslinien zum griechischen Gymnasion am konkreten Beispiel sichtbar, wie z. B. die Anlage relativ kleiner Palästren und davon getrennten Laufanlagen in der Spätklassik über die Errichtung einer hellenistischen Anlage, in der Palästra und Stadion eine bauliche Einheit bilden bis hin zu den bedeutenden Veränderungen der Kaiserzeit, als das römische Badewesen in die kleinasiatischen Gymnasien einzog und damit tiefgreifende bauliche Veränderungen nach sich zog. Zugleich werden die jüngsten Ausgrabungen und Bauaufnahmen in den beiden Gymnasien Prienes zusammen mit Teilrekonstruktionen ihrer Architektur vorgelegt.
Ulrich Mania studierte nach einer Ausbildung als Steinmetz Klassische Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität Halle und wurde dort mit einer Arbeit über die Funktion und Ausstattung eines pergamenischen Heiligtums promoviert. Nach beruflichen Stationen an den Universitäten Kiel und Bonn nutzte der Verfasser einen Studienaufenthalt an der University of Oxford zur Abfassung einer Habilitationsschrift zur Entwicklung der Gymnasien Kleinasiens zwischen Spätklassik und Kaiserzeit. Feldarchäologisch und konservatorisch war und ist Ulrich Mania in Priene und Pergamon aktiv. Seit 2016 ist er am Deutschen Archäologischen Institut Istanbul als wissenschaftlicher Referent tätig.
In der Schriftenreihe der "Archäologischen Forschungen" werden monographische Werke aus den verschiedenen Forschungsgebieten der Klassischen Archäologie veröffentlicht. Einen Schwerpunkt bilden Arbeiten zur Architektur, Stadtforschung, Topographie und zur Alltagskultur Griechenlands, Kleinasiens und der Randgebiete der griechischen Welt. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich von den Anfängen der historischen Epochen bis zur Spätantike. In den nächsten, zum Teil in Subreihen editierten Bänden werden Ergebnisse von Forschungen und Grabungen in den hellenistischen und römischen Städten Priene, Aizanoi und Pompeji vorgelegt. Herausgeber der "Archäologischen Forschungen" ist die Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin.