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9783895007125

Herausgeber: Mann, Christian; Haake, Matthias; von den Hoff, Ralf

Rollenbilder in der athenischen Demokratie

Medien, Gruppen, Räume im politischen und sozialen System. Beiträge zu einem interdisziplinären Kolloqium in Freiburg i.Br., 24. bis 25. November 2006

2009
17,0 x 24,0 cm, 224 S., 32 s/w Abb., Gebunden
59,00 €

ISBN: 9783895007125
Vorwort
Inhaltsverzeichnis
Probekapitel

Kurze Beschreibung

Der Tagungsband umfasst acht archäologische und althistorische Aufsätze mit einem gemeinsamen Untersuchungshorizont: dem komplexen Geflecht von Rollenbildern im klassischen Athen. Mit der Herausbildung der Demokratie wurde der politische Raum gestärkt und als leitendes Prinzip die Gleichheit aller Bürger (bei rigorosem Ausschluss von Frauen und Metöken) formuliert; daneben bestanden aber traditionelle soziale Strukturen mit ganz anders gelagerten Abgrenzungen und Statuszuschreibungen fort. Die resultierenden Spannungen werden anhand ausgewählter Text- und Bildquellen analysiert, wobei auch die Besonderheiten der einzelnen Medien reflektiert werden.

Ausführliche Beschreibung

Der Band umfasst acht archäologische und althistorische Beiträge einer Tagung, die am 24./25. November 2006 an der Universität Freiburg im Breisgau stattfand. Er verfolgt das Ziel, die durch die Herausbildung der Demokratie entstandenen Spannungen zwischen verschiedenen Rollendefinitionen und den mit ihnen verbundenen Verhaltensidealen und Leitbildern zu analysieren. Denn auf der einen Seite wurde durch die Demokratie der politische Raum gestärkt und als leitendes Prinzip die Gleichheit aller Bürger (bei rigorosem Ausschluss von Frauen und Metöken) formuliert; auf der anderen Seite bestanden aber traditionelle soziale Strukturen mit ganz anders gelagerten Abgrenzungen und Statuszuschreibungen fort. Den Personengruppen, die aus der politischen Entscheidungsfindung ausgeschlossen waren, wurden Aktionsfelder zugewiesen, auf denen sie für die Polis zentrale Aufgaben übernahmen: Frauen etwa sorgten für die Verrichtung wichtiger Kulthandlungen und hatten entscheidenden Anteil an der Verwaltung des Oikos, Metöken bildeten das Rückgrat von Handwerk und Handel in Athen.
Stehen auf der inhaltlichen Ebene die Komplexität der öffentlichen Kommunikation im demokratischen Athen und die Praktiken der Definition sozialer und politischer Rollen im Zentrum, so wird in methodologischer Hinsicht besonderes Augenmerk auf die Medialität dieser Kommunikation gelegt. Medien werden dabei als Träger von Informationen in einem Kommunikationsprozess verstanden. Ihre Wirkung erschöpft sich aber nicht in der reinen Übermittlung von Informationen: Indem sie diese übermitteln, wirken sie vielmehr an der Produktion von Botschaften mit, und zwar nach spezifischen, den Medien eingeschriebenen, konventionellen Regeln, die es wiederum bei der Interpretation der Medien und der übermittelten Botschaften zu berücksichtigen gilt. Die Zusammenführung archäologischer und literarischer Zeugnisse in diesem Band dient somit nicht bloß der Quellenmaximierung, d.h. der Heranziehung einer möglichst großen Menge an Bild- und Schriftquellen. Vielmehr sollen die unterschiedlichen Zeugnisse als spezifische Medien in ihrem jeweiligen Kontext analysiert und dadurch erst Komplexität und Heterogenität der öffentlichen Kommunikation erkennbar werden.
Ein wesentliches Ziel des Bandes besteht darin, der Behauptung eines normativen, kontextunabhängigen „Bürgerbildes“, „Frauenbildes“, „Metökenbildes“ usw. ein differenzierteres und dem komplexen System der athenischen Demokratie angemesseneres Bild system-, raum- und medienabhängiger Rollendefinitionen gegenüberzustellen. Die Untersuchungen umspannen die gesamte klassische Epoche und nehmen damit auch die Veränderungen, die sich in Athen im Verlauf des 5. und 4. Jahrhunderts vollzogen, in den Blick.

Rezensionen

“(...) l’ensemble des contributions, toutes individuellement de grande qualité, ouvre plusieurs pistes de réflexion stimulantes susceptibles de faire l’objet à l’avenir de nouvelles explorations individuelles ou collectives.”

Paulin Ismard

In: L’antiquité classique. 81 (2012). S. 450-452.

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„Der Band lohnt der Lektüre: Althistoriker und Archäologen kommen gleichermaßen zum Zug und legen auf diese Weise ein geglückte Probe interdisziplinärer Zusammenarbeit vor. Der hohe Stellenwert, welcher der Kommunikation und den sie leitenden Medien in der vielschichtigen demokratisch verfaßten Polis zukommt, wird hier nicht nur behauptet, sondern plausibel vor Augen geführt. Der Wandel zur Demokratie schuf für die diversen gesellschaftlichen Gruppen neue Rollen, neue Aufgaben und damit neue Kommunikationsbedürfnisse. Diesen hatten die vorhandenen oder sich entwickelnden Medien gerecht zu werden. Zu diesen Themen stellt der Band einige höchst anregende Fragen und präsentiert auf viele davon präzise hergeleitete Antworten: Beides verdient eine Fortsetzung der Diskussion.“

Leonhard Burckhardt

In: Klio. 93 (2011) 2. S. 486-488.

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„(...) der Band [bietet], neben seiner eminenten wissenschaftlichen Qualität, auch etliche neue Einblicke in bestimmte Aspekte der athenischen Geschichte, eröffnet neue Fragestellungen und regt somit zur weiteren Forschung, aber auch zur schärferen Ausarbeitung methodischer Instrumentarien und modellhafter Konzepte an.“

Dominik Maschek

In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft. 14 (2011) 1101-1112.
http://gfa.gbv.de/dr,gfa,014,2011,r,14.pdf (21. November 2011)

Autoreninfo

Ralf von den Hoff ist seit 2005 Professor für Klassische Archäologie am Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg. Seine Dissertation „Philosophenbildnisse des Früh- und Hochhellenismus“ (München 1994) schloss er in Bonn ab. Er habilitierte sich 2001 in München mit einer Arbeit zu „Der Heros und die Polis. Wandlungen des Theseusbildes im Athen des 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr.“. Zu antiken Heldenbildern und ihrer historischen Bedeutung hat er vielfach publiziert. Zudem zählen antike Porträts, Ikonologie und Phänomene der visuellen Kultur der Antike zu seinen Forschungsschwerpunkten. Als Leiter der Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts Istanbul in Aizanoi/Türkei beschäftigt er sich überdies mit der antiken Stadtforschung.

Christian Mann promovierte 1999 in Freiburg i.Br. mit einer Arbeit über „Athlet und Polis im archaischen und frühklassischen Griechenland“, 2005 folgte in Freiburg die Habilitation zum Thema „Die Demagogen und das Volk. Zur politischen Kommunikation im Athen des 5. Jahrhunderts v. Chr.“. 2006 erhielt er ein Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, seitdem lehrte und forschte er an den Universitäten Frankfurt am Main, Brown (USA), Konstanz und Basel. Sein Forschungsinteresse gilt vor allem der Praxis und Theorie der antiken Demokratie(n), der Kulturgeschichte des antiken Sports sowie Akkulturationsprozessen im antiken Mittelmeergebiet.

Matthias Haake ist seit 2004 wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Alte Geschichte der Universität Münster. Mit einer Arbeit über „Der Philosoph in der Stadt. Untersuchungen zur öffentlichen Rede über Philosophen und Philosophie in den hellenistischen Poleis“ (München 2007) wurde er 2004 in Münster promoviert. Seine Forschungsinteressen gelten der Transformation des römischen Kaisertums im „langen Dritten Jahrhundert“, der hellenistischen Monarchie und der öffentlichen Wahrnehmung von Philosophie sowie deren sozialer Funktion von der Klassik bis in die Kaiserzeit.

Schlagworte

4. Jahrhundert (300 bis 399 n. Chr.) (45) || 5. Jahrhundert (400 bis 499 n. Chr.) (47) || Alltagskultur (13) || Alte Welt (120) || Altes Griechenland (28) || Antike (82) || Archäologie (372) || Archäologie einer Periode / Region (292) || Athen (15) || Christi Geburt bis 500 (147) || Geschichte (729) || Gesellschaft und Kultur, allgemein (298) || Historische Staaten, Reiche und Regionen (199) || Kultur- und Medienwissenschaften (215) || Kulturwissenschaft (24) || Politik und Staat (64) || Politische Strukturen und Prozesse (15) || Politisches System: Demokratie (3) || Texte: Antike & Mittelalter (70)