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9783895005404

Wolf, Klaus

Hof – Universität – Laien

Literatur- und sprachgeschichtliche Untersuchungen zum deutschen Schrifttum der Wiener Schule des Spätmittelalters

2006
17.0 x 24.0 cm, 432 p., 2 illustrations b/w, cloth
49,00 €

ISBN: 9783895005404
Preface
Table of Contents

Short Description

This study shows the late-medieval Vienna School as a whole for the first time. Whereas scholars until recently have focussed upon German theological writings of the Viennese University, the book of Klaus Wolf is dealing with all four Viennese Faculties: the faculties of the arts, of medicine, of law, and of theology.

Description

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Begriff, Umfang und zeitliche Erstreckung der spätmittelalterlichen Wiener Schule sind mit dieser Monographie nun klarer als bisher umrissen. Während die bislang angestellten Definitionsversuche auf religiöse Inhalte in Kombination mit der Form des volkssprachigen Prosatraktats abhoben, wurde hier ein wesentlich umfassenderer Ansatz gewählt: Ausgehend von institutionengeschichtlichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, daß auf Initiative des österreichischen Landesherren nicht nur die Theologische Fakultät, sondern auch Juristen, Mediziner und Artisten für die Produktion universitären Schrifttums in der Volkssprache zum Nutzen (nucz / utilitas) der Landesherrschaft und der an wissenschaftlicher Bildung interessierten, nur der Volkssprache mächtigen Laien (illitterati) herangezogen wurden. Der Erfolg dieses Unternehmens war so groß, daß es nach der Anfangsphase sogar ohne die unmittelbare Unterstützung des Wiener Hofs und über dessen Einflußbereich hinaus florierte.
Das von der 1365 gegründeten Wiener Universität beförderte Hochschulwissen in deutscher Sprache für Laien wurde dabei in vielfältigen Formen präsentiert, vom Flugblatt bis zur Enzyklopädie, in Reim und Prosa, von der Handschrift bis zum Druck. Auch bildliche oder graphische Darstellungen kamen (als Momente multimedialer Performanz) zum Einsatz, um das anvisierte laikale Zielpublikum ebenso anschaulich wie zuverlässig auf universitärem Niveau zu informieren; dem gebildeten Laien, dem adligen oder stadtbürgerlichen Hausvater, den Konversen und Klosterfrauen wurde so seriöses Wissen vermittelt, um deren Lebenspraxis besser zu bewältigen. Besonders produktiv war die Wiener Schule dabei auf den Gebieten der Frömmigkeitstheologie, der Medizin und der Astronomie. Die laikalen Rezipienten der Wiener Schule wurden dabei auf wissenschaftlich gediegene und doch verständliche Weise, hierarchiekonform und häresiefrei katechesiert, umfassend in Prophylaxe und Therapie sowie wissenschaftlich fundiert medizinisch aufgeklärt und gegen gefährliche, weil den sozialen Frieden störende, astrologische Irrlehren mit seriöser Astronomie gewappnet. Dieser ‚aufklärende‘ Impetus gegen Häresie und superstitio, gegen medizinische und astrologische Scharlatanerie ist aber nicht nur pro populo zu werten, sondern – ebenso wie mit volkssprachigen Anleitungen zum rechten Regieren und strategischen Kriegsführen – in erster Linie zum Nutzen der Landesherrschaft und deren Bemühen um stabile politische Verhältnisse zu sehen (hierin trifft sich die Wiener Schule mit der Universitätsgründung der Luxemburger). Dementsprechend zielte das Bildungsprogramm der Wiener Schule neben den politischen Eliten auch auf den frommen Untertan, der gegen hussitische Irrlehren immun war, auf den umsichtigen Hausvater, der Leben und Arbeitskraft seiner Familie, der Keimzelle des Staates, und seines Gesindes durch medizinisches Wissen sicherte, aber auch auf die gehorsamen, praktisch tätigen Konversen in den Klöstern.

Biographical Note

Klaus Wolf studierte zwischen 1986 und 1993 Germanistik und Katholische Theologie, das er mit dem Staatsexamen an der Universität Augsburg abschloss. Anschließend arbeitete er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters (Prof. Dr. Johannes Janota) ebenfalls an der Universität Augsburg, bevor er 1998 mit einer Arbeit zum „Kommentar zur Frankfurter Dirigierrolle und zum Frankfurter Passionsspiel“ promoviert wurde. 1999 erhielt er den Universitätspreis der Augsburger Universitätsstiftung. Zwischen 1998 und 2004 war Klaus Wolf als Wissenschaftlicher Angestellter im Projekt „Schrifttum der Wiener Schule“ tätig sowie anschließend bei den Projekten „Die Augsburger Predigten des Johannes Geiler von Kaysersberg“ und bei der Edition der Werke des „Österreichischen Bibelübersetzers“. 2005 habilitierte Klaus Wolf sich im Fach „Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters“ und unterrichtet an der Universität Augsburg.

Keywords

Austria (14) || Bildungsgeschichte (2) || Central Europe (242) || Education (18) || Frühneuhochdeutsch (12) || Habsburger || Historical & comparative linguistics (357) || History of education (6) || Linguistics (651) || Literary studies: general (102) || Literature: history & criticism (148) || Spätmittelalter (25) || Universität (2) || Vienna (4) || Wissenschaftsgeschichte (8)