„Das Ende des Babylonischen Exils“ setzt sich mit der Literatur irakisch-jüdischer Autoren des späten 20. und des frühen 21. Jahrhunderts auseinander, die von einer einzigartigen Vergangenheit zeugen: von dem friedlichen, wenngleich oft spannungsvollen nachbarlichen Zusammenleben der Juden mit Muslimen und Christen in Mesopotamien. Auch die Schwierigkeiten des Neuanfangs nach der Vertreibung der irakischen Juden werden berücksichtigt. Dabei erscheint der „Orient“ aus überraschenden Blickwinkeln, kaum weniger bunt und lebensvoll als in den „Märchen aus Tausendundeiner Nacht“, obwohl die geschilderte Realität keineswegs märchenhaft ist.
Untersucht werden nicht nur arabischsprachige Werke von Samir Nakasch und Schmuel Moreh, sondern auch hebräische Romane und Erzählungen von Sami Michael, Schimon Ballas und Eli Amir, der auf Englisch veröffentlichte Romanerstling der in Deutschland lebenden Mona Yahia und Werke des kanadischen Schriftstellers Naïm Kattan, sondern auch Memoiren von „Nachgeborenen“ wie Marina Benjamin und Ariel Sabar sowie Neuerscheinungen des israelischen Autors Almog Behar und der irakisch-muslimischen Exilschriftsteller Ali Badr und Najem Wali.
“Das Ende des Babylonischen Exils” is the first comprehensive German-language study of Iraqi-Jewish literature. It is also the first study on the subject to consider memoirs written after 2003 as well as novels published by Iraqi Muslim authors, and offers new insights about literary works that shed light on a period in cultural history that is almost forgotten but still of great consequence today.
The book explores literary works of Iraqi-Jewish authors of the late 20th and early 21st centuries. Arabic novels by Samir Naqqash and Shmuel Moreh are studied alongside literary works published in Hebrew by Sami Michael, Shimon Ballas and Eli Amir, novels by the French-Canadian writer Naïm Kattan and Mona Yahia’s first novel in English. Also the writings of the youngest generation, born after the Jews’ expulsion from Iraq, are commented on: Marina Benjamin’s and Ariel Sabar’s memoirs as well as new releases by the Israeli author Almog Behar and the Iraqi-Muslim exile writers Ali Badr and Najem Wali. With its in-depth analysis of recent novels by Iraqi Muslim authors in exile, this study offers insight into a literary corpus that presents new perspectives on the former Jewish population of Mesopotamia.
The literary works of Iraqi-Jewish authors deal with the formerly peaceful, though often fragile coexistence of Jews with Muslims and Christians in Mesopotamia. They also portray the “Farhood” pogrom of June 1941 and the plight of expelled Iraqi Jews in their new homelands. Their works reveal surprising aspects of an “Orient” that does not resemble the fairy-tale world of “A Thousand and One Nights”, but is just as colourful and vibrant.
„Die Rezensentin kommt zu dem Ergebnis, dass dem Verfasserteam eine sehr lesenswerte Studie gelungen ist. Sie zeichnet sich durch eine klare, nachvollziehbare Sprache aus. Die Geschichte der Juden im Irak, deren Vertreibung und Ankunft in Israel wird durch erhellende Hintergrundinformationen für den Leser verständlich. Die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit unzähligen Werken irakisch-jüdischer Autoren gibt Aufschluss darüber, auf welche sprachlichen und inhaltlichen Mittel die Autoren zurückgreifen, um dem irakisch-jüdischen Erbe eine Stimme zu verleihen. Dieser Beitrag sollte unbedingt zu Kenntnis genommen werden, wenn weitere Lücken auf dem Forschungsgebiet zur irakisch-jüdischen Literatur erschlossen werden sollen. Schließlich informieren biobibliographische Notizen über Leben und Werk der untersuchten Autorinnen und Autoren. Eine detaillierte Bibliographie sowie ein Namenregister beschließen diese Arbeit.“
Von Sarah Fortmann-Hijazi
In: OLZ, Bd. 109/ 4-5, Oktober 2014, S. 356-360.