The cameos in the Department of Antiquities at the State Museums in Berlin originate in the Kunstkammer of the Brandenburg Electors. The largely unpublished stock of 875 ancient, baroque and classicistic cameos mirror its changeful history of acquisition, loss and growth through 400 years. Cut from precious stone in high relief, these cimelia since the 3rd century BC have been estimated as embodiment of luxury and as delicate medium of power. Investigation in material and form, in depiction, function and dating, leads the catalogue; several appendices contain inventories and archival documents, concordances and indices. All objects are presented in new colour photos.
Die Kameen in der Antikensammlung zählen zum ältesten Bestand der Staatlichen Museen zu Berlin. Im Kern gehen sie auf die Anfänge der Kurbrandenburgischen Kunstkammer im 16. Jahrhundert zurück, aus der sie 1830 bei der Gründung der Königlichen Museen ungeteilt in das Museum am Lustgarten überführt wurden. Die bedeutende Sammlung blieb bisher unzureichend publiziert. Seit dem „Verzeichnis der geschnittenen Steine im Antiquarium“ von Adolf Furtwängler 1896 erlitt die Sammlung bittere Verluste infolge des Zweiten Weltkrieges, besonders bei den repräsentativen Stücken. Diese wurden soweit möglich anhand von Gipsabgüssen oder alten Fotos katalogisiert. In den letzten fünfzig Jahren kamen wichtige Neuerwerbungen hinzu, die jedoch die Verluste weder an Zahl noch an Bedeutung ersetzen können. Der Gesamtkatalog umfasst 875 Objekte, die in meist neu angefertigten Farbfotos abgebildet sind.
Die Rekonstruktion der Geschichte der Berliner Kameensammlung anhand von Inventaren und Dokumenten in Berlin und Brandenburg sowie in alten europäischen Sammlungen klärte den Vorbesitz der meisten Stücke und verhalf ihnen zugleich zu einem Datum, vor dem sie entstanden waren. Die schwierige Frage der Datierung erhellte auch eine eingehende Analyse der verarbeiteten Edelsteine; deren Herkunft ist teilweise sowohl für die antiken wie für die barocken und neuzeitlichen Kameen nachweisbar. Als weiteres Kriterium dienten die seltenen originalen Fassungen der antiken Kameen. Glücklicherweise besitzt die Antikensammlung zwei römische Fundkomplexe mit Kameen, den „Schatzfund von Petescia“ und das „Mädchengrab bei Rom“: Diese wurden wegen ihrer Besonderheit dem Katalog vorangestellt; sie binden Kameen ohne Fassung oder Kontext in einen Zeitrahmen.
Kameen mit den Signaturen antiker Graveure sind eine Rarität. Dioskurides, der im Altertum meist genannte Meister, war um 50 v. Chr. aus Aigeai in Kleinasien nach Rom ausgewandert und schnitt später das Siegel des Kaisers Augustus. Er signierte den Sardonyx-Kameo mit Herakles, der den Zerberus bezwingt; dieses Kleinod ist seit 1695 als Besitz des Kürfürsten Friedrich III. bezeugt. Hyllos, ein Sohn des Dioskurides, verwies in der Signatur seines delikaten Kameo mit dem kecken Satyrkopf stolz auf diese Abstammung. Die hohe Wertschätzung signierter Werke beflügelte die Gemmenschneider in Italien um 1800, denen wir eine Wiederbelebung der Glyptik verdanken.
Die Kontinuität dieser Kunstgattung von der Antike bis in die Neuzeit, ihre Entwicklung in Stil und Sujets über mehr als zwei Jahrtausende zu verfolgen, erlaubt der bis heute ungeteilte Bestand an Kameen in der Antikensammlung Berlin.
„Une riche bibliographie et un indcx par matériaux, provenances, personnes et thèmes (p. 313-328) font de ce catalogue un outil de travail indispensable à toute recherche future sur la glyptique, permettant de saisir la finesse et la complexite du travail des graveurs.“
Von Véronique Dasen
In: Museum Helveticum, Vol. 71/1, Juni 2014, S.123.
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„Zusammengenommen werden alle Erwartungen, die man an eine zeitgemäße Erschließung von Museumsbeständen haben kann, mustergültig erfüllt. Die Verf. hat den Berliner Museen und der Fachwelt mit großer Akribie einen Bestandskatalog erarbeitet, dessen Texte12 um nahezu durchgängig farbige Abbildungen von hoher Qualität (angefertigt von Bernhard Platz und Johannes Laurentius) ergänzt werden. In diesen sind zudem verlorene Stücke und ausgewählte
Objekte auch in Detailaufnahmen sowie mit Rückseiten dokumentiert (z.B. Taf. 6 Nr. 31; Taf. 7 Nr. 34; Taf. 12f. Nr. 57; Taf. 30 Nr. 167), so daß auch nachantike Einfassungen der Steine Berücksichtigung finden können. Die Kameen wurden vermutlich aufgrund des Größenspektrums der Objekte nicht maßstabsgetreu abgebildet, doch herrscht auf den Tafeln eine innere Maßstäblichkeit, durch die Verzerrungen vermieden werden konnten. Die Tafeln
sind übersichtlich gestaltet, einzig auf den Taf. 37 und 46 erschweren kleine Unstimmigkeiten die Orientierung.14 Indem die Möglichkeiten, die der Berliner Bestand bietet, zur Gänze ausgeschöpft werden, ist es gelungen, nicht nur einen Bestandskatalog vorzulegen, sondern dem Band zugleich einen Handbuchcharakter zu Kameen von der Antike bis in die Neuzeit zu verleihen. Auch der Preis vermag diesen rundum positiven Eindruck nicht einzuschränken, da er angesichts der grosszügigen farbigen Ausstattung äußerst bibliotheksfreundlich ausgefallen ist.“
Jörn Lang
In: Göttinger Forum für Altertumswissenschaft 16 (2013) S. 1181-1192.
Dr. Gertrud Platz-Horster
(* 1942), former vice-director at the Department of Antiquities, State Museums in Berlin, studied Classical Archeology, Ancient Greek, Ancient History and Early Christian Archeology. Since her dissertation in 1970, she has been into engraved gems. Her research mainly in jewelry, precious stones, and silver ware, glass, ivories, mummy portraits and sculpture always focused on its making in antiquity and its revival in modern time. During her 35 years at the State Museums of Berlin, she as well published about the museum’s history and politics, and lectured at the Universities of Berlin, Heidelberg and Leipzig. Recent exhibitions covered the 175th Anniversary of the Berlin Museums, MEDEAs Gold from Georgia, Might and Myth on Cameos, and the unique Glass Amphora from Olbia – Original and Reconstruction. After her retirement, she worked on the full catalogue of the cameo collection in Berlin.