The panel of Trogir was created as a retabel for the high altar in the cathedral of the small Dalmatian town of Trogir at the Adriatic sea. It is considered a unique amalgation of the cultures and arts of East and West and reflects the prime of this encounter. The author describes in detail the panel itself, the wood technology and preparation, painting technique, questions of style and quality.
In 1990, the fragment of a panel dating back to the 13th century was found in the choir stalls of the cathedral of Trogir. Technological aspects of this work of art have been examined and the importance of the panel has been discussed against the background of its creation in the Dalmatian seaside town which was then under the influence of Byzantium and the West. Studies on the history of the city of Trogir, on its cathedral and on its local adoration of saints are the basis for these studies.
The panel is special because it has been spared from later treatment, thanks to the fact that it has been built into the choir stalls. Therefore it was possible to study the medieval painting technique in a unique way. Comparisons with artwork from the western sphere illustrate the isolated status of the panel. Its sumptuous and ingenious painting technique is bound to originate from the Byzantine East. Studies regarding the reconstruction and proportion of the original design, form and size of the panel have been made and they delivered important basic information both regarding the typological classification and function and the original installation site of the panel at the cathedral of Trogir.
„Eine wertvolle Forschungsarbeit zu einem Kunstwerk aus einer unbekannten Region.“
In: Restauro. 5/2009. S. 299.
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„Die mittelalterliche Tafelmalerei Dalmatiens wurde im Westen bislang kaum wahrgenommen. Erst die Ausstellungen „Tesori della Croazia“ in Venedig 2001 und „Il Trecento adriatico“ in Rimini 2002 lenkten nach dem Fall des eisernen Vorhangs den Blick auch auf die Malerei dieser Region und die dort bereits geleistete Forschung, die sich jedoch zumeist auf das 14.Jh. konzentrierte.
Daß die Kunst Dalmatiens aber gerade im 13. Jh. ein wichtiges Bindeglied zwischen dem 1204 von Venedig eroberten Konstantinopel und dem adriatischen Italien darstellte, zeigt das hier zu besprechende Beispiel. Dabei kam der Vermittlung der Maltechnik eine besondere, bislang vernachlässigte Bedeutung zu. Die vorliegende Studie stellt auf diesem Gebiet eine Pionierarbeit dar. Die Autorin bemüht sich aber auch um die Klärung der (kirchen)historischen Zusammenhänge, die für die in Dalmatien bislang einzigartige Gestaltung des Tafelbildes von Trogir von Bedeutung sind: Das unweit von Split an der östlichen Adriaküste gelegene Trogir war im 13. Jh. noch Sitz eines lateinischen Bistums, das dem Erzbistum Split unterstellt war; auch der Stadtheilige Bischof Johannes von Trogir (1064-1111), Giovanni Orsini, stammte aus einem römischen Geschlecht; dennoch ist das Tafelbild von Trogir alles andere als ein Derivat der italienischen Kunst, vielmehr zeigt es sich dieser künstlerisch und technisch in mehrfacher Hinsicht überlegen. (...)
Eine bislang nicht im Westen, aber in Trogir und an zeitgleichen dalmatinischen Beispielen beobachtete Kunsttechnik ist Chrysographie (Goldmalerei) mit vergoldeten Zinnfolien, die in Dalmatien noch bis zum Ende des 13. Jh.s eine weite Verbreitung genoß. Ihre Ursprünge sind wohl in Byzanz zu suchen. Diese Technik konnte auch an vier Tafelbildern des 12. und 13. Jh.s aus Griechenland und vom Sinai beobachtet werden.
Das geschilderte mathematische Teilungsverfahren bei der Anlage der Bildfelder setzt die Kenntnis des Goldenen Schnittes voraus, die im Westen schon verlorengegangen war, aber offenbar im Einflußbereich von Byzanz noch angewandt wurde. Thieme vermutet, daß es sich bei den Künstlern um griechische Maler gehandelt hat, wie es mehrfach für Dalmatien im 13. Jh. belegt ist, doch konnte keiner der bekannten Namen dem Werk zugeordnet werden. Die byzantinische Kunsttradition, die stilistisch insbesondere bei der Gestaltung der Engel deutlich ist, wurde allerdings bei der Anlage des Retabels von Trogir verlassen, um auf die Anforderungen westlicher Liturgie zu reagieren. Hier wurde vermutlich ein Typus gewählt wie er in Varianten in der Toskana seit etwa 1270 feststellbar ist. Bemerkenswert ist auch, daß künstlerische Techniken festzustellen sind, die dann in die italienische Künstlerliteratur um 1400, namentlich Cennini, eingegangen sind.
Es ist zu hoffen, daß die vorliegende Veröffentlichung zu einer weiteren Erforschung der Tafelmalerei Dalmatiens Anlaß gibt, die möglichst auch die übrige Balkanregion miteinbezieht; doch ist, wie sich auch an dieser Arbeit gezeigt hat, vor allem ein Zusammenwirken auf institutioneller Ebene nötig, damit Arbeiten dieser Art entstehen können, die die Materialkenntnis entscheidend erweitern und wieder einmal vor Augen führen, wie unverzichtbar die Analyse der Maltechnik auch für die historische Beurteilung der Werke ist.“
In: Kunstchronik. Heft 9/10 (2008). S. 482-485.
Dr. phil. Dipl.-Restauratorin Cristina Thieme, geboren in Mailand, absolvierte ihr Studium der Konservierung und Restaurierung an der Hochschule der Künste (HKB), Bern. 1991 bis 1995 war sie Mitarbeiterin am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und bearbeitete Konservierungsfragen der Polychromie der Terrakottaarmee des Ersten Kaisers von China, Qin Shi Huandi. Seit 1997 ist sie wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft an der Technischen Universität München. 2006 promovierte sie über das Tafelbild von Trogir an der Technischen Universität München. Forschungsschwerpunkte sind kunsttechnologische Fragen zur Maltechnik, Mikroskopie und die Analytik von Malmaterialien.
Diese Schriftenreihe widmet sich speziell den Forschungen zur Christlichen Archäologie und Kunstgeschichte in spätantiker und frühchristlicher Zeit. Sie umfasst die gesamte Epoche der Spätantike bis zum frühen Mittelalter, im Bereich des byzantinischen Reiches auch darüber hinaus.
Die Reihe ist überkonfessionell und ohne Bindung an bestehende Institutionen, arbeitet jedoch mit der „Arbeitsgemeinschaft Christliche Archäologie zur Erforschung spätantiker, frühmittelalterlicher und byzantinischer Kultur“ zusammen. Sie konzentriert sich vor allem auf die Kunstdenkmäler und versteht sich daher nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu schon bestehenden Reihen, die in der Regel nicht nur die materielle Hinterlassenschaft der alten Kirche, sondern stets auch literarische, theologische und philologische Themen behandeln.
Einer klareren Zuordnung und einer größeren Bandbreite der verschiedenen Disziplinen wegen wurden zwei Unterreihen eingerichtet:
Die Reihe A „Grundlagen und Monumente“ setzt sich schwerpunktmäßig mit einzelnen Denkmälern bzw. Denkmalgruppen im Sinne einer korpusartigen Erfassung der Denkmäler auseinander.
In der Reihe B „Studien und Perspektiven“ werden einerseits Vorträge der Tagungen der „Arbeitsgemeinschaft Christliche Archäologie“ publiziert, andererseits bietet sie ein Forum für Untersuchungen zu den verschiedensten Fragen aus dem Gebiet der spätantiken/byzantinischen Archäologie und Kunstgeschichte.