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9783895001710

Przybilski, Martin

»sippe« und »geslehte«

Verwandtschaft als Deutungsmuster im »Willehalm« Wolframs von Eschenbach

2000
17.0 x 24.0 cm, 332 p., cloth
59,00 €

ISBN: 9783895001710

Short Description

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Wolfram von Eschenbach strukturiert den Kosmos seiner zweiten großen Dichtung durch Verwandtschaftssysteme und konkretisiert daran die Krisen und Probleme der erzählten Welt. Im „Willehalm“ determinieren verwandtschaftliche Bindungen nicht nur das Handeln einzelner Figuren, sondern stellen zudem ein Strukturprinzip dar, das das gesamte Werk zusammenhält und dessen Verästelungen einen Schlüssel zum Verständnis des Epos bieten können.

Description

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Der „Willehalm“ (ca. 1210-1220), das zweite große Epos Wolframs von Eschenbach, kreist um das Thema des unerbittlichen Kriegs zwischen Christen und Muslimen, zwischen Okzident und Orient. Sein Titelheld, der Markgraf der südlichsten Provinz des karolingischen Reichs, kämpft gegen ein gewaltiges Heer, mit dem Terramêr, der oberste weltliche Herr des Morgenlands, aufgebrochen ist, seine mit Willehalm verheiratete Tochter Gîburc zurückzugewinnen und das gesamte christliche Reich zu erobern. Nach einer vernichtenden Niederlage bricht er an den Königshof auf, um ein Ersatzheer aufstellen zu lassen, das in einer noch gewaltigeren zweiten Schlacht die Gegner besiegt, die geschlagen über das Mittelmeer fliehen.
Die Studie widmet sich einem Aspekt des Werks, der in der bisherigen Forschung zwar als wichtig, jedoch nicht als Angelpunkt der gesamten Dichtung erkannt worden ist: dem Motiv der Verwandtschaft. Wolfram nutzt dieses Motiv im ‚Willehalm‘ als zentrales Instrument, die fiktionale Welt seines Werks zu gestalten, zu determinieren und zu transzendieren. Durch die Ehe Willehalms und Gîburcs sind die beiden verfeindeten Seiten der Christen und Muslime verwandtschaftlich verbunden. Das Töten des Glaubensgegners, das in anderen mittelhochdeutschen Kreuzzugsepen vollkommen problemlos verläuft, wird für einzelne Figuren des ‚Willehalm‘ – unter ihnen auch der Erzähler – aufgrund der gemeinsamen Verwandtschaft fragwürdig. Die Dichotomie von religiösem Heil und religiöser Verdammnis droht an der Tragik der Erzählung zu zerbrechen. Die Verwandtschaftskrise des ‚Willehalm‘ hat schließlich sogar Auswirkungen auf die Beziehungen der Figuren zur Sphäre des Göttlichen: die transzendente Sonderstellung der Christen als Kinder Gottes gegenüber der übrigen Menschheit als bloßen Geschöpfen Gottes wird ebenso verunklart und problematisch wie die rein diesseitigen verwandtschaftlichen Beziehungen. Das Problemfeld der Verwandtschaft im ‚Willehalm‘ wird aus unterschiedlichen Richtungen beleuchtet: Verwandtschaftsvorstellungen des frühen und hohen Mittelalters, die aus Quellen der Rechts- und Theologiegeschichte gewonnen werden, kontrastieren die Analyse und Interpretation der Verwandtschaftsverhältnisse im literarischen Text, dessen Familienverhältnisse unter anderem an den fünf wichtigsten Verwandtenfiguren und den mit ihnen verknüpften Problemen und Implikationen verdeutlicht werden: an Willehalms Neffen Vîvîanz, an Rennewart, an Gîburc, an Willehalm und am trinitarischen Gott.

Series Description

This series, which will comprise doctoral and professorial dissertations and other monographs as well as collective volumes, aims at highlighting and promoting interdisciplinarity in Medieval Studies even more than is currently the case. Works from all branches of Medieval Studies will be accepted, provided they emphasise the aspect of interdisciplinarity, i.e. they attempt to transgress the boundaries of any single subject.

Keywords

13th century, c 1200 to c 1299 (102) || Ancient, classical & medieval texts (70) || German (67) || Germanic & Scandinavian languages (61) || Indo-European languages (408) || Literaturwissenschaft (60) || Sagas & epics (19) || Sippe || Sociology (21) || Sociology & anthropology (102) || Sociology: family & relationships (2) || Verwandtschaft (2) || Wolfram, von Eschenbach (2) || c 1000 CE to c 1500 (344)