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9783895004865

Rahmstorf, Lorenz

Herausgeber: Maran, Joseph

Kleinfunde aus Tiryns

Terrakotta, Stein, Bein und Glas/Fayence vornehmlich aus der Spätbronzezeit

2008
22,5 x 31,5 cm, 508 S., 1998 s/w Abb., 89 farb. Abb., Abbildungen auf 115 Tafeln sowie Elektronischer Katalog auf CD-Rom, Leinen
78,00 €

ISBN: 9783895004865

Kurze Beschreibung

In dieser Studie werden ca. 2000 spätbronzezeitliche Objekte des täglichen Lebens wie Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände und Schmuck aus Terrakotta, Stein, Bein, Fayence und Glas aus einem der wichtigsten mykenischen Siedlungsplätze eingehend analysiert. Der Kontext und Fundzusammenhang, die stratigraphische und chronologische Stellung, die Funktion und vergleichbare Objekten in und außerhalb Griechenlands werden im Detail diskutiert und die Nutzungsgeschichte der Unterburg von Tiryns illustriert. Dies ist eine der wenigen monographischen Darstellungen einer großen Anzahl von stratifizierten Siedlungskleinfunden aus dem bronzezeitlichen Ostmittelmeerraum.

Ausführliche Beschreibung

Gewöhnliche Gegenstände des täglichen Lebens wie Werkzeuge, Gebrauchsgegenstände und einfachere Schmuckperlen sind bislang aus mykenischen Siedlungen selten ausführlicher in der wissenschaftlichen Literatur analysiert worden. Meist stehen die Keramik oder die gut erhaltenen Objekte aus Gräbern im Vordergrund. Jedoch erschließt sich die Vielfalt der Tätigkeiten der damaligen Menschen erst über das Studium aller Siedlungsfunde. Zu den Kleinfunden zählen all jene beweglichen Fundstücke, die nicht der Keramik oder der Architektur zugeordnet werden können. Während die wissenschaftliche Bearbeitung der Kleinfunde in Endpublikationen meist auf mehrere Autoren verteilt wird, legt hier ein Bearbeiter dieses Material vor. Dadurch gelang es stärker als sonst die funktionalen, räumlichen und chronologischen Bezüge einzelner Objektgruppen zueinander zu erkennen. Diese Studie zu den spätbronzezeitlichen Kleinfunden aus der wichtigen mykenischen Burganlage von Tiryns in Südgriechenland ist somit eine der wenigen monographischen Abhandlungen einer großen Anzahl bronzezeitlicher Kleinfunde im östlichen Mittelmeerraum. Dem Autor gelingt es, die morphologischen und chronologischen Bandbreiten der jeweiligen Sachgruppen herauszuarbeiten und Parallelen der Objekte in und außerhalb Griechenlands eingehend zu behandeln. Eindrucksvoll widerlegt dabei der Autor das Vorurteil, unscheinbare Geräteformen wie Spinnwirtel oder Webgewichte seien uninteressant, da chronologisch zeitlos und räumlich unspezifisch. Rahmstorf zeigt vielmehr, dass bestimmte Kategorien von Kleinfunden nicht nur hochgradig chronologisch empfindlich sind, sondern sich sogar zur Feststellung weiträumiger Systeme interkulturellen Kontakts eignen. Dennoch liegt die Hauptbedeutung der Studie für die Archäologie der mykenischen Kultur weniger in den Ergebnissen zur Chronologie und Chorologie einzelner Objektgruppen, sondern vor allem darin, dass Rahmstorf die Funde in ihrer Gesamtheit auswertet und durch Kartierungen Verteilungsmuster erkennt, die eine Definition der Funktion von Raumeinheiten ebenso zulassen wie eine Beurteilung der Frage, wie sich im Laufe der Zeit die Nutzung bestimmter Teile der Siedlung in der Unterburg verändert hat. In dem betrachteten Zeitabschnitt vom späten 14. bis in das frühe 11. Jahrhundert v. Chr. fällt der Zusammenbruch der mykenischen Palastkultur um 1200 v. Chr. Tatsächlich lässt sich eine allmähliche Qualitätsminderung des Kleinfundbestands von der Palast- zur Nachpalastzeit feststellen. Die Studie unterstreicht nachdrücklich, wie wichtig es ist, das Gesamtspektrum der gleichzeitig in Benutzung befindlichen Geräte und Schmuckformen im Auge zu behalten, da sich nur bei synoptischer Betrachtung das Potential dieser höchst bedeutenden Fundkategorien als Quelle der Wirtschaftsgeschichte der Bronzezeit zu erschließen beginnt.

Rezensionen

„Abschließend sei festgestellt, daß mit dieser Arbeit ein Qualitätsmaßstab für wünschenswerte künftige Untersuchungen und Auswertungen derartigen Fundmaterials gesetzt ist!“

Von: Eberhard Thomas

In: Gnomon 85, 2013, 7, S. 621-624.

Autoreninfo

Lorenz Rahmstorf studierte in Heidelberg und Bristol (Großbritannien), dort Master of Arts im Jahre 1996. Anstellung am Deutschen Archäologischen Institut in Athen zwischen 1998 und 2002. Promotion im Jahre 2002 an der Universität Heidelberg. Seit 2002 Anstellung am Institut für Vor- und Frühgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, seit 2008 als Akademischer Rat. Dort Dozent und Habilitand mit einem Forschungsprojekt zu Metrologie, Kulturkontakt und Urbanisierung im dritten Jahrtausend v. Chr.

Schlagworte

Alte Welt (120) || Altes Griechenland (28) || Archäologie (372) || Archäologie einer Periode / Region (292) || Bronzezeit (18) || Edelmetalle, Edelsteine und Schmuck: Kunst und Design (10) || Glas (3) || Historische Staaten, Reiche und Regionen (199) || Keramik (24) || Kunst: Keramik, Töpferei, Glas (42) || Kunstformen (162) || Siedlungsarchäologie (17) || Tiryns (7) || mykenische Kultur (7) || nicht-grafische Kunst (43)