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9783895005602

Herausgeber: Tubach, Jürgen; Arafa, Mustafa

Mitarbeit: Vashalomidze, Sophia

Inkulturation des Christentums im Sasanidenreich

2007
17,0 x 24,0 cm, 324 S., 41 s/w Abb., Gebunden
69,00 €

ISBN: 9783895005602

Kurze Beschreibung

This volume is the edition of various contributions to the subject of Inculturation of Christianity in other cultures. Under various aspects, they all discuss the phenomenon for the Persian Sassanid Empire.

Ausführliche Beschreibung

Spricht man von Inkulturation des Christentums, meint man die erfolgreiche „Verwurzelung“ der neuen Religion in einer anderen Kultur. In diesem Sammelband wird dieses Phänomen unter verschiedenen Aspekten für das persische Großreich der Sasaniden beleuchtet.


Vorwort: Jürgen Tubach

I Von der Heterodoxie zur Orthodoxie
Wolfgang Hage (Marburg): Die Anfänge der Apostolischen Kirche des Ostens nach Gregorius Barhebräus
Gerard P. Luttikhuizen (Groningen): Waren Manis Täufer Elchasaiten?

II Die gnostische Form der christlichen Botschaft
Siegfried G. Richter (Münster): Die Verwendung der Bibel bei den Manichäern
Alexandr L. Khosroyev (St. Petersburg): Manichäismus: eine Art persisches Christentum? Der Definitionsversuch eines Phänomens
Christiane Reck (Berlin): Die Bekehrung einer Christin zum manichäischen Glauben? Probleme bei der Interpretation eines fragmentarischen Textes

III Die „Perserkirche“: die iranisch-sprachigen Gemeinden
Antonio Panaino (Bologna): The Pazand version of the Our Father

IV Archäologische Zeugnisse für das Christentum im Sasanidenreich
Stefan R. Hauser (Berlin): Christliche Archäologie im Sasanidenreich: Grundlagen der Interpretation und Bestandsaufnahme der Evidenz
Jens Kröger (Berlin): Die Kirche auf dem Hügel Qasr bint al-Qadi und weitere Zeugnisse christlichen Lebens im Bereich der sasanidischen Metropole Ktesiphon

V Staat und Kirche im Sasanidenreich
Josef Wiesehöfer (Kiel): Narseh, Diokletian, Manichäer und Christen
Karin Mosig-Walburg (Frankfurt): Die Christenverfolgung Shâpûrs II. vor dem Hintergrund des persisch-römischen Krieges

VI Das theologische Profil der „Alten Kirche des Ostens“
Theresia Hainthaler (Frankfurt): Der Brief des Simeon von Beth Arsham über den Nestorianismus in Persien: Eine Positionsbestimmung der persischen Anti-Nestorianer auf der Grundlage des Henotikon
Geevarghese Chediath (Kottayam, Indien): The Christology of Mar Babhai the Great
Dietmar W. Winkler (Graz): Zur christologischen Terminologie des Katholikos-Patriarchen Ishoyahb II. von Gdhala (628 bis 646)

VII Der vorbildliche Christ
Harald Suermann (Bonn): Bedeutung und Selbstverständnis des Katholikos-Patriarchen von Seleukia-Ktesiphon
Martin Tamcke (Göttingen): Christ und Iraner zugleich. Seelsorgerliches Handeln des Katholikos-Patriarchen Sabhrisho I. im Spannungsfeld christlich-iranischer Existenz
Karl Pinggéra (Marburg): Das Bild Narsais des Großen bei Barhadhbshabba ’Arbhaya. Zum theologischen Profil der „Geschichte der heiligen Väter“

VIII Die Liturgie und die Inkulturation des Christentums
Jacob Thekeparampil (Kottayam, Indien): Beispiele für Gemeinsamkeiten in der Ost- und der Westsyrischen Liturgie
Baby Varghese (Kottayam, Indien): East Syrian Liturgy during the Sasanid Period
Bertram Schmitz (Hannover): Die Tauftradition der nestorianischen Kirche und die Frage der Inkulturation
Walter Beltz (Berlin / Halle): Die Entsakramentalisierung der syrischen Kirche im Sasanidenreich

IX Die Peripherie der „Perserkirche“: christliche Nachbarn im Nordwesten und die Expansion nach Osten
Samuel N. C. Lieu (Sydney): The Luminous Religion (Ch’ing-chao, i.e. the Church of the East or Nestorianism) in China: A historical survey




Vorwort
(Jürgen Tubach, Halle)
Der Terminus Inkulturation erfreut sich seit einiger Zeit einer größeren Beliebtheit. Der Begriff selbst ist relativ jung und stammt aus der Missionswissenschaft, wo er in ausgesprochen positivem Sinn verwandt wird. Spricht man von Inkulturation des Christentums, meint man die erfolgreiche „Verwurzelung“ der neuen Religion in einer anderen Kultur. Das Christentum präsentiert sich in einem neuen Gewand oder, um ein neutestamentliches Bildwort in abgewandelter Form zu gebrauchen, neuer Wein wird in einen anderen Schlauch umgefüllt, ohne daß die Qualität eine Einbuße erleidet. Die neue religiöse Botschaft, quasi ein keiner bestimmten Kultur verhaftetes Produkt, geht mit einer anderen Kultur eine Verbindung ein und verschmilzt mit ihr. Die Botschaft des Evangelium, zeitlos und ewig gültig gedacht, bleibt in ihrem Wesen unverändert und erhält lediglich ein anderes Gesicht, ein neues Kleid. Die Religion wird als eine zeitlose Erscheinung angesehen, die Kultur als ein Akzidenz, das letztlich nur äußerlicher Natur ist, sich von Jahrhundert zu Jahrhundert wandelt und das Spezifikum der christlichen Botschaft zumindest im Kern nicht berührt. Das wäre dann Inkulturation im Idealfall.
Unangenehme Begleiterscheinungen kommen bei dieser Definition nicht in den Blick oder sind von Anfang an ausgeblendet. Einen leicht negativen Hauch bekäme dieser Prozeß, wenn man einen anderen Terminus wählen würde und von Adaption, Akkommodation bzw. Anpassung spräche, was impliziert, daß die christliche Mission unter Umständen irgendwelche Kompromisse machen mußte oder gar, daß im ungünstigsten Fall das Evangelium verfälscht wird. Das Wort Kultur, das allen europäischen Sprachen vertraut ist, hat den engen Zusammenhang mit der Welt der Religion schon lange verloren. Etymologisch hängt es mit dem Wort Kult zusammen. Cultura wie cultus ist im eigentlichen Sinn ein Begriff aus dem Bereich der Landwirtschaft. Im Deutschen schimmert das in Wörtern wie „Rebenkultur“ noch durch. Im übertragenen Sinn beziehen sich cultus und cultura auf die religiöse Verehrung der römischen Gottheiten. Kultur und Religion waren ursprünglich eng miteinander verbunden. Kultur ohne Religion oder bestimmte religiöse Vorstellung ist nur in der reinen Theorie vorhanden. Trifft eine neue Religion z.B. das Christentum auf eine andere Kultur in einer anderen Gegend der Welt, kommt es zum Prozeß wechselseitiger Begegnung. Die neue Religion arrangiert sich auf verschiedene Weise mit der fremden Kultur und der durch sie vermittelten Religion oder Religiosität. Läuft dieser Prozeß erfolgreich ab, spräche man in den Augen der Missionswissenschaft von Inkulturation, kommt es zu Komplikationen d.h. zu negativen Begleiterscheinungen würde man zur Beschreibung des Phänomens zu einem anderen Begriff greifen, der früher im theologischen Kontext als Schimpfwort benutzt wurde, von der Religionswissenschaft aber heute neutral gebraucht wird, obwohl ihm immer noch ein gewisser pejorativer Unterton anhaftet. Dieser Terminus ist Synkretismus.
Ein besonderer Dank gilt der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Stiftung Leucorea, ohne deren finanzielle Unterstützung das Symposium zur Inkulturation des Christentums im vorislamischen Persien nicht hatte abgehalten werden können. Ohne einen namhaften Druckkostenzuschuß der Alexander-und-Gertrud-Böhlig-Stiftung, der großzügig gewährt wurde, wäre die vorliegende Publikation nicht möglich gewesen. Die Endredaktion nahm Frau Dr. Guliko Sophia Vashalomidze vor, wofür ihr an dieser Stelle besonders gedankt sei.


Rezensionen

„Der vorliegende Band vereint 21 Beiträge des vom 12. bis 16. Mai 1999 in Lutherstadt Wittenberg abgehaltenen internationalen Symposiums „Inkulturation des Christentums im Perserreich der Sasanidenzeit“. Leider hat der lange Zeitraum bis zum Erscheinen der Publikation dazu geführt, dass einige Teilnehmer ihre Beiträge zwischenzeitlich anderweitig publiziert haben. Da dies im Vorwort nicht eigens erwähnt wird, kann der Leser sich kein Bild von der ursprünglichen Zusammensetzung des Symposiums machen. Die (nicht immer überzeugend) nach inhaltlichen Gesichtspunkten in neun Abschnitte gruppierten und überwiegend in Deutsch abgefassten Aufsätze widmen sich dem in der Forschung noch unterrepräsentierten Thema der inneren und äußeren Aspekte von Christentum in Interaktion mit seinem iranischen Umfeld in vor- und frühislamischer Zeit. Dabei werden mittels historischer, religionsgeschichtlicher, theologischer oder archäologischer Methoden zentrale Fragestellungen, wie die Geschichte der Kirchen des Ostens, die Differenzierung der Christologien und der Liturgien in Syrisch-Orthodoxer und „nestorianischer“ Kirche, das Verhältnis zwischen kirchlichen und staatlichen Autoritäten sowie die Rezeption christlichen Gedankenguts und Schrifttums durch andere religiöse Gruppen, untersucht. Die meisten Beiträge geben einen Überblick über Stand und Probleme der Forschung mit einer teilweisen Neubewertung früherer Ergebnisse; teilweise nehmen sie Bezug auf den heutigen ökumenischen Dialog. (...)
Der Band ist attraktiv ausgestattet, jedoch nicht gründlich redigiert, so dass sein Erscheinungsbild getrübt wird durch zahlreiche nicht korrigierte Fehler.“
In: Orientalistische Literaturzeitung. 103 (2008) 6. S. 759-768.
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„(...) Der (...) Sammelband (vereint) sehr verschiedenartige Beiträge. Dies behifft sowohl die Themen als aueh ihre Umsetzung. Hilfreiche Überblicke stehen neben ambitionierten forschungsorientierten Detailstudien. Einigendes Band ist das erfolgreiche Bemühen, eine möglichst viele Aspekte umfassende Darstellung der zahlreichen Facetten der frühen syrischen Christenheit im Sasanidenreich zu geben. Dies ist in jedem Fall gelungen.“

Josef Rist

In: Oriens Christtianus. Hefte für die Kunde des christlichen Orients, Im Autrag der Görres-Gesellschaft, hg. von Hubert KAufhold und Manfred Kropp, Band 97, 2013/2014, S. 217-2019.

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